Fast 50 Jahre lang wählte Zachi Hanegbi den Likud. Einige Male kandidierte er selbst für die Partei.
Doch jetzt zieht der langjährige Verbündete von Likud-Chef Benjamin Netanjahu einen Schlussstrich: Bei der Knessetwahl am 27. Oktober will Hanegbi für Avigdor Liebermans Partei Yisrael Beitenu stimmen. In einem Meinungsbeitrag für das Nachrichtenportal »Ynet« rechnet der ehemalige nationale Sicherheitsberater mit seiner alten Partei ab – und erklärte, warum er sich nicht länger zu ihr zählt.
»Seit einiger Zeit werden die Stimmen innerhalb der Rechten, die ich als verstörend empfinde, immer lauter«, so Hanegbi. Nicht alle würden die Prinzipien widerspiegeln, an die er glaube. »Ich gehöre nicht zur messianischen Rechten. Ich gehöre auch nicht zur rassistischen Rechten. Und ich gehöre nicht zu einer Rechten, die ihre ideologischen Gegner verachtet«, schrieb er mit Blick auf Handlungen und Ansichten von Netanjahus rechtsextremer und ultraorthodoxer Regierungskoalition.
»Ebenso wenig gehöre ich zu einer Rechten, die angesichts von Wellen nationalistischer Kriminalität schweigt, geschweige denn deren weitreichende Folgen herunterspielt. Ich identifiziere mich auch nicht mit dem Wunsch, Institutionen der Strafverfolgung zu zerschlagen, um die Regierungsführung zu ›stärken‹.«
Hanegbi hat kein Verständnis für Wehrdienstverweigerer
»Vor allem fällt es mir schwer zu verstehen, wie Rechte ihre Unterstützung dafür rechtfertigen, einem großen Teil der Bevölkerung eine umfassende Befreiung vom Militär- und Zivildienst zu gewähren«, kritisierte der ehemalige Sicherheitsberater. »Solange rechte Parteien die Augen davor verschließen, dass ihre politischen Partner dazu aufrufen, Einberufungsbescheide der Armee in die Toilette zu werfen und sich heiser schreien mit den Worten: ›Wir sterben lieber, als uns einziehen zu lassen!‹, will ich nichts mit ihnen zu tun haben.«
25 Jahre lang saß Hanegbi für den Likud in der Knesset und war Minister in verschiedenen Ämtern. Von 2023 bis 2025 diente er als Netanjahus nationaler Sicherheitsberater. Im Oktober 2025 entließ ihn dieser abrupt. Zuvor hatte es offenbar Meinungsverschiedenheiten über die Kriegsführung im Gazastreifen gegeben.
Auch den Gesetzentwurf zur Regelung der Wehrpflicht ultraorthodoxer Männer hatte Hanegbi scharf kritisiert. Das Gesetz sieht eine generelle Befreiung der Haredim vom Militärdienst vor. Dies bedrohe die Zukunft Israels, warnte er.
Seine Abkehr vom Likud sei ihm nicht leichtgefallen, machte Hanegbi nun deutlich. Es sei bereits die 18. Parlamentswahl, an der er teilnehmen werde. Seine erste Stimme habe er 1977 als Fallschirmjäger in der israelischen Armee dem damaligen Likud-Chef Menachem Begin gegeben.
Zachi Hanegbi: »Jetzt muss ich wirklich wählen – und nicht einfach nur meine Stimme abgeben.«
»Fast fünf Jahrzehnte später wird der 27. Oktober das erste Mal in meinem Leben sein, dass ich für eine Partei stimme, auf deren Kandidatenliste weder der Name meiner Mutter steht, noch mein eigener.« Hangebis Mutter, Geula Cohen, hatte er bei den ersten drei Wahlen unterstützt; anschließend war er bei allen 14 weiteren Urnengängen selbst als Kandidat angetreten.
Im Lager Netanjahus wurde Hanegbis Aussage mit Spott aufgenommen. Jacob Bardugo, Kommentator des Netanjahu-nahen Fernsehsenders »Kanal 14« und Nummer elf auf der Likud-Liste, bezeichnete den Meinungsbeitrag als »erbärmlich«.
Guy Levy, Likud-Sprecher, äußerte sich ebenfalls mit harschen Worten. »Ich kenne diesen Typ Mensch – Leute wie Limor Livnat, Meir Sheetrit, Nir Hefetz und Zachi Hanegbi«, postete er in seinen sozialen Medien. Sie hätten sich als »Teil des Systems für unentbehrlich gehalten. Doch dann habe sie die Realität eingeholt.«Sobald sie das Büro verließen, merkten sie, dass sie in Wahrheit nichts bedeuteten. »Ihre Telefone hören auf zu klingeln, plötzlich gab es keinen Fahrer oder Assistenten, keine Empfänge mehr – und niemanden interessierte, was sie zu sagen haben.«
Yinon Magal bezeichnete Eizenkot als »Affen«
Der umstrittene Kommentator von »Kanal 14«, Yinon Magal, hatte Netanjahu-Herausfoderer Gadi Eizenkot in seinem Sender wiederholt als »Affen« bezeichnet. Dabei spielte er ausdrücklich auf Eizenkots marokkanische Herkunft an und behauptete, hinter ihm stünden aschkenasische Eliten, die ihn steuerten. Viele warfen Magal deshalb Rassismus vor. Eizenkot reagierte mit den Worten: »Das Problem ist nicht Yinon Magal, sondern der Mann, der hinter Yinon Magal steht« – eine Anspielung auf Netanjahu.
Für Hanegbi ist der Urnengang nächste Woche eine Zäsur. »Während ich bei allen bisherigen Wahlen kein Dilemma hatte, stellt mich diese vor eine neue Herausforderung«, schrieb er. »Jetzt muss ich wirklich wählen – und nicht einfach nur meine Stimme abgeben.« Die solle jetzt an Lieberman gehen, unter anderem weil der schon früh vor der Hamas gewarnt habe und hartes Vorgehen gegen die Terrororganisation forderte.
Darüber hinaus lobte er dessen »weniger konventionelle Seiten und Fähigkeit, Stereotype über Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion zu überwinden«. Lieberman sei ein Politiker, der »nationale Prinzipien verteidige und eine respektvolle und verbindliche rechte Stimme« bliebe.