Missbrauch

Razzia gegen Kinderehen

Die israelische Polizei ermittelt (Symbolfoto). Foto: imago

Razzia gegen Kinderehen in Nordisrael. In der Gemeinde von Yavne‘el in Untergaliläa wurden am Donnerstag 16 Verdächtige von Beamten der Polizei zur Vernehmung festgenommen. Die strengreligiöse jüdische Gruppe befindet sich bereits seit Langem im Visier der Sicherheitsbehörden.

Unter den Festgenommenen befinden sich Minderjährige und Erwachsene aus der unmittelbaren Umgebung, die im Verdacht stehen, kürzlich geheiratet zu haben oder mit den Vorbereitungen für eine illegale Hochzeit begonnen zu haben.

Die Polizei betont, dass es sich um einen »gezielten und andauernden Kampf gegen dieses illegale Phänomen« handelt, der in einer kleinen, abgeschotteten Gemeinde stattfindet. Das Zentrum sei Yavne‘el.

Zeremonien finden im kleinen Kreis statt

Laut Polizeiangaben würden die betreffenden Zeremonien üblicherweise morgens im kleinen Kreis stattfinden. Die Organisatoren treffen Vorsichtsmaßnahmen, darunter die Geheimhaltung des Veranstaltungsortes bis zum Beginn der »Verheiratung« und das Verbot der Mitnahme von Mobiltelefonen aus Angst vor Aufnahmen. Nach der religiösen Zeremonie findet in vielen Fällen eine zusätzliche Veranstaltung für die Öffentlichkeit unter dem Deckmantel einer »Verlobungsfeier« statt, zu der alle Verwandten des Brautpaares eingeladen werden.

Die heutige Operation reiht sich in eine frühere Aktion ein, die vor einigen Wochen in der Stadt durchgeführt wurde und bei der über 20 Verdächtige wegen ihrer Beteiligung an ähnlichen Taten festgenommen und verhört wurden. Man werde die Angelegenheit in Zusammenarbeit mit Strafverfolgungs- und Sozialbehörden weiterhin gründlich untersuchen, um die Beteiligten zur Rechenschaft zu ziehen, hieß es in einer Stellungnahme der Sicherheitskräfte.

Merav Cohen: »Die Sekte in Yavne‘el zählt bereits Hunderte von Familien, und fast jeden Monat bringt ein Mädchen ein Kind zur Welt.«

Der Verdacht von Kinderehen war aufgekommen, weil in Krankenhäusern der Gegend auffällig viele Schwangerschaften von minderjährigen Mädchen aufgetaucht waren. Wie die Tageszeitung »Haaretz« berichtet hatte, seien in den vergangenen drei Jahren aus Daten von Sozialeinrichtungen mehr als 20 Fälle bekannt geworden, in denen als unverheiratet registrierte Mädchen Kinder zur Welt brachten.

Die Knessetabgeordnete Merav Cohen (Jesch Atid), Vorsitzende des Komitees zur Förderung der Frauen, nahm angesichts des Nichtstuns der Behörden in der Gemeinde an der Ratssitzung teil. »Der Vorsitzende des Yavne‘el-Rates, wo die extremistische Sekte, die illegale Ehen mit Minderjährigen vollzieht, aktiv ist, nahm weder an unseren Gesprächen in der Knesset noch an unserer Besichtigung teil«, erklärte Cohen im Fernsehkanal 12.

»Da uns keine andere Wahl blieb, erschienen wir ohne Einladung zur Sitzung, um eine dringende Einberufung zu fordern.« Sie fügte hinzu, dass das Jugendamt in Yavne‘el dysfunktional sei.

Leben von Jungen und Mädchen werden zerstört

»Täglich werden die Leben von Jungen und Mädchen zerstört, die von ihren Schwiegervätern zwangsweise sexuell missbraucht werden«, so die schockierende Aussage von Cohen. »Die Sekte in Yavne‘el zählt bereits Hunderte von Familien, und fast jeden Monat bringt ein Mädchen ein Kind zur Welt.«

»Die israelische Polizei wird entschlossen gegen alle Straftaten vorgehen, die Minderjährige und Schutzbedürftige schädigen, einschließlich Straftaten im Zusammenhang mit illegalen Ehen«, betonte ein Sprecher nach der Razzia. »Die in den letzten Monaten im Nordbezirk durchgeführten Ermittlungen sind Teil unseres fortwährenden Kampfes für die Sicherheit und die Rechte von Minderjährigen.«

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