Tel Aviv

Kauf deutscher U-Boote: Kommission findet schwere Mängel

Das israelische U-Boot »Leviathan« im Mittelmeer Foto: picture alliance / REUTERS

Eine Untersuchungskommission zur Aufklärung der sogenannten U-Boot-Affäre in Israel hat klare Mängel im Beschaffungsverfahren festgestellt. Die Kommission überprüfte unter anderem die Verfahren zur Beschaffung deutscher U-Boote und Korvetten für die israelische Marine.

»Die Kommission stellte systemische Mängel fest, die bis in den Kern der Prozesse des militärischen Fähigkeitsaufbaus und der Entscheidungsfindung bei der Beschaffung von Rüstungsgütern im Wert von mehreren Milliarden Schekel reichen«, hieß es in der Zusammenfassung der Schlussfolgerungen.

Israel verfügt bisher über fünf U-Boote aus Kiel, ein sechstes soll noch geliefert werden. 2022 einigten Israel und Deutschland sich dann abschließend auf einen milliardenschweren Deal über den Kauf von drei weiteren U-Booten der neuen Klasse »Dakar«.

Strategisch sensibel

Das erste der Boote, die in der Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) entwickelt werden, sollte laut der damaligen Vereinbarung binnen neun Jahren geliefert werden. Die Lieferungen nach Israel sind umstritten, weil die U-Boote nach Experteneinschätzung theoretisch mit Atomwaffen ausgerüstet werden können.

Lesen Sie auch

Die israelische Kommission untersuchte auch das Verhalten Israels mit Blick auf den Verkauf von U-Booten durch seinen engen Verbündeten Deutschland an Ägypten. Sie stellte dabei fest, »dass die Behandlung des Themas des Verkaufs von Rüstungsgütern durch Verbündete an Drittländer – ein strategisch sensibles Thema – chaotisch und ohne klare Führung erfolgte und dadurch die Sicherheit des Staates gefährdet wurde«.

Um künftig schwerwiegende Mängel zu verhindern, empfiehlt die Kommission, einen Prozess festzulegen, der sicherstelle, dass Entscheidungen im Zusammenhang mit Rüstungsgütern in Zukunft erst nach einer Anhörung von Fachleuten getroffen werden.

Warnbriefe verschickt

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu war in die Kritik geraten, weil er dem Verkauf hochmoderner U-Boote des deutschen Konzerns an Ägypten zugestimmt haben soll, ohne mit der israelischen Sicherheitsspitze Rücksprache zu halten. Netanjahu habe den Alleingang damit begründet, dass »der Staat Israel Geheimnisse hat, die nur der Ministerpräsident und eine Handvoll Personen kennen«, berichtete die Zeitung »Haaretz«.

Parallel zur Untersuchungskommission befasst sich ein Gericht in Tel Aviv mit der Affäre. Laut Anklageschriften sollen mehrere Personen Bestechungsgelder erhalten haben, um die Geschäfte zwischen dem Konzern ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) und dem Staat Israel voranzubringen. Unter den Angeklagten sind Vertraute Netanjahus, aber nicht der Regierungschef selbst.

Im Juni 2024 hatte die Untersuchungskommission bereits Warnbriefe an mehrere Entscheidungsträger verschickt, darunter an Netanjahu. Dieser hatte daraufhin mitgeteilt, die U-Boote seien »zentrale Grundlage der nationalen Sicherheit Israels und eine Sicherung seiner Existenz gegenüber dem Iran, der uns zerstören will«. dpa

Israel

Gesetz: Der 7. Oktober soll nicht »Massaker« heißen

Das Büro von Premierminister Netanjahu ließ das Wort für den Titel des Gedenktages streichen. Überlebende und Angehörige außer sich vor Wut

von Sabine Brandes  12.02.2026

Nahost

Israels digitale Front gegen Teheran

Hunderte Cyberattacken wurden in zwölf Monaten abgewehrt. Behörden sprechen von einer »ausgedehnten iranischen Kampagne«

von Sabine Brandes  12.02.2026

Westjordanland

Bericht: Autonomiebehörde zahlt weiterhin »Märtyrer-Renten«

Eigentlich hatte Mahmoud Abbas das Ende der international verurteilten »Pay for Slay«-Praxis verkündet. Laut einem Bericht von Palestinian Media Watch hat er gelogen

 12.02.2026

Gaza

Sicherheitsstillstand

Die Terrororganisation Hamas macht auch in der zweiten Phase des Waffenruhe-Abkommens klar, dass sie einer Entmilitarisierung nicht zustimmen wird

von Sabine Brandes  12.02.2026

Nachrichten

Botschafter, Kontrolle, Künstliche Intelligenz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  12.02.2026

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Gesellschaft

Gewalt in arabischen Gemeinden eskaliert: Fünf Tote in zwölf Stunden

Die Gewalt in arabischen Gemeinden Israels eskaliert. Der Polizeichef spricht von einem »nationalem Ausnahmezustand«

von Sabine Brandes  12.02.2026

Gaza

Israel meldet Tötung eines Terror-Drahtziehers

Basel Himouni, ein Hamas-Terrorist aus Hebron, hatte einen Anschlag auf Busse in Beerscheba im Jahr 2004 organisiert. Damals wurden 16 Israelisch ermordet und über 100 Menschen verletzt

 12.02.2026

Melbourne

Herzog warnt vor Judenhass in Australien

Der Staatsbesuch des israelischen Präsidenten löste Proteste im Land aus. Herzog sagte, er habe eine Botschaft des guten Willens nach Australien gebracht und hoffe auf eine Entspannung der Lage

 12.02.2026 Aktualisiert