Jerusalem

Die Gewalt hat am Schabbat gesiegt

Ultraorthodoxe Demonstraten vor dem Café Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Sie geben auf: Nach zwei Monaten von gewaltsamen Protesten und Beschimpfungen vor einem Café in Jerusalem durch ultraorthodoxe Randalierer haben die Betreiber am Donnerstag bekanntgegeben, das Lokal »schweren Herzens« am Schabbat nicht mehr zu öffnen. Das Café Besimta im Zentrum der Stadt gehört zu der messianischen Bewegung der »Juden für Jesus«.   

Die Entscheidung folgte auf angespannte Wochen, in denen das Lokal jeden Samstag zum Schauplatz von aggressiven Demonstranten wurde, die ohne Unterlass »Schabbat« schrien, und von Gästen und Anwohnern, die sich solidarisch mit den Betreibern und der Belegschaft erklärten.

Die Proteste wurden jedoch zunehmend gewalttätiger. So wurden in den vergangenen Tagen Fäkalien vor dem Eingang verschüttet und das Schloss der Tür mit Klebstoff verschmiert, was die Öffnung verzögerte. Auch wurden Tische umgeworfen, und zusehends versuchten die meist jugendlichen Randalierer, Gäste am Betreten des Cafés zu hindern und bauten Barrikaden in der Umgebung auf.

Entscheidung sei »schweren Herzens« getroffen worden

In der offiziellen Stellungnahme der Caféleitung hieß es, die Entscheidung sei schweren Herzens getroffen worden, um eine Eskalation zu verhindern: »Unsere Identität erlaubt es uns nicht, weiterhin ein Brennpunkt von Spannungen und Hass zu sein. Wir wollen mit Respekt, Dialog und Nächstenliebe handeln – auch gegenüber denen, die unseren Glauben ablehnen.«

Die Ankündigung löste heftige Reaktionen in Jerusalem und im ganzen Land aus: Adir Schwartz, stellvertretender Bürgermeister, und Vorsitzender von »Hitorerut« (Erwachen) kündigte an, sich für den Erhalt des Cafés einzusetzen. Die Grassroot-Bewegung will »Jerusalem als lebendige, kreative, tolerante und einladende Stadt für eine vielfältige Bevölkerung erhalten«.

»Dies ist ein trauriger Tag für Jerusalem – die Gewalt hat gesiegt«, schrieb Schwartz in den sozialen Medien. Es ist ein gefährlicher Präzedenzfall für eine Stadt, die sich erneut mit religiösen Auseinandersetzungen auseinandersetzen muss, die nicht die Mehrheit ihrer Einwohner repräsentieren.»

Adir Schwartz: «Heute schließen wir – wegen Gewalt – ein Café, morgen werden Straßen gesperrt sein.»

Schwartz fügte hinzu: «Die enorme Unterstützung der Öffentlichkeit, die Woche für Woche kam, reichte nicht aus, da die lokale Führung tatenlos zusah und dem Phänomen nicht Einhalt gebieten wollte. Wir von Erwachen geben nicht auf und prüfen schon verschiedene Möglichkeiten, das Café am Schabbat eigenständig weiterzuführen. Heute schließen wir – wegen Gewalt – ein Café, morgen werden Straßen gesperrt sein.»

Da das Café von der Organisation «Juden für Jesus» betrieben wird, die Juden zum Glauben an Jesus bekehren will, gab es zudem von verschiedenen Seiten Forderungen, das Café gänzlich zu schließen.

Es gab auch Forderungen, das Café gänzlich zu schließen

Eli Birnbaum, Geschäftsführer von «Juden für Jesus» erklärte in israelischen Medien anschließend: «Dies ist eine schwierige und schmerzhafte Entscheidung, die aus einer tiefen Verantwortung gegenüber unseren Gästen, unserem Glauben und der israelischen Gesellschaft als Ganzes resultiert.»

Das Café sei zu einem Brennpunkt von Spannungen und Gefahren geworden, «eine Realität, die unserer Identität widerspricht». Er dankte der israelischen Polizei, Stadtverwaltung und allen Unterstützern. «Nun wollen wir das Café Besimta wieder zu dem machen, was es sein sollte: ein ruhiger und offener Ort für Kaffee, Kultur und Gespräche.»

Israel

Netanjahu: »Es wird keine Hamas-Herrschaft geben«

Bei dem Gedenken der Opfer des Hamas-Massakers vor drei Jahren droht der Ministerpräsident den an dem Überfall beteiligten Terroristen

 05.10.2026

Terroranschlag

Rückholflüge aus den Emiraten haben begonnen

Aktion beginnt nach der Beilegung eines Streits über Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen von Dubai

von Sabine Brandes  05.10.2026

Luftfahrt

Rücktritt von Transportministerin Regev gefordert

Oppositionspolitiker wollen, dass Miri Regev wegen des »Flydubai-Desasters« Verantwortung übernimmt und ihren Posten räumt

von Sabine Brandes  05.10.2026

Fußball

Irischer Fitness-Trainer wirft Israel Spuckattacke vor

Irland gegen Israel war eine Nations-League-Paarung, die seit der Auslosung für viel Unruhe gesorgt hat. Beim Rückspiel gibt es nun Vorwürfe zu einem extrem unsportlichen Verhalten

 05.10.2026

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026