Geiseln

»Meine Mutter hat mir Kraft zum Überleben gegeben«

Einav Zangauker umarmt ihren Sohn Matan, der 738 Tage Geisel in Gaza war. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Matan Zangauker hat im Interview mit Kanal 12 erstmals über seine Gefangenschaft in Gaza, Schläge und Psychoterror seiner Entführer gesprochen.

Der damals 23-Jährige wurde am 7. Oktober 2023 in seinem Haus im Kibbuz Nir Oz von Hamas-Terroristen überfallen und nach Gaza verschleppt. Nach mehr als zwei Jahren in Gefangenschaft wurde er am 13. Oktober 2025 zusammen mit den anderen 19 noch lebenden Geiseln im Rahmen des aktuellen Waffenruheabkommens freigelassen. Auch Zangaukers Freundin Ilana Gritzewsky wurde entführt, sie war im November 2023 freigelassen worden.

Seine Mutter, Einav Zangauker, wurde zu einem der bekanntesten Gesichter des Kampfes um die Rückkehr der Geiseln. Sie nahm täglich an Protesten teil und erhob immer wieder schwere Vorwürfe gegen die israelische Regierung.

Psychoterror im Tunnel

Er habe gedacht, in den Tunneln der Terroristen in Gaza sterben zu müssen, sagte Matan Zangauker einen Monat nach seiner Freilassung. Seine Entführer und Wächter hätten versucht, ihn mit Psychoterror zu brechen. Jeden Abend hätten sie ihm falsche Berichte über die israelische Armee vorgelegt: »Man sagte uns: ‚Wir haben 20 eurer Panzer zerstört, wir haben Soldaten getötet, wir haben sie ermordet‘«, so Zangauker. Wenn er die Behauptungen anzweifelte, sei er geschlagen worden. Gelegentlich habe er sich körperlich gegen seine Entführer gewehrt, ein anderes Mal habe er versucht, einem Mitgefangenen zu helfen, der geschlagen wurde, »und stattdessen bekam ich seine Schläge ab«.

Das Verhalten der Terroristen habe sich geändert, als sie erkannten, dass er der Sohn von Einav Zangauker ist, deren Gesicht fast jeden Abend in den israelischen Nachrichten zu sehen war. Ein Anführer »sagte zu mir: ‚Du bist Zangauker, richtig?‘«. Als er mit Ja antwortete, habe der Terrorist gesagt: »Deine Mutter protestiert, sie hat das ganze Land auf den Kopf gestellt.« Diese Nachricht habe ihn glücklich gemacht, »sie hat mir Kraft zum Überleben gegeben«, so Zangauker.

»Kinder, Frauen und alte Menschen empfingen mich, mit Stöcken, Steinen und Rohren bewaffnet«

Matan Zangauker

Er habe das Gefühl gehabt, dass seine Entführer ihn aufgrund des öffentlichen Engagements seiner Mutter etwas anders behandelten: »Sie unterhielten sich etwas mehr mit mir, gaben mir mehr zu essen, sie waren etwas netter, nachdem meine Mutter ins Spiel gekommen war.«

Als er am 7. Oktober auf einem Motorrad nach Gaza verschleppt wurde, sei er dort von »Kindern, Frauen und alten Menschen« empfangen worden, »die mit Stöcken, Steinen und Rohren bewaffnet waren und begannen, mich zu schlagen und zu verprügeln«.

Der erste Israeli, den er an diesem Tag in den Tunneln gesehen habe, sei ein toter IDF-Soldat gewesen, und seine Entführer hätten ihm gedroht, dass er »wie er enden« würde, so Zangauker weiter. Später habe er in den Tunneln Yocheved Lifshitz getroffen, ebenfalls aus Nir Oz, die einige Wochen später befreit wurde, während ihr Ehemann, Oded Lifshitz, in Gefangenschaft ermordet wurde.

In Schulen und Krankenhäusern festgehalten

Die Terroristen hätten ihn für einen Soldaten gehalten: »Das galt für Verhöre, für Spielchen mit dem Essen und auch für Gewalt – sie fesselten mir die Hände hinter dem Rücken«, sagte er. Es gab Tage, an denen die Entführer sagten, es gäbe nichts zu essen, und jeder Geiseln eine halbe Pita gaben, »und dann bereiteten sie sich selbst etwas zu essen zu – wir rochen den Duft von Auberginen und Tomaten, sie gönnten sich etwas.«

Er sei in Schulen und Krankenhäusern festgehalten worden. Während der zweiten Waffenruhe und der Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln, die im Januar 2025 begann, habe er geglaubt, endlich freizukommen. »Es fühlte sich wie eine Wiedergeburt an.« Als das Abkommen scheiterte und er in Gaza zurückblieb, »verlor ich die Hoffnung. Wenn ich auch nur einen Funken Hoffnung hatte, dass ich freikommen würde, dass ich freigelassen werden würde, dass ich lebend zu meiner Familie zurückkehren würde, dann war dieser nun verloren.«

Als er mit seinen Entführern allein zurückblieb, nachdem die anderen Geiseln, mit denen er zusammen festgehalten worden war, freigelassen worden waren, hatte Zangauker das Gefühl, dass er nie lebend nach Hause zurückkehren würde, »dass es das war, dass ich hier sterben würde«. Deshalb habe er den Terroristen nicht geglaubt, als sie ihm im Oktober 2025 sagten, dass er nach Hause zurückkehren würde.

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Als seine Mutter ihn schließlich umarmte und er endlich wieder mit seiner Familie vereint war, sei er völlig außer sich vor Freude gewesen, »ich stand unter Schock«. Selbst einen Monat später könne er »manchmal immer noch nicht fassen, dass ich hier bin ... Ich muss mich kneifen, um aufzuwachen und in die Realität zurückzukehren.« Er wisse, »dass ich wegen meiner Mutter, dem israelischen Volk und unseren heldenhaften Soldaten hier bin.« ja

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