Sie geben auf: Nach zwei Monaten von gewaltsamen Protesten und Beschimpfungen vor einem Café in Jerusalem durch ultraorthodoxe Randalierer haben die Betreiber am Donnerstag bekanntgegeben, das Lokal »schweren Herzens« am Schabbat nicht mehr zu öffnen. Das Café Besimta im Zentrum der Stadt gehört zu der messianischen Bewegung der »Juden für Jesus«.
Die Entscheidung folgte auf angespannte Wochen, in denen das Lokal jeden Samstag zum Schauplatz von aggressiven Demonstranten wurde, die ohne Unterlass »Schabbat« schrien, und von Gästen und Anwohnern, die sich solidarisch mit den Betreibern und der Belegschaft erklärten.
Die Proteste wurden jedoch zunehmend gewalttätiger. So wurden in den vergangenen Tagen Fäkalien vor dem Eingang verschüttet und das Schloss der Tür mit Klebstoff verschmiert, was die Öffnung verzögerte. Auch wurden Tische umgeworfen, und zusehends versuchten die meist jugendlichen Randalierer, Gäste am Betreten des Cafés zu hindern und bauten Barrikaden in der Umgebung auf.
Entscheidung sei »schweren Herzens« getroffen worden
In der offiziellen Stellungnahme der Caféleitung hieß es, die Entscheidung sei schweren Herzens getroffen worden, um eine Eskalation zu verhindern: »Unsere Identität erlaubt es uns nicht, weiterhin ein Brennpunkt von Spannungen und Hass zu sein. Wir wollen mit Respekt, Dialog und Nächstenliebe handeln – auch gegenüber denen, die unseren Glauben ablehnen.«
Die Ankündigung löste heftige Reaktionen auf in Jerusalem und im ganzen Land aus: Adir Schwartz, stellvertretender Bürgermeister, und Vorsitzender von »Hitorerut« (Erwachen) kündigte an, sich für den Erhalt des Cafés einzusetzen. Die Grassroot-Bewegung will »Jerusalem als lebendige, kreative, tolerante und einladende Stadt für eine vielfältige Bevölkerung erhalten«.
»Dies ist ein trauriger Tag für Jerusalem – die Gewalt hat gesiegt«, schrieb Schwartz in den sozialen Medien. Es ist ein gefährlicher Präzedenzfall für eine Stadt, die sich erneut mit religiösen Auseinandersetzungen auseinandersetzen muss, die nicht die Mehrheit ihrer Einwohner repräsentieren.»
Adir Schwartz: «Heute schließen wir – wegen Gewalt – ein Café, morgen werden Straßen gesperrt sein.»
Schwartz fügte hinzu: «Die enorme Unterstützung der Öffentlichkeit, die Woche für Woche kam, reichte nicht aus, da die lokale Führung tatenlos zusah und dem Phänomen nicht Einhalt gebieten wollte. Wir von Erwachen geben nicht auf und prüfen schon verschiedene Möglichkeiten, das Café am Schabbat eigenständig weiterzuführen. Heute schließen wir – wegen Gewalt – ein Café, morgen werden Straßen gesperrt sein.»
Da das Café von der Organisation «Juden für Jesus» betrieben wird, die Juden zum Glauben an Jesus bekehren will, gab es zudem von verschiedenen Seiten Forderungen, das Café gänzlich zu schließen.
Es gab auch Forderungen, das Café gänzlich zu schließen
Eli Birnbaum, Geschäftsführer von «Juden für Jesus» erklärte in israelischen Medien anschließend: «Dies ist eine schwierige und schmerzhafte Entscheidung, die aus einer tiefen Verantwortung gegenüber unseren Gästen, unserem Glauben und der israelischen Gesellschaft als Ganzes resultiert.»
Das Café sei zu einem Brennpunkt von Spannungen und Gefahren geworden, «eine Realität, die unserer Identität widerspricht». Er dankte der israelischen Polizei, Stadtverwaltung und allen Unterstützern. «Nun wollen wir das Café Besimta wieder zu dem machen, was es sein sollte: ein ruhiger und offener Ort für Kaffee, Kultur und Gespräche.»