Redezeit

»Kinder dürfen scheitern«

Frau Yuval-Yair, Sie haben zusammen mit dem Psychologen Tal Ben-Shahar die ersten zwei Bände einer Kinderbuchreihe »True Heroes« – Wahre Helden – veröffentlicht. Welche Helden meinen Sie?
Helden, die hart daran gearbeitet haben, um in ihrem Leben Erfolg zu haben. Aber, und das ist wichtig, die auch mal gescheitert sind.

Geht es in »True Heroes« darum?
Nun, die ganze Reihe handelt von einer Familie: Der erste Band »Thomas and me« widmet sich dem sechsjährigen Sohn der Familie, Yoni. Er hat gerade mit der Schule angefangen, hatte einen schweren Tag und denkt, alle anderen reden über ihn. Er hat keine Lust mehr zu spielen. Und am Abend erzählt ihm seine Mutter die Geschichte eines Jungen, der sozusagen ein Experte darin war, auch mal Fehler zu machen. Als Beispiel haben wir den amerikanischen Erfinder Thomas Alva Edison genommen.

Warum?
Das Besondere an ihm war, dass er keine Angst davor hatte zu versagen. Er ist nach einer Niederlage immer wieder aufgestanden und hat von vorne angefangen. Sein Lebensmotto lautete: »Lerne zu scheitern oder du scheiterst zu lernen«. Der kleine Junge, dem seine Mutter die Geschichte erzählt, lernt auf diese Weise, dass man im Leben weiterkommt selbst, wenn man einmal hinfällt.

Wie sind Sie darauf gekommen?
Unsere Idee war es, die Grundlagen der positiven Psychologie in die Welt der Kinder zu übersetzen. Unsere Bücher richten sich dabei aber auch an Eltern, die die Geschichten mit ihren Kindern gemeinsam lesen sollen. Am Ende jedes Buches haben Tal und ich einen Brief an die Eltern geschrieben, der ihnen den besonderen Aspekt, den wir behandelt haben, noch einmal pädagogisch erläutert.

Sind Kinder denn heutzutage unglücklicher?
Das ist schwer zu sagen. Wir vergleichen ihre Kindheit meistens mit unserer eigenen. Aber gegenwärtig sind sich Eltern ihrer Elternschaft bewusster als, sagen wir, vor 30 oder 40 Jahren. Junge Mütter und Väter arbeiten heute manchmal doch sehr hart daran, Eltern zu sein. Vielleicht zu hart. Das war früher anders.

Was hat sich im Laufe der Jahre geändert?
Es ist für die Kinder schwieriger geworden. Um sie herum gibt es negative Einflüsse wie den Fernseher oder Computer, der sie von wichtigen Dingen wie dem gemeinsamen Spielen, sich draußen zu bewegen oder sozialen Kontakten abhält. Ich hoffe sehr, dass ich mich täusche, aber ich befürchte, es wirkt sich schlecht auf das weitere Leben der Kinder aus, wenn sie zum Beispiel nur vor dem Fernseher geparkt werden. Ich bin selbst Mutter von drei Kindern, und ich mache mir darüber Sorgen. Ich denke aber auch, dass wir Eltern ihnen helfen können, wenn wir ihnen beibringen, zu erkennen, was sie im Leben haben, und ihnen nicht aufzeigen, was sie nicht haben. Darum geht es in unserem zweiten Buch. Wir erzählen darin die Geschichte von Helen Keller, einer inspirierenden Frau, die es trotz ihres schweren Schicksals sie war taubblind geschafft hat, im Leben voranzukommen. Sie liebte das Leben und sagte, sie konzentriere sich darauf, was sie hat, und nicht darauf, was sie verloren hat.

Die Wertvorstellungen heute sind weniger philosophisch. Stichwort: Castingshows. Ruhm über Nacht. Wie sollten Eltern darauf reagieren?
Ich denke, es ist zum einen sehr wichtig, dass Eltern genau dieses Bild korrigieren. Dass sie ihren Kindern sagen, dass es im realen Leben auch anders sein kann. Sie sollten ihnen auch vermitteln, dass es nicht immer leicht ist, in jungen Jahren großen Erfolg zu haben. Es ist problematisch, wenn Kinder in den Shows ihre Helden finden. Deswegen sollten Eltern, Lehrer oder auch wir als Therapeuten die Jugendlichen wissen lassen, dass es auch andere Helden gibt. Wahre Helden.

