Diplomatie

Post aus Abu Dhabi

US-Finanzminister Mnuchin, Israels Premier Netanjahu und VAE-Finanzminister Al Tayer am Dienstag auf dem Ben-Gurion-Flughafen Foto: dpa

Diese Beziehungen bestehen schon heute offensichtlich nicht mehr nur auf dem Papier. In Windeseile, nachdem die Vereinbarungen zur Normalisierung zwischen Israel und den Golfnationen unterschrieben waren, wurden die ersten Geschäftsbeziehungen geknüpft, plaudern Bewohner der Länder per Video miteinander und versprechen, sich nach dem Ende der Pandemie auch persönlich zu besuchen.

Wenige Wochen nach der israelisch-amerikanischen Delegation, die in die Vereinigten Arabischen Emirate gereist war, um verschiedene Verträge zwischen den Ländern zu vereinbaren, flog am Sonntag eine ähnliche Gruppe in das kleine Königreich Bahrain. An der Spitze der Delegation aus Israel stand wie bereits bei der Reise nach Abu Dhabi Sicherheitsberater Meir Ben-Shabat. Die Gruppe aus den USA wurde von Finanzminister Steve Mnuchin angeführt.

Während die Israelis Bahrain besuchten, kamen die Emiratis nach Israel.

»Damit soll die Friedenserklärung in praktische Schritte und konkrete Vereinbarungen umgesetzt werden«, versprach Ben-Shabat auf dem Flughafen. Er und der Außenminister Bahrains, Abdullatif bin Rashid Al Zayani, unterschrieben in Manama ein Papier zur »Bildung von di-
plomatischen, friedlichen und freundlichen Verbindungen zwischen dem Königreich von Bahrain und dem Staat Israel«.

FRIEDEN Darüber hinaus wurden acht Vereinbarungen und Absichtserklärungen in den Bereichen Wirtschafts- und Finanzkooperation, ziviler Flugverkehr, Kommunikation und Post, Landwirtschaft, Diplomatie und Handelskammern sowie eine Visabefreiung für Diplomaten festgeschrieben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßte die Unterzeichnung in einem Telefonat mit Al Zayani und lobte den ersten Flug von Israel nach Bahrain. »Dies ist eine Fortführung des Friedens«, sagte er.
Vor den Golfnationen hatten zuvor lediglich die arabischen Staaten Ägypten und Jordanien Friedensverträge mit Israel unterzeichnet. Allerdings wird dieser Frieden oft als »kalt« bezeichnet, da es nur sehr wenig Austausch zwischen den Völkern gibt.

Während die Israelis Bahrain besuchten, kamen die Emiratis nach Israel.
Eine kleine Gruppe von Vertretern des staatlichen Landwirtschaftsunternehmens Al-Dhara war am Sonntag angereist und hatte sich mit Landwirtschaftsminister Alon Schuster getroffen. Der Minister äußerte sich begeistert über das Treffen, bei dem verschiedene Deals abgeschlossen worden seien, und schrieb auf seiner Facebook-Seite: »Es ist ein wahrgewordener Traum für friedensliebende Zionisten.«
Nach Angaben in der emiratischen Presseerklärung soll die israelische Bewässerungsfirma Netafim aus dem Kibbuz Hatzerim in naher Zukunft eine Zweigstelle in den Emiraten errichten und mit Al-Dhara zusammenarbeiten.

Die Palästinenser fühlen sich von den Abkommen nach wie vor verraten und kritisieren die Schritte der Emirate und Bahrains. Premierminister Mohammad Shtayyeh verurteilte den Besuch der Wirtschaftsdelegation und nannte ihn »traurig«. Die muslimischen Gäste hatten die Al-Aqsa-Moschee besucht und waren dabei beschimpft worden. Shtayyeh kommentierte: »Man muss die heilige Al-Aqsa durch die Tore der Eigentümer betreten und nicht durch die Tore der Besatzer.« Doch die arabischen Staaten seien mittlerweile »kein Block mehr, der Israel ablehnt, sondern in zwei Koalitionen geteilt«, sagt Mordechai Kedar vom Begin-Sadat-Zentrum für strategische Studien. »Der eine Teil ist auf der Seite des Iran, der andere auf der Gegenseite.« Israel, das in der Vergangenheit als das Problem angesehen wurde, ist Teil der Lösung geworden.

Eine arabische Welt als einheitlicher Block gibt es nicht mehr.

Jahrelang sei gemeinhin angenommen worden, dass es eine »arabische Welt« gibt, die durch die Arabische Liga vertreten wird und eine mehr oder weniger einheitliche Agenda hat, die sich um das Verlangen dreht, dass Israel von der Bildfläche verschwindet und stattdessen ein palästinensischer Staat errichtet wird. »Doch dies gehört der Vergangenheit an. Seit mehreren Jahren bereits gibt es die sogenannte arabische Welt nicht mehr.«

Das zeigte der Besuch der ersten offiziellen Delegation aus den Vereinigten Arabischen Emiraten auf dem Ben-Gurion-Flughafen am Dienstag deutlich. Geleitet wurde sie vom emiratischen Finanzminister Obaid Humaid Al Tayer. Der Minister sagte, er fühlte sich geehrt, zu dieser ersten Delegation zu gehören. Al Tayer verkündete auch die Gründung des »Abraham-Fonds« in einer Höhe von drei Milliarden US-Dollar mit Sitz in Jerusalem. Das Geld soll die Wirtschaft in der Region ankurbeln.

POTENZIAL Netanjahu betonte, dass »die Aufregung über die Vereinbarungen enorm« sei. »Es zeigt, dass das Potenzial, das wir heute verwirklichen, nicht nur für uns von Vorteil ist, sondern für den gesamten Nahen Osten.« Unterzeichnet wurden verschiedene Verträge zu Investitionen, Wissenschaft und Technologie sowie dem Flugverkehr. Ein Visaabkommen wird es Bewohnern beider Länder ermöglichen, sich gegenseitig ohne bürokratische Hürden zu besuchen.

Auch Oron Zachar, Geschäftsführer des Medizingeräteherstellers Biovo Technologies in Rosch Haayin, spürt, dass die Normalisierung real ist. »Auf einmal war eine E-Mail von einer Vertriebsfirma in Abu Dhabi in unserem Posteingang. Es war die erste Woche nach der Ankündigung der Beziehungen.« Was auf den ersten Austausch folgte, sei ein ganz normaler Prozess gewesen, wie er mit Vertriebsfirmen in der ganzen Welt stattfinde. »Das ist sehr ermutigend.«

»Wir suchen nach hochwertigen Orten für den Vertrieb unserer medizinischen Produkte für die Intensivpflege. Da ist es wichtig, dass die Emirate herausragende medizinische Pflege anbieten. Es kommt nicht nur auf die Quantität an, sondern auch auf die Qualität.«

Die Firma sei glücklich über den Kontakt, »weil wir skeptisch waren, ob der Frieden lediglich auf dem Papier besteht oder es echte Kommunikation mit Menschen in den Golfstaaten geben wird. Wir wurden positiv überrascht«. Und mittlerweile sind die ersten Produkte aus Rosch Haayin schon auf dem Weg nach Abu Dhabi.

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