Bei einem iranischen Raketenangriff auf Israel am frühen Abend sind mehr als 150 Menschen verletzt worden, elf davon schwer. Unter den Verletzten bei dem Angriffen auf die Orte Dimona und Arad im Süden Israels sei ein zwölfjähriger Junge, der durch Splitter einer eingeschlagenen Rakete schwer verletzt worden sei, teilte der Rettungsdienst Magen David Adom mit. Ein fünfjähriges Mädchen wurde bei dem Angriff in Arad ebenfalls schwer verletzt. Eine Frau sei mittelschwer verletzt worden, die anderen Menschen hätten leichte Verletzungen davongetragen.
Das Soroka-Krankenhaus in Beersheba teilte mit, 175 Verletzte behandelt zu haben. 36 davon seien am Sonntagmorgen noch in der Klinik.
Die »Jerusalem Post« berichtete, ein Gebäude in Dimona sei infolge des Einschlags eines Geschosses eingestürzt. Im Bereich der israelischen Wüstenstadt Dimona befindet sich ein israelischer Atomreaktor, der als extrem gut geschützt gilt und mutmaßlich Teil des Atomprogramms ist.
IDF: »Versuche des Irans, Angst zu verbreiten«
Ein Sprecher des israelischen Militärs betonte, es habe sich nicht um neuartige Raketen des Irans gehandelt, sondern um ballistische Raketen, wie sie seit Kriegsbeginn immer wieder eingesetzt worden seien. Andere Raketen dieser Art seien vorher durchaus von der Raketenabwehr abgefangen worden.
»Ich habe viele Fragen dazu bekommen, wie die Iraner eine spezielle Rakete abgefeuert haben, die man angeblich nicht stoppen könne oder ähnliches«, sagte der Militärsprecher. »Das sind lediglich Versuche des Irans, Angst zu verbreiten und ein Bild des Sieges zu vermitteln.«
Bilanz seit Kriegsbeginn
Seit Kriegsbeginn am 28. Februar habe der Iran mehr als 400 ballistische Raketen auf Israel abgefeuert. Etwa 92 Prozent der Geschosse seien von der israelischen Raketenabwehr abgefangen worden. In dem Zeitraum von gut drei Wochen habe es vier direkte Einschläge in israelischen Städten gegeben - in Tel Aviv, Beit Schemesch, Arad und Dimona. Dazu kommen Einschläge von Raketentrümmern oder von Bomben aus Streumunition. Bei den iranischen Raketenangriffen in Israel habe es bisher nur zivile Opfer gegeben, sagte der Sprecher.
Immer wieder Streumunition auf Bevölkerungsgebiete
Gegenwärtig bewege sich die Zahl der täglich auf Israel abgefeuerten Raketen zwischen einem hohen einstelligen bis niedrigen 20-er Bereich. Der Iran habe immer wieder Streumunition auf Bevölkerungszentren abgefeuert, auch bei einem jüngsten Angriff auf Tel Aviv, sagte der Sprecher.
Der Einsatz von Streumunition ist international weitgehend geächtet, weil damit große Flächen unkontrolliert mit Sprengkörpern überzogen werden und das besonders für Zivilisten gefährlich ist. Nach Angaben des Sprechers beträgt der Radius der kleineren Sprengladungen nach der Aufspaltung des Geschosses etwa zehn Kilometer.
Kein Kommentar zur Sicherheit von Atomreaktor
Der Militärsprecher wollte sich nicht zur Frage äußern, warum die Raketen in Arad und Dimona nicht von der Raketenabwehr gestoppt werden konnten. Auf die Frage, ob es Sorge um die Sicherheit des israelischen Atomreaktors in der Nähe von Dimona gebe, sagte er: »Kein Kommentar.« Iranische Staatsmedien hatten berichtet, die Raketenangriffe auf die Wüstenstädte hätten einer Atomforschungsanlage gedient, die etwa zehn Kilometer von Dimona und 30 Kilometer von Arad entfernt liegt.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte am Abend auf der Plattform X mit, es lägen keine Hinweise auf Schäden am Nuklearforschungszentrum Negev vor. Informationen regionaler Staaten zufolge seien keine ungewöhnlich hohen Strahlungswerte festgestellt worden, hieß es weiter. IAEA-Chef Rafael Grossi rief zu größter militärischer Zurückhaltung auf, »insbesondere in der Nähe von Nuklearanlagen«.
Am Vormittag hatte der Iran seinerseits einen Angriff auf die iranische Atomanlage Natans gemeldet. Die israelische Armee teilte am Abend auf Anfrage mit, sie habe Natans nicht angegriffen.
Auch bei Raketenangriffen der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Terrormiliz auf den Norden Israels wurden nach Medienberichten mehrere Menschen verletzt. Auch in der israelischen Küstenstadt Eilat an der Südspitze des Landes gab es Raketenalarm. dpa