Thomas Alva Edison, Helen Keller. Wen beschreiben Sie noch?
Unsere Liste ist sehr lang. Die Figuren sollten zu den Mechanismen passen, die wir beschreiben möchten. Wie am Beispiel Ludwig van Beethoven, unserem nächsten Helden. Anhand seiner Person möchten wir zeigen, dass es wichtig ist, auf seine innere Stimme zu hören und auf sich zu vertrauen. Sich nicht von anderen seinen Weg ausreden zu lassen.

Wie vermittelt man Kindern eigentlich so schreckliche Ereignisse wie beispielsweise Raketenangriffe?
Als Therapeutin und erst recht als Mutter bin ich natürlich besorgt, wenn Kinder mit dieser Angst leben müssen, die ja in ganz Israel präsent ist. Jungen und Mädchen, die in diesen Regionen aufwachsen und mit einer ständigen und zudem noch unkontrollierbaren Bedrohung aus der Luft konfrontiert sind, brauchen besondere Hilfe von ihren Eltern, um so schnell wie möglich zur Routine zurückkehren zu können. Man muss ihnen zeigen, dass man für sie da ist, ihnen Liebe geben. Wichtig ist aber auch, die Haltung nicht zu verlieren sowie sich und die Kinder zu beruhigen. In beängstigenden Situationen muss man sich gegenseitig helfen, hoffen und beten.

Mit der Autorin und Therapeutin sprach Katrin Richter.

In der Kinderbuch-Reihe »True Heroes« sind bis jetzt auf Hebräisch erschienen »Thomas and me« und »Helen and me«.

Israel

Auf frischer Tat gerettet

Eine Raubgrabung fördert 2000 Jahre alte Geschichte zutage und führt zu einer antiken Steinwerkstatt

von Sabine Brandes  25.02.2026

Wirtschaft

»Tropfenwunder« zu verkaufen

Das Bewässerungsunternehmen »Netafim« ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Landes. Nun soll es offenbar von einem chinesischen Investor übernommen werden

von Sabine Brandes  25.02.2026

Analyse

Die Uhr tickt

Zwischen Abschreckung, Drohgebärden und Überlastung: Warum die Krise zwischen den USA und dem Iran für den jüdischen Staat brandgefährlich ist

von Sabine Brandes  25.02.2026

Kairo

PLO-Funktionär weist Forderung nach Entwaffnung der Hamas zurück

Scharf wandte sich der PLO-Politiker auch gegen Forderungen nach Reformen der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die Pay-for-Slay-Politik will er weiterführen

 25.02.2026

Tel Aviv

Wegen Eskalation mit Iran: Ishay Ribo streicht US-Tour

Der israelische Künstler war schon am Flughafen Ben-Gurion, als er sich zur Absage entschied

 25.02.2026

Botschafter in Tel Aviv

Auch Lambsdorff will in Israel Hebräisch lernen

Im Sommer soll der Diplomat Steffen Seibert als Deutschlands Botschafter in Tel Aviv ablösen. Jetzt verrät Alexander Graf Lambsdorff, warum er sich auf die neue Aufgabe freut

 25.02.2026

Tel Aviv

Klimawandel unter der Stadt: Kampf gegen steigende Grundwasserstände

»Das Problem ist nicht so akut wie eine iranische Rakete«, sagt ein Experte. »Wir haben Zeit, uns vorzubereiten. Wenn wir sie nicht nutzen, werden wir Schwierigkeiten bekommen.«

 25.02.2026

Staatsbesuch

Modi will strategische Partnerschaft in Israel verbessern

Modis dicht gedrängtes Programm führt den indischen Premier vom Flughafen direkt zu politischen und wirtschaftlichen Terminen in Jerusalem. Eine Rede vor der Knesset ist vorgesehen

 25.02.2026

Nahost

Deutschland warnt Bürger in Israel

Angesichts eines möglichen US-Angriffs auf den Iran mit Folgen auch für Israel hat das Auswärtige Amt Deutsche vor Ort zu Sicherheitsmaßnahmen aufgerufen

 24.02.2026