Umfrage

Mehrheit sieht keine Chance für friedliche Zwei-Staaten-Lösung

An Jom Kippur laufen und radeln Israelis über den Dizengoff-Platz in Tel Aviv Foto: copyright (c) Flash90 2026

Eine friedliche Koexistenz Israels mit einem unabhängigen palästinensischen Staat erscheint für eine Mehrheit der Israelis und eine noch größere Mehrheit der Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem derzeit nicht vorstellbar. Das geht aus einer neuen Umfrage des Pew Research Center hervor.

Lediglich 17 Prozent der befragten Israelis glauben demnach, dass es einen Weg zu einer friedlichen Zwei-Staaten-Lösung geben kann. 56 Prozent halten eine solche Entwicklung dagegen für nicht möglich. Auf palästinensischer Seite ist die Skepsis noch ausgeprägter: 21 Prozent sehen eine Chance für ein friedliches Nebeneinander, während 68 Prozent dies ausschließen.

Für Israel markiert die Erhebung einen neuen Tiefpunkt in der mehr als zehnjährigen Befragungsreihe von Pew zu diesem Thema. Bereits 2025 war der Anteil der Israelis, die eine friedliche Koexistenz für möglich hielten, auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen gefallen, was auch damals mit dem Terrorangriff vom 7. Oktober zu tun hatte. 2026 veränderte sich dieser Wert kaum.

Große Unterschiede

Besonders deutlich fällt die Ablehnung unter jüdischen Israelis aus. Nur 16 Prozent von ihnen halten eine friedliche Zwei-Staaten-Lösung für möglich, während 64 Prozent dies verneinen. Unter den arabischen Israelis ergibt sich ein anderes Bild, wobei ein großer Teil keine Angabe machte oder keine Einschätzung abgeben konnte.

23 Prozent der arabischen Israelis erklärten, eine friedliche Koexistenz sei möglich, 26 Prozent sahen dies nicht so. 46 Prozent antworteten mit »weiß nicht« oder verweigerten eine Antwort.

Für die Untersuchung befragte Pew 1001 Menschen in Israel sowie 1038 Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem. Die Interviews in Israel fanden zwischen dem 5. April und dem 6. Mai statt, auf palästinensischer Seite zwischen dem 30. März und dem 28. April. Befragt wurde auf Hebräisch beziehungsweise Arabisch.

Ähnliche Argumente

Die Erhebung fiel in eine Phase, in der der Iran-Krieg noch andauerte beziehungsweise gerade eine erste Waffenruhe begonnen hatte. Der Gazastreifen wurde nicht einbezogen, weil Pew dort nach eigenen Angaben keine Befragungen durchführen konnte.

Unter den vergleichsweise wenigen Befragten, die weiterhin an eine friedliche Lösung glauben, finden sich ähnliche Argumente. Genannt werden der Wunsch nach Frieden, die Überzeugung, dass beide Seiten letztlich miteinander auskommen müssen, sowie die Notwendigkeit von Kompromissen und neuem Vertrauen.

Ein 57-jähriger jüdischer Israeli sagte gegenüber Pew: »Keine der beiden Seiten wird von hier verschwinden. Man muss lernen, miteinander zu leben.« Ein 43-jähriger Palästinenser aus dem Westjordanland oder Ostjerusalem sagte: »Wir haben keine andere Wahl, als zusammenzuleben und eine andere Lösung zu finden.«

Wirtschaftliche Vorteile

Bei den Palästinensern verwiesen einige der optimistischeren Befragten zudem auf mögliche wirtschaftliche Vorteile eines Abkommens. Eine 18-jährige Palästinenserin sagte: »Wir ergänzen uns bei Arbeit, Handel und Sicherheit, damit wir zusammenleben können.«

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Andere Befragte machten Fortschritte davon abhängig, dass beide Seiten ihre Positionen verändern, verlorenes Vertrauen wiederherstellen oder sich die politischen Verhältnisse wandeln. Einige Israelis verlangten mehr Mäßigung auf beiden Seiten. Palästinenser und arabische Israelis nannten unter anderem einen israelischen Rückzug aus Gebieten, eine Einschränkung des Siedlungsbaus und weniger Bewegungsbeschränkungen als mögliche Voraussetzungen für Fortschritte.

Bei denjenigen, die eine friedliche Koexistenz für nicht erreichbar halten, spielte der Streit um das Land eine zentrale Rolle. Auf beiden Seiten gab es Befragte, die eine Teilung des Gebiets inzwischen für unrealistisch halten. Andere vertraten die Auffassung, dass die Souveränität über das gesamte Gebiet ausschließlich der eigenen Seite zustehen müsse.

Westjordanland und Ostjerusalem

Unter jüdischen Israelis, die einen palästinensischen Staat ablehnen, war vor allem die Sicherheitsfrage ein wichtiges Argument. Ein 43-jähriger Mann erklärte, er wolle nicht das Risiko eingehen, dass Palästinenser einen eigenen Staat erhalten, militärisch stärker würden und sich an einer Grenze zu seinem Wohnort bewaffneten.

Ein 57-jähriger jüdischer Israeli formulierte es noch grundsätzlicher: »Sie wollen nicht neben uns leben, sondern an unserer Stelle.«

Palästinensische Befragte nannten dagegen vor allem die israelische Kontrolle über das Westjordanland und Ostjerusalem, Siedlungen sowie Kontrollpunkte als Hindernisse. Eine 19-jährige Palästinenserin sagte: »Es ist ein besetztes Land, es gibt keine Sicherheit, die Fortbewegung zwischen den Städten ist schwierig, und es gibt Kontrollpunkte.«

Gewalt und Tod

Auch die Erfahrungen mit Gewalt und Tod prägen die Haltung vieler Befragter. Auf israelischer Seite verwiesen einige ausdrücklich auf den Hamas-geführten Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 als Wendepunkt.

»Seit dem, was am 7. Oktober passiert ist, habe ich jegliches Vertrauen in das palästinensische Volk und in die Zwei-Staaten-Lösung für beide Völker verloren«, sagte ein 36-jähriger jüdischer Israeli.

Palästinensische Befragte verwiesen ihrerseits auf die Opfer, die Zerstörung und die Gewalt des anschließenden Krieges. Eine 31-jährige Palästinenserin sagte: »Sie haben uns unser Land genommen und die Menschen getötet, und das reicht. Mein Bruder wurde getötet.«

In vielen Antworten zeigte sich darüber hinaus ein tiefes Misstrauen gegenüber der jeweils anderen Seite. Befragte warfen der anderen Bevölkerung vor, Frieden abzulehnen, die nationalen Rechte der jeweils anderen Seite nicht anzuerkennen oder gewaltsame Absichten zu verfolgen. im

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