Krieg gegen die Hisbollah

Israelische Armee nimmt Burg Beaufort im Südlibanon ein

Hoch oben thront die Festung auf einem Plateau. Foto: Flash 90

44 Jahre nach einer der bekanntesten Schlachten des Ersten Libanonkriegs befindet sich die Burg Beaufort erneut unter israelischer Kontrolle. Soldaten der Golani-Brigade hissten am Sonntag die israelische Flagge und die Fahne ihrer Einheit auf der mittelalterlichen Festung im Südlibanon. Es ist der Ort, an dem 1982 sechs israelische Soldaten fielen und Dutzende Kämpfer der PLO getötet wurden.

Auf beiden Seiten der Grenze kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Im vergangenen Jahr weitete Israel seine Militäraktionen deutlich aus und begann eine Bodenoffensive im Südlibanon. Dabei wurden große Teile der militärischen Infrastruktur der Hisbollah zerstört und zahlreiche ihrer Kommandeure getötet. Der Konflikt forderte Tausende Todesopfer im Libanon und kostete auch zahlreiche israelische Soldaten und Zivilisten in Israel das Leben.

Aktuelle Bilder von Sonntagmorgen: Fahnen auf Beaufort.Foto: picture alliance / Anadolu

Die Bilder lösten in Israel große Aufmerksamkeit aus. Für viele ältere Israelis ist Beaufort eng mit den Erinnerungen an den Libanonkrieg von 1982 verbunden. Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einer historischen Rückkehr. »44 Jahre nach der Schlacht von Beaufort kehrten IDF-Soldaten unter Führung der Golani-Brigade auf den Gipfel des Beaufort zurück und hissten dort erneut die israelische Flagge und die Golani-Flagge«, erklärte er.

Truppen würden dort, »in der strategisch wichtigen Festung als Teil der neuen Sicherheitszone des Militärs im Südlibanon stationiert bleiben«, fügte er hinzu. Katz erklärte weiter: »Die Einnahme von Beaufort und die Ausweitung der Bodenoperation senden eine klare Botschaft an unsere Feinde: Wer die Bürger Israels bedroht, wird seine strategischen Ziele nacheinander verlieren.«

Frankreich beantragt Sitzung des UN-Sicherheitsrats

Doch auch international sorgt die Einnahme Beauforts für Reaktionen. Nach der Besetzung der mittelalterlichen Burg hat Frankreich eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt, teilte der französische Außenminister mit. »Obwohl wir Israels Recht auf Selbstverteidigung – wie das aller Länder – anerkennen, kann nichts die Fortsetzung der israelischen Militäroperationen im Libanon und die immer weiter fortschreitende Besetzung libanesischen Territoriums rechtfertigen«, sagte Jean-Noël Barrot im Fernsehsender BFMTV.

Über Monate hinweg werden israelische Städte beschossen.

Die erneute Einnahme des Beaufort erfolgt vor dem Hintergrund des Krieges gegen die Hisbollah, der nach dem Massaker der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und den anschließenden Angriffen der Schiitenmiliz Hisbollah auf Nordisrael eskalierte. Über Monate hinweg wurden israelische Städte und Ortschaften entlang der Grenze mit Raketen, Drohnen und Panzerabwehrraketen beschossen. Zehntausende Israelis mussten ihre Häuser verlassen – und sind zum Teil noch immer Geflüchtete.

Hinter der Einnahme der Festung stehen vor allem militärische Überlegungen: Die Festung liegt auf einem Bergrücken hoch über dem Südlibanon und gilt als einer der wichtigsten Aussichtspunkte der Region. Von dort aus lassen sich große Teile des Umlands überwachen, darunter auch die Gegend um Nabatieh, die als eines der wichtigsten Zentren der Hisbollah gilt.

IDF-Kommander Yiftach Norkin: »Ziel ist es, die Infrastruktur der Hisbollah zu zerstören und direkten Beschuss auf die Gemeinden im Norden und in Galiläa vollständig zu verhindern.«

Nach Angaben israelischer Sicherheitskreise verschaffe die Kontrolle über den Beaufort-Rücken der Armee erhebliche Vorteile bei der Aufklärung. Zugleich erhält Israel damit einen strategisch wichtigen Beobachtungspunkt über die Region Nabatieh, wo die Hisbollah über Jahre zentrale Infrastruktur aufgebaut hat. Ziel ist es, die Infrastruktur der Hisbollah weiter von der Grenze zu entfernen und Angriffe auf israelische Ortschaften zu erschweren.

Die IDF betonte jedoch, dass die Kontrolle über den Beaufort allein den Verlauf des Konflikts nicht grundlegend verändern wird. Zwar seien bestimmte Bedrohungen, insbesondere durch Kommandoeinheiten und Panzerabwehrraketen, deutlich reduziert worden. Andere Gefahren, darunter Raketenbeschuss und Drohnenangriffe, bestünden jedoch weiterhin.

Ingenieur- und Kampftruppen arbeiten daran, Gebiete bis zur sogenannten »gelben Linie« von verbliebener Hisbollah-Infrastruktur zu räumen. Nach Einschätzung des Militärs werden dafür noch Wochen benötigt.

In einer vom Militär veröffentlichten Videoaufnahme beschrieb der Kommandeur der Mission, Yiftach Norkin, die laufenden Einsätze: »Wir befinden uns mitten in einem bedeutenden Überbrückungs- und Vorstoßprojekt als Teil der Offensive gegen den Bergrücken, der die Ausläufer Galiläas kontrolliert.« Ziel sei es, die Infrastruktur der Hisbollah zu zerstören und »direkten Beschuss auf die Gemeinden im Norden und in Galiläa vollständig zu verhindern«.

Israel hofft, Entwaffnung der Hisbollah langfristig zu erreichen

Die Kontrolle über den Beaufort könnte zudem bei künftigen Verhandlungen eine Rolle spielen. Aus Sicht Israels schafft die militärische Präsenz zusätzlichen Druck auf die Hisbollah und ihre Unterstützer im Iran. Gleichzeitig hofft Israel, langfristig eine Entwaffnung der Miliz zumindest im Südlibanon zu erreichen. Die Einnahme des Beaufort soll dabei auch als Druckmittel für mögliche politische Verhandlungen dienen.

Über der Operation steht allerdings eine offene Frage: Welche Folgen hätte eine mögliche Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran für die israelische Präsenz im Südlibanon? In israelischen Sicherheitskreisen wird bereits darüber diskutiert, ob eroberte Gebiete im Rahmen künftiger Abkommen wieder geräumt werden müssten. Ob die Rückkehr auf den Beaufort eine dauerhafte Veränderung der Lage bedeutet oder nur eine Etappe in einem weiterhin ungelösten Konflikt darstellt, ist derzeit noch völlig offen.

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