Israel

Massenprotest in Jerusalem und blanke Angst um die Geiseln

Angesichts einer drohenden Großoffensive der israelischen Armee in Gaza-Stadt laufen die diplomatischen Bemühungen um die Freilassung der von der Hamas weiterhin gefangen gehaltenen Geiseln und dem Ende des Krieges auf Hochtouren. Nach Informationen des israelischen Senders Kan wollen die Vermittlerstaaten USA, Katar und Ägypten voraussichtlich diese Woche einen neuen Vorschlag für ein Abkommen vorlegen. US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor gesagt, man befinde sich in sehr intensiven Verhandlungen mit der islamistischen Terrororganisation Hamas.

Bei einer erneuten Großdemonstration vor der Residenz des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Jerusalem forderten am Samstagabend Zehntausende Menschen, so die Schätzung der »Times of Israel«, den Regierungschef auf, endlich ein Abkommen mit der Hamas einzugehen, um die Geiseln zu retten. Es sei eine der bisher größten Protestkundgebungen in Jerusalem im Zusammenhang mit diesen Forderungen gewesen.

Netanjahu beharrt auf einem umfassenden Deal

Die Hamas hatte am Abend erklärt, sie sei offen »gegenüber jeglichen Ideen und Vorschlägen«, bestand jedoch weiterhin auf einem dauerhaften Waffenstillstand, einem vollständigen Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, der Einfuhr von Hilfsgütern und dem Austausch von Geiseln gegen palästinensische Häftlinge. Dagegen steht die Forderung der israelischen Regierung, dass die Hamas aufgibt und entwaffnet wird, was diese ablehnt.

In einer Erklärung forderte das Familienforum für die Geiseln die Regierung von Netanjahu am Abend auf, den derzeit vorliegenden Vorschlag, auf den die Hamas bereits positiv reagiert habe, anzunehmen und unverzüglich Verhandlungen über ein umfassendes Abkommen zur Rückkehr aller Geiseln aufzunehmen. Der Vorschlag sieht eine 60-tägige Waffenruhe vor, während der zunächst zehn lebende Geiseln im Austausch gegen eine deutlich höhere Zahl an palästinensischen Häftlingen freikommen sollen.

Netanjahu beharrt inzwischen auf einem umfassenden Deal, bei dem alle Geiseln auf einen Schlag freigelassen werden. Von den 48 Geiseln, die sich weiterhin in der Gewalt der Terroristen befinden, sind nach israelischen Informationen nur noch 20 am Leben. Ob die Hamas bereit ist, alle verbliebenen Geiseln auf einmal freizulassen, geht aus der Erklärung der Islamisten vom Samstagabend nicht hervor.

Die Geiseln Gilboa-Dalal und Alon Ohel wurden von der Hamas nach Gaza-Stadt gebracht.

Angehörige der Geiseln befürchten, dass die geplante militärische Einnahme von Gaza-Stadt das Leben der Verschleppten gefährdet. Die Hamas hatte am Freitag ein Propagandavideo veröffentlicht, in dem die am 23. Oktober 2023 vom Nova-Festival entführten Geiseln Guy Gilboa-Dalal und Alon Ohel zu sehen sind. Gilboa-Dalal ist in einem Auto zu sehen und sagt, er befinde sich in Gaza-Stadt und dass dort mehrere weitere Geiseln festgehalten würden. Diese sollten laut ihren Entführern während der geplanten israelischen Offensive dort bleiben, schildert der junge Mann.

Laut einem Bericht von Kanal 12, wurden Gilboa-Dalal und Ohel, der auch deutscher Staatsbürger ist, vor der geplanten Einnahme dorthin gebracht. Die Aufnahmen sollen von Ende August stammen. Laut eines Berichts des israelischen Senders Kan soll die Regierung bereit sein, von der Einnahme der Stadt im Norden des Küstenstreifens zugunsten eines »echten Abkommens« abzusehen. Ein solches liege aber derzeit nicht vor.

Israels Armee weist »humanitäre Zone« aus

In den vergangenen Tagen hat das israelische Militär nach Evakuierungsaufrufen seine Luftangriffe auf die dicht besiedelte Stadt verstärkt. Nach Schätzungen sollen sich dort fast eine Million Menschen aufhalten. Zuvor hat Israels Armee ein Küstengebiet im südlichen Gazastreifen als sogenannte humanitäre Zone ausgewiesen. Das Areal von Al-Mawasi nahe Chan Junis verfüge über wesentliche humanitäre Infrastruktur wie Feldkrankenhäuser, Wasserleitungen und Entsalzungsanlagen, teilte ein arabischsprachiger Armeesprecher auf X mit.

Er forderte die Bewohner der Stadt Gaza auf, sich in das Areal zu begeben. Bislang hätten weniger als 100.000 Menschen die Stadt verlassen, heißt es. Al-Mawasi wurde bereits im Dezember 2023 zur »humanitären Zone« erklärt. Die Zeltlager gelten bereits als überfüllt. dpa/ja

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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