Jerusalem

»Schwerwiegendster Fehler in der Geschichte«: Israel warnt Iran vor Angriff

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Montag in der Knesset Foto: copyright (c) Flash90 2026

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat Teheran vor einem Angriff auf den jüdischen Staat gewarnt und eine massive Vergeltung angekündigt. In einer Rede vor der Knesset sagte er, ein iranischer Angriff wäre »vielleicht der schwerwiegendste Fehler in der Geschichte« der Islamischen Republik. Israel sei militärisch so stark wie nie zuvor, und die Zusammenarbeit mit den USA sei enger als jemals zuvor, betonte der Regierungschef.

Netanjahu erklärte, man beobachte die Lage aufmerksam und bereite sich auf unterschiedliche Szenarien vor. »Ich habe dem Ayatollah-Regime klargemacht, dass wir mit einer Kraft reagieren werden, die sie sich nicht vorstellen können, wenn sie diesen Fehler begehen«, sagte er vor den Abgeordneten. Gleichzeitig sprach er von »sehr komplexen und herausfordernden Zeiten«.

Die Rede fand im Rahmen einer parlamentarischen Debatte statt, die von der Opposition initiiert worden war, um Netanjahus Sicherheitspolitik zu kritisieren. Ungewöhnlich kurz und ohne die sonst üblichen Attacken auf politische Gegner konzentrierte sich der Premier fast ausschließlich auf die Bedrohung durch Iran und rief zur nationalen Geschlossenheit auf. Mit Blick auf das bevorstehende Purim-Fest sagte er: »Am Vorabend von Purim werden wir zusammenstehen und mit Gottes Hilfe die Ewigkeit Israels sichern.«

Lesen Sie auch

»Mit voller Kraft«

Aus der Opposition kam dennoch scharfe Kritik. Avigdor Liberman, Vorsitzender von Jisra’el Beitenu, machte Netanjahu für die Ereignisse vom 7. Oktober verantwortlich und sprach von dem »größten und schrecklichsten Massaker in der Geschichte des jüdischen Volkes nach dem Holocaust«. Er warf dem Premier vor, Versprechen eines vollständigen Sieges nicht eingelöst zu haben und stattdessen »totale Schande« produziert zu haben.

Auch Oppositionsführer Jair Lapid griff Netanjahu hart an und erklärte, dessen politisches Erbe werde ausschließlich mit dem 7. Oktober verbunden sein. »Ich verstehe den Versuch, eine andere Geschichte zu schreiben. Aber die Wahrheit kennen Sie selbst – und das macht Ihnen Angst«, sagte Lapid. Er kritisierte zudem die frühere Politik gegenüber der Hamas und den Umgang mit finanzieller Unterstützung aus Katar.

Trotz der innenpolitischen Auseinandersetzungen stellte Lapid klar, dass Israel im Falle einer Eskalation mit Iran geschlossen auftreten werde. »Alle Meinungsverschiedenheiten werden in einen tiefen Winterschlaf versetzt, bis der Konflikt vorbei ist«, erklärte er. Er kündigte an, international für Israels Position zu werben und betonte: »Iran muss mit voller Kraft angegriffen werden, die Herrschaft der Ajatollahs muss gestürzt werden.« im

Kommentar

Ein Tag der Schande

Die Linkspartei, SPD und Grüne haben ihre Sondierungen beendet. Nun wollen sie in Berlin eine Regierung bilden

von Philipp Peyman Engel  17.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Westjordanland/Gaza

Umfrage: Große Mehrheit lehnt Hamas-Entwaffnung vor einem israelischen Rückzug ab

Die Hintergründe

von Sabine Brandes  15.10.2026

Bericht

Netanjahu soll Trump zu Iran-Angriff vor der Wahl gedrängt haben

Der israelische Premier hat angeblich den US-Präsidenten gebeten, den Krieg vor den Wahlen wieder aufzunehmen. In Washington sieht man dabei auch innenpolitisches Kalkül

von Sabine Brandes  15.10.2026

Israel

Vor Schicksalswahl: Eisenkot verspricht Ende der Hamas-Herrschaft in 18 Monaten

Ex-Generalstabschef Eisenkot wirft Benjamin Netanjahu vor, die Kriegsziele im Gazastreifen verfehlt zu haben. Sollte er Regierungschef werden, kündigt er einen klaren Zeitplan an

 15.10.2026

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Wirtschaft

Käsekrise

Was nach einem Lieferengpass im Supermarkt aussieht, steht für ein großes Problem. Weil ausländische Techniker Israel meiden, stehen immer häufiger Maschinen still

von Sabine Brandes  15.10.2026

Diplomatie

Kolumbien verlegt Botschaft nach Jerusalem

Unter dem linken Präsidenten Petro brach Kolumbien die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Nun schlägt die neue Regierung einen anderen Kurs ein

 15.10.2026

Luftfahrt

Wie sicher sind Israel-Flüge?

Nach dem vereitelten Anschlag an Bord einer flydubai-Maschine werden immer mehr gravierende Sicherheitslücken bekannt

von Sabine Brandes  14.10.2026