Knapp eine Woche vor dem Rest des Landes haben Israels aktive Soldaten mit der Stimmabgabe für die Parlamentswahlen am 27. Oktober begonnen. Damit sollen in abgelegenen Orten stationierte Soldaten die Möglichkeit erhalten, an der Wahl teilzunehmen, wie israelische Medien am Mittwoch berichteten. In Israel sowie in Armeestellungen im Gazastreifen, Libanon und in Syrien wurden rund 850 Wahllokale eröffnet.
Etwa ein Viertel davon ist mobil einsetzbar. Sie sollen bis zum 27. Oktober, dem eigentlichen Wahltag, für Soldaten geöffnet sein. Als Wahlhelfer agieren rund 3000 Soldaten, mehrheitlich Wehrpflichtige, die eine spezielle Schulung erhalten haben. Es steht Soldaten auch offen, am 27. Oktober in zivilen Wahllokalen ihre Stimme abzugeben.
Diplomaten haben schon gewählt
Bereits am 15. und 16. Oktober haben die im Ausland stationierten diplomatischen Vertreter Israels ihre Stimme abgegeben. Die Beteiligung war laut israelischen Medien mit 86,7 Prozent signifikant höher als 2022, als nur knapp 70 Prozent der wahlberechtigten Diplomaten sich beteiligten.
Beobachter sehen in der Wahlbeteiligung einen möglicherweise entscheidenden Faktor für den Ausgang der Knessetwahl. Insbesondere Vertreter der Opposition bemühten sich im Vorfeld darum, im Ausland lebende Israelis zur Teilnahme in Israel zu bewegen. Die Wahlbehörde geht laut Berichten davon aus, dass rund 50.000 Israelis für die Wahl anreisen werden. Anders als in vielen Ländern ist Briefwahl in Israel auf Diplomaten und deren Familien beschränkt.
Rund 7,3 Millionen Israelis sind zum Wählen aufgerufen, wie das Zentrale Statistikamt mitteilte. Davon leben 6,5 Millionen in Israel und 810.000 im Ausland.
Die Zahl der in Israel ansässigen Wahlberechtigten ist seit der letzten Knesset-Wahl im November 2022 um 5,4 Prozent gestiegen. Gut drei Viertel der Wahlberechtigten sind jüdisch. Arabische Wähler machen 18 Prozent aus, weitere 5 Prozent werden als »Sonstige« eingestuft.
Es droht ein Patt
Umfragen sagen seit Monaten ein Patt zwischen dem Lager der aktuellen Regierungskoalition und den zionistischen Oppositionsparteien voraus, wobei aktuellen Prognosen zufolge keine Seite die notwendige Mehrheit von 61 Sitzen erhielte. Wichtigster Herausforderer des langjährigen Regierungschefs Benjamin Netanjahu ist der frühere Armeechef und Vorsitzende der Partei Jaschar, Gadi Eisenkot.
Nach der jüngsten Umfrage der Nachrichtenseite »Walla« von Dienstag käme Netanjahus Likud auf 19 Sitze, Jaschar auf 23. Das regierungsfreundliche Lager käme insgesamt auf 48 Mandate, die jüdische Opposition auf 54 Sitze, während arabische Parteien auf 14 Sitze kämen.
Insgesamt sind rund 7,3 Millionen Israelis wahlberechtigt, etwa 71 Prozent aller Israelis. Das Land folgt einem Verhältniswahlrecht, bei dem die Wahlberechtigten für eine Partei mit einer landesweiten Liste stimmen. Insgesamt gehen 37 Parteien für die 120 Parlamentssitze und eine Legislaturperiode von vier Jahren ins Rennen. Die Wahlhürde liegt bei 3,25 Prozent der abgegebenen Stimmen. kna/ja