Nahostkonflikt

Sa’ar beschuldigt westliche Staaten, die Hamas zu bestärken

Gideon Sa’ar ist seit November 2024 israelischer Außenminister Foto: IMAGO/photonews.at

Israels Außenminister Gideon Sa’ar hat in einem Interview mit der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« vor der Errichtung eines palästinensischen »Terrorstaates« gewarnt und erneut scharfe Kritik an westlichen Staaten geäußert. Diese hatten zuletzt angekündigt, in Kürze einen Palästinenserstaat diplomatisch anerkennen zu wollen. Israel müsse um seine nationale Sicherheit fürchten und lehne eine palästinensische Staatlichkeit strikt ab, sagte Sa’ar.

Die Hamas habe ihre Position wegen des wachsenden internationalen Drucks auf Israel nur weiter verhärtet, meinte er.  Ohne das Massaker vom 7. Oktober 2023 würden aktuell auch keine israelischen Truppen im Gazastreifen stehen. Sein Land habe aber nicht vor, Gaza auf Dauer zu beherrschen, so der Minister. »Aus Sicherheitsgründen kontrollieren wir derzeit einige Gebiete, um das Eindringen von Terroristen und den Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel zu verhindern«, sagte er.

»Wir haben weder jetzt noch in Zukunft die Absicht, die Menschen im Gazastreifen zu regieren«, fügte Sa’ar hinzu. Es gebe auch keine Pläne für neue Siedlungen in der von mehr als zwei Millionen Menschen bewohnten Küstenenklave.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Das Westjordanland hingegen sei kein von Israel »besetztes«, sondern »umstrittenes« Gebiet. Es habe nie einen palästinensischen Staat dort gegeben, meinte der Außenminister. Der von der EU und anderen Staaten propagierte Begriff einer Zweistaatenlösung suggeriere eine »Lösung«, so Sa’ar. In Wahrheit sei das aber »Selbstmord für den Staat Israel«.

Die Schuld an der aktuellen Notlage im Gazastreifen gab er voll und ganz der Hamas. Die Situation an den Essensausgabestellen der von Israel unterstützten Gaza Humanitarian Foundation (GHF), die von israelischen Soldaten überwacht wird, habe sich dagegen gebessert, behauptete der israelische Chefdiplomat. Hunderte von Menschen waren dort zuletzt bei Massenpaniken getötet worden. Das sei mittlerweile nicht mehr der Fall.

Es sei die Hamas gewesen, die mit überzogenen Forderungen zur Freilassung palästinensischer Häftlinge ein Waffenstillstandsabkommen »bewusst an die Wand gefahren« habe, so Sa’ar. Israel habe die Gespräche in Katar gemeinsam mit den USA verlassen, weil die Hamas 200 in Israel zu lebenslanger Haft verurteilte Terroristen für eine Geisel habe freipressen wollen. »Dieses Kapitel der Verhandlungen war allerdings bereits abgeschlossen. Die Hamas wurde durch den internationalen Druck auf Israel dazu ermutigt, die Verhandlungen für einen Waffenstillstand zu sabotieren.«

Lesen Sie auch

Deutschland lobte Sa’ar hingegen ausdrücklich als rational handelnden Partner. Von der Bundesrepublik sei er nicht enttäuscht. »Die deutsche Regierung ist eine freundliche Regierung. Ich vertraue ihren guten Absichten. Aber es gibt Druck von anderen EU-Mitgliedstaaten und vielleicht auch von einigen Koalitionspartnern«, sagte er.

Von möglichen Strafmaßnahmen, wie sie zuletzt die Europäische Kommission verlangt hatte, werde Israel sich nicht beeindrucken lassen, erklärte Sa’ar gegenüber der FAZ. »Wir lassen uns nicht mit Sanktionen einschüchtern oder davon, einen zukünftigen palästinensischen Staat anzuerkennen. Wir werden nicht unter Druck handeln.« Der Krieg in Gaza gehe so lange weiter, wie die israelischen Geiseln nicht befreit und die Hamas nicht besiegt sei, sagte er.

Gestern Abend war Sa’ar in Jerusalem mit Bundesaußenminister Johann Wadephul zusammengekommen. Israelischen Angaben zufolge bekräftigte Sa’ar in dem Gespräch die von Deutschland und den meisten als völkerrechtswidrig abgelehnte Position, dass Israel das Recht habe, Juden »im Herzen ihrer historischen Heimat« anzusiedeln. »Wir bezeichnen diese Gebiete nicht als ‚Westjordanland‘. Wir nennen sie ‚Judäa und Samaria‘. In Europa glaubt man heute, dass Juden in Berlin, London und Brüssel leben können, aber nicht anderthalb Kilometer von hier. mth

Tel Aviv

Sirenen und Schlagzeilen

Unsere Israel-Korrespondentin Sabine Brandes über das Arbeiten im Ausnahmezustand

von Sabine Brandes  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 19 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Essay

Brandbeschleuniger Hass auf Israel: Der Gesetzgeber darf nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  07.05.2026

Luftfahrt

El Al eröffnet größte koschere Fluglinien-Küche der Welt

El-Al-Chef Levi Halevi sagt, das Projekt sei Teil einer langfristigen Strategie zur Verbesserung des Reiseerlebnisses

 07.05.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Vollständige Koordination« mit den USA zu Iran

Israel bereite sich auf unterschiedliche Entwicklungen vor, sagt der israelische Ministerpräsident. »Wir sind auf jedes Szenario vorbereitet.«

 07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Meinung

Liebe Politiker, habt ihr nur warme Worte im Angebot?

Das CDU-Präsidium hat einen Beschluss zum Schutz jüdischen Lebens gefasst. Er ist gut gemeint, aber nicht wirklich überzeugend

von Michael Thaidigsmann  06.05.2026

Nachrichten

Licht, Erfolg, Reise

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  06.05.2026

Wahlkampf

Alte Bekannte, neue Bündnisse

Der Kampf um die Sitze in der nächsten Knesset hat begonnen. Eine drusische Partei sorgt für besonderes Aufsehen – und für überraschende Möglichkeiten

von Sabine Brandes  06.05.2026