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Kanal 13 geht an milliardenschweren Regierungsgegner

Einer der erfolgreichsten Fernsehkanäle Israels Foto: Flash 90

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Kanal 13 geht an milliardenschweren Regierungsgegner

Gruppe von Hightech-Unternehmern um Wiz-Mitbegründer Assaf Rappaport will sich für redaktionelle Unabhängigkeit einsetzen

von Sabine Brandes  15.03.2026 17:00 Uhr

Die Nachricht kam überraschend – und ist politisch bedeutend: Israels Fernsehsender Kanal 13 steht vor einem brisanten Eigentümerwechsel. Der bisherige Besitzer, der Milliardär Len Blavatnik, hat eine Vereinbarung unterzeichnet, die Kontrolle über den Sender an eine Stiftung zu verkaufen, hinter der eine Gruppe linksgerichteter israelischer High-Tech-Unternehmer steht. Angeführt wird sie von Assaf Rappaport, Mitgründer des Cybersecurity-Startups Wiz.

Der Schritt hat eine klare politische Dimension. Zuvor hatte Blavatnik einen Verkauf an Investoren rund um den französischen Telekom-Milliardär Patrick Drahi in Betracht gezogen, einen Geschäftsmann, der als Verbündeter von Premierminister Benjamin Netanjahu gilt. Doch dieser Deal scheiterte. Stattdessen soll nun eine Gruppe von Tech-Unternehmern übernehmen, die sich ausdrücklich für redaktionelle Unabhängigkeit einsetzen.

Rappaport erklärte nach Bekanntwerden der Vereinbarung: »Israel verdient einen unabhängigen Nachrichtenkanal.« Der Unternehmer betonte, dass die Initiative nicht als politisches Projekt gedacht sei, sondern als Versuch, journalistische Arbeit und öffentliche Debatten langfristig zu sichern.

Prominente Stimme im Hightech-Protest gegen Justizputsch

Der Hightech-Milliardär war eine prominente Stimme im Protest der Hightech-Szene gegen den Justizputsch der Regierung. »Wenn es keine unabhängige Justiz gibt und die Demokratie gefährdet oder in Frage gestellt ist, bestehen große Bedenken, hier Geld anzulegen«, sagte er damals. Er habe Sorge, »dass es hier eine Regierung geben wird, die jedes beliebige Gesetz erlassen, die Richter auswählen und jede Gerichtsentscheidung außer Kraft setzen kann«.

Dass ausgerechnet Rappaport zu den Investoren gehört, ist kein Zufall. Der 41-jährige Unternehmer zählt zu den prominentesten Figuren der israelischen Tech-Szene. Sein Unternehmen hat gerade einen historischen Deal abgeschlossen. Nur wenige Tage vor der Nachricht über Channel 13 wurde bekannt, dass der Google-Deal bestätigt ist. Google hat die Cybersecurity-Firma Wiz vollständig übernommen.

Der Kaufpreis: rund 32 Milliarden Dollar – der größte Exit in der Geschichte des israelischen Technologiesektors. Die Übernahme ist auch für Google selbst ein Rekord. Für den Konzern ist es die teuerste Akquisition überhaupt und ein zentraler Baustein seiner Strategie im Wettbewerb um Cloud-Computing und künstliche Intelligenz.

Medienexperte Oren Persiko: »Israels High-Tech-Elite beginnt zu erkennen, dass wirtschaftlicher Einfluss auch mediale Präsenz braucht.«

Wiz wurde erst 2020 gegründet, von vier israelischen Unternehmern: Assaf Rappaport, Yinon Costica, Roy Reznik und Ami Luttwak. Die Firma entwickelte eine Plattform, mit der Unternehmen ihre Cloud-Infrastruktur auf Sicherheitsrisiken analysieren können. Innerhalb weniger Jahre wuchs Wiz zu einem der am schnellsten expandierenden Softwareunternehmen der Welt. Auch für Israel selbst hat der Deal enorme wirtschaftliche Folgen. Milliarden Dollar fließen an Gründer, Mitarbeiter und Investoren. Zudem erwartet der israelische Staat hohe Steuereinnahmen aus dem Verkauf.

Der wirtschaftliche Erfolg kommt zu einem Zeitpunkt, in dem Israels Wirtschaft unter geopolitischen Spannungen und hohen Kriegskosten leidet. Gerade deshalb gilt der Wiz-Deal als wichtiges Signal für die Stärke der Tech-Industrie.

Die Verbindung zwischen dem historischen Exit und dem Kauf von Kanal 13 ist mehr als ein Zufall. Sie zeigt, wie sich Israels wirtschaftliche Elite verändert. Während klassische Medienunternehmen seit Jahren mit finanziellen Problemen kämpfen, verfügen High-Tech-Unternehmer über enorme Kapitalreserven und wollen die offenbar zunehmend für politischen Einfluss einsetzen.

Hoffnung, dass neue Investoren dem Sender Stabilität bringen

Der Politikwissenschaftler und Medienexperte Oren Persiko sieht darin einen tiefgreifenden Wandel. »Die israelische High-Tech-Elite beginnt zu erkennen, dass wirtschaftlicher Einfluss auch mediale Präsenz braucht«, sagt er. »Der Einstieg in ein großes Fernsehnetzwerk ist ein Zeichen dafür, dass sich Machtstrukturen im Land verschieben.«

Auch in der Branche selbst wird der Schritt aufmerksam verfolgt. Viele Journalisten hoffen, dass neue Investoren dem Sender finanzielle Stabilität ohne redaktionelle Eingriffe verschaffen. Gleichzeitig bleibt offen, welche Rolle die Tech-Milliardäre langfristig in der politischen Debatte spielen wollen und werden.

Die Tech-Industrie ist längst nicht mehr nur ein Motor des wirtschaftlichen Wachstums. Sie entwickelt sich zunehmend zu einem Machtfaktor, der auch Medien, Politik und öffentliche Debatten beeinflusst. Oder, wie ein Investor aus der Branche es formulierte: »Wer die Zukunft der Technologie baut, will irgendwann auch mitreden, wie über diese Zukunft gesprochen wird.«

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