POWER LIST – Germany’s Top 50

Hape Kerkeling bekommt Sonderpreis für Zivilcourage

Der Kabarettist und Comedian Hape Kerkeling ist in die »Power List« von den drei Springer-Medien »Welt«, »Politico« und »Business Insider« aufgenommen worden. Zudem erhielt er den Sonderpreis für Zivilcourage. Konkret wird seine Rede zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald, die er am 13. April hielt, ausgezeichnet.

Auch die Ärztin und BestsellerautorinYael Adler, Bildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU) sowie Philipp Peyman Engel, der Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen, stehen auf der diesjährigen »Power List«. In Engels Fall gilt dies zum zweiten Mal in Folge.

Prien hielt am Mittwochabend die Laudatio für Kerkeling. Dabei ging sie auf einen der bekanntesten Comedy-Streiche des Komikers ein, nämlich seine Parodie auf Königin Beatrix im Jahr 1991: »Das Licht der Welt erblickte ich in Amsterdam, in den Niederlanden. (...) 1991, als Studentin, hat mich der Besuch Ihrer Königlichen Hoheit Königin Beatrix im Schloss Bellevue natürlich besonders berührt«, erklärte die Ministerin.

Und weiter: »Alle hier im Saal ahnen, warum ich seitdem immer auch an ›Lecker Mittagessen‹ denke, wenn es um die niederländische Königsfamilie geht.«

Schlämmer und »Hurz!«

Auch sprach sie Kerkelings Einsatz als Klassikexperte (»Hurz!«) und seine weitaus neuere Figur Horst Schlämmer an. »Was für ein fabelhaftes Lebenswerk, schon jetzt«, so die CDU-Politikerin. Allerdings werde Hape Kerkeling in diesem Fall nicht geehrt, weil er die Nation zum Lachen bringe: »Sie erhalten heute den Preis für Zivilcourage, weil Sie für etwas stehen. Sie berühren Ihr Publikum, Sie berühren uns auf ganz besondere Weise.«

Dies geschehe »mit Empathie, mit Nachdenklichkeit, mit großer Ernsthaftigkeit und mit stets freundlicher, aber deutlicher Kritik an der Gesellschaft.« In seiner Rede in der Gedenkstätte Buchenwald habe er auch über seinen Großvater Hermann gesprochen, der als politischer Häftling Jahre in Buchenwald habe verbringen müssen.

Karin Prien zitierte aus der damaligen Rede Kerkelings: »Er hat nicht geschossen, er hat nicht sabotiert – er hat lediglich die Wahrheit geschrieben, gedruckt und verteilt. Sie tragen dieses Erbe weiter, lieber Hape Kerkeling. Das Erbe Ihres Großvaters, der Zimmermann Hermann Kerkeling, vielleicht ein einfacher Mann, aber mit Haltung!«

Grund zur Sorge

»Heute werden Sie für diese große Rede geehrt, in der Sie deutlich sagen, wie die Lage ist: Unsere Demokratie ist gefährdet, wenn wir anfangen, die Vergangenheit als etwas Abgeschlossenes, Museales zu betrachten«, so Prien im Springer-Hochhaus.

Es gebe Grund zur Sorge, denn der Judenhass von Rechts und Links sowie aus »manchen migrantische Milieus« wachse. »Aus der Mitte erleben wir Gleichgültigkeit. Menschenrechte, Grundwerte unserer Demokratie werden infrage gestellt, in Deutschland und weltweit. Und eine wachsende Anzahl der Deutschen findet, es sei doch nun mal Zeit für einen Schlussstrich.«

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Prien sagte, sie habe auch Hoffnung. »Weil es Menschen wie Sie gibt. Die nicht sagen: ›Ich bin dann mal weg‹, sondern Verantwortung übernehmen, die Wahrheit sagen, wie Ihr Opa Hermann. Die sagen: Wir müssen hinsehen, laut werden, streiten, verteidigen. Immer mit Empathie. Mit Respekt für das Gegenüber. Mit Anstand. Aber immer auch: Aufrecht.«

Markante Stimme

»Welt« begründete auch die Aufnahme von Philipp Peyman Engel in die »Power List«. Er sei »eine der markantesten Stimmen im Kampf gegen Antisemitismus – gleich, aus welcher Ecke er kommt. Engel ist jemand, der sich nicht wegduckt, wenn es unbequem wird – nicht selten auch für ihn persönlich. In einer Zeit, in der Diskurs oft zur Kampfzone wird, macht ihn das umso mehr: unverzichtbar.«

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In der »Welt« erklärte Helge Fuhst, der Vorsitzende der Chefredaktionen von Springers »Premium-Gruppe« die Idee hinter der »Power List«. Er kritisierte, der Erfolg und Spitzenleistungen in Deutschland würden häufig mit Misstrauen betrachtet. Wer herausragende Leistungen erbringe, werde nicht selten mit Vorurteilen konfrontiert. Dabei brauche ein Land »gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen« Menschen, die Verantwortung übernähmen, Innovationen vorantrieben und neue Wege gingen.

Nach Ansicht des Journalisten hat diese Haltung Folgen für die gesamte Gesellschaft. Viele erfolgreiche Unternehmer, Wissenschaftler oder Führungskräfte hielten sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück, weil sie Anfeindungen oder Neid fürchteten. Dadurch fehlten sichtbare Vorbilder, an denen sich insbesondere junge Menschen orientieren könnten. Die »Power List« soll dazu beitragen, dies zu ändern.

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