Nahost

Libanon gibt an, Hisbollah entwaffnet zu haben

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Die libanesische Armee hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass sie im Südlibanon ein »effektives und konkretes« staatliches Waffenmonopol errichtet hat. In klareren Worten bedeutet es, dass die Terrororganisation Hisbollah zumindest größtenteils entwaffnet ist. In Jerusalem stieß diese Botschaft allerdings auf Skepsis. Das Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu kommentierte, die von der libanesischen Regierung und Armee unternommenen Schritte seien zwar »ein ermutigender Anfang«, aber »bei Weitem nicht ausreichend«.

Der Süden des Libanon ist eine Region, die lange von der vom Iran unterstützten schiitischen Miliz Hisbollah dominiert wurde und an Nordisrael grenzt.  

Laut Angaben der libanesischen Streitkräfte erstrecke sich »ihre operative Kontrolle nun über den größten Teil des Südens«. Weiter hieß es, die Armee habe die Frist zum Jahresende »zur Entfernung nichtstaatlicher Waffen aus der Region eingehalten« – eine verklausulierte Anspielung auf das umfangreiche Waffenarsenal der Hisbollah.

Hisbollah wird in Verkündigung nicht erwähnt

Es stünden jedoch noch weitere Arbeiten an, insbesondere die Räumung von Blindgängern, die Zerstörung von Tunneln und die Beseitigung der nach monatelangen Kämpfen verbliebenen Sicherheitsbedrohungen. Die Hisbollah wurde in der Verkündigung bemerkenswerterweise nicht namentlich erwähnt.

Laut Netanjahus Büro fordert das von den USA im November 2024 vermittelte Waffenstillstandsabkommen ausdrücklich die vollständige Entwaffnung der Hisbollah. »Dies ist unerlässlich für Israels Sicherheit und die Zukunft des Libanon.«

Israel wirft der Hisbollah vor, mit anhaltender iranischer Unterstützung zu versuchen, sich neu zu bewaffnen und die militärische Infrastruktur wiederaufzubauen – ein Verstoß gegen die Waffenstillstandsvereinbarung. Die libanesische Armee verfüge weder über die Fähigkeiten noch über die politische Unterstützung, die Präsenz der Hisbollah im Süden des Levantestaates vollständig zu zerschlagen.

Trotz des Abkommens führen israelische Streitkräfte weiterhin Luftangriffe und gezielte Operationen gegen Hisbollah-Kämpfer sowie -Einrichtungen durch und geben an, damit auf die fortgesetzten Verstöße gegen das Abkommen zu reagieren.

Büro von Premier Netanjahu: »Die vollständige Entwaffnung der Hisbollah ist unerlässlich für Israels Sicherheit und die Zukunft des Libanon.«

Die schwerste Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah seit fast zwei Jahrzehnten brach am 8. Oktober 2023 aus, nachdem die Hisbollah nach dem Massaker der Hamas gegen südliche israelische Gemeinden in »Solidarität mit der Hamas« fast täglich Raketen- und Drohnenangriffe auf Nordisrael flog. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und später mit einer Bodenoffensive im Südlibanon, um die Hisbollah-Truppen von der Grenze zurückzudrängen.

Die Kämpfe dauerten weit über ein Jahr an, vertrieben Zehntausende Zivilisten auf beiden Seiten der Grenze und verursachten Tod und massive Zerstörungen. Der Konflikt markierte eine dramatische Eskalation gegenüber früheren Gewaltausbrüchen und brachte Israel und die Hisbollah an den Rand eines umfassenden regionalen Krieges.

Ein entscheidender Wendepunkt war die Tötung des langjährigen Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah bei einem israelischen Luftangriff mit einer bunkerbrechenden Bombe in Beirut Mitte 2024. Nasrallah, der die Organisation über drei Jahrzehnte lang geführt und zu einer mächtigen militärischen und politischen Kraft ausgebaut hatte, galt weithin als zentraler Architekt der Konfrontationsstrategie der Hisbollah gegenüber Israel.

Waffenstillstand wurde im November 2024 vereinbart

Sein Tod war ein schwerer symbolischer und operativer Schlag für die Gruppe, obwohl die Hisbollah rasch einen Nachfolger ernannte und schwor, ihren Widerstand fortzusetzen.

Der im November 2024 vereinbarte Waffenstillstand basierte auf ähnlichen Prinzipien wie die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates, die den Krieg von 2006 beendete. Er legte fest, dass südlich des Litani-Flusses - also in Grenznähe zu Israel - nur die offiziellen libanesischen Sicherheitskräfte mit Waffen operieren durften, während sich die Hisbollah-Kämpfer nach Norden zurückziehen müssen. Israel erklärte sich im Gegenzug bereit, Offensivoperationen einzustellen und seine Truppen schrittweise abzuziehen.

Mehr als ein Jahr später ist die Frage, ob die Hisbollah im Süden tatsächlich entwaffnet wurde, weiterhin stark umstritten. Beirut ist zwar bestrebt, Fortschritte zu demonstrieren und einen Anschein von Souveränität wiederherzustellen. Israel indes beharrt darauf, dass die Bedrohung durch den nördlichen Nachbarn nicht gebannt sei und warnt, dass es weiterhin militärisch eingreifen werde, sollte der Waffenstillstand verletzt werden.

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