Wetter

Jerusalem und Tel Aviv an Spitze der Luftverschmutzung weltweit

Tel Aviv lag am Samstag unter einer dicken Dunstwolke. Foto: Flash 90

Ein orangegrauer Himmel über der Küste, verschwommene Hochhäuser und der Geruch von Staub in der Nase: Ein ungewöhnlich heftiger Sandsturm hat am Wochenende große Teile Israels erfasst und die beiden größten Städte des Landes, Jerusalem und Tel Aviv, zeitweise an die Spitze der weltweit am stärksten verschmutzten Metropolen katapultiert. Messungen internationaler Luftqualitätsdienste zeigten extrem hohe Feinstaubwerte.

Die Schadstoffbelastung – insbesondere durch den feinen Staub – überschritt in vielen Teilen Israels die Grenzwerte für »gefährliche« Schadstoffe. Die Luftqualitätsmessstation IQAir listete die israelischen Städte noch vor Almaty (Kasachstan), Lahore (Pakistan) und Kalkutta (Indien). Stagnierende Luft und ausbleibende Niederschläge trugen maßgeblich zur Bildung von dichtem Smog bei.

Werte, die es sonst nur bei schweren Umweltkatastrophen gibt

Nach Angaben von Messnetzwerken erreichten die Luftqualitätswerte (AQI) in Tel Aviv zeitweise über 900 Punkte, in Jerusalem knapp darunter. Das sind Werte, die normalerweise nur bei schweren Umweltkatastrophen auftreten. Selbst kleinere Städte im Zentrum des Landes meldeten außergewöhnlich hohe Belastungen. Verantwortlich dafür waren starke südwestliche Winde, die große Mengen Staub aus der Wüste Sahara in Nordafrika über das Mittelmeer nach Israel transportierten.

Besonders in den dicht besiedelten Ballungsräumen wirkten sich diese meteorologischen Bedingungen drastisch aus. Während natürliche Staubpartikel einen Großteil der Belastung ausmachten, verstärkten städtische Emissionen aus Verkehr, Industrie und Heizung die Situation zusätzlich. Messungen zeigten Feinstaubkonzentrationen, die ein Vielfaches der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerte erreichten – laut Berichten des meteorologischen Dienstes zeitweise bis zu 93-mal höher.

Das Gesundheitsministerium warnte: »Bleiben Sie möglichst in Innenräumen und halten Sie die Fenster geschlossen.«

Für die Bevölkerung hatte das unmittelbare Folgen. Das Gesundheits- und das Umweltministerium in Jerusalem gaben Warnungen heraus. Sie rieten, »körperliche Anstrengungen im Freien auf jeden Fall zu vermeiden, Fenster geschlossen zu halten und möglichst in Innenräumen zu bleiben«. Besonders gefährdet seien Kinder, Schwangere, ältere Menschen sowie Personen mit Herz- oder Lungenerkrankungen, die keinesfalls das Haus verlassen sollten.

Ärzte berichteten den ganzen Samstag über von vermehrten Beschwerden wie Atemnot, Augenreizungen und starken Kopfschmerzen. Die feinen Staubpartikel könnten tief in die Lunge eindringen und Entzündungen auslösen, warnten Experten.

Auch im Alltag waren die Auswirkungen deutlich spürbar. Der Staub hüllte Häuser und Autos ein, in Tel Aviv sank die Sichtweite stellenweise drastisch, die Mittelmeerküste lag unter einer milchigen Staubschicht. In Jerusalem verschwanden bekannte Wahrzeichen zeitweise im Dunst. Fotos zeigten eine Stadtlandschaft, die eher an öde Wüstenregionen als an farbenfrohe urbane Zentren erinnerte.

Im östlichen Mittelmeerraum ungewöhnlich hohe Temperaturen

Meteorologen erklärten das Ereignis mit einer ungewöhnlichen Wetterlage: Während Europa von winterlichen Bedingungen geprägt war, herrschten im östlichen Mittelmeerraum ungewöhnlich hohe Temperaturen. Dieser Kontrast habe starke trockene Winde begünstigt, die Staub aus den Wüsten Ägyptens und Libyens aufnahmen und Richtung Levante transportierten. Für die Jahreszeit sei ein solches Ausmaß bislang selten dokumentiert.

Umweltfachleute sehen in solchen Ereignissen zugleich einen Hinweis auf größere Trends. Staubstürme gehören zwar grundsätzlich zum Klima der Region, doch ihre Intensität und Häufigkeit könnten durch den Klimawandel beeinflusst werden. Höhere Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und zunehmende Trockenheit in Teilen Nordafrikas begünstigen die Entstehung und Verlagerung von riesigen Staubwolken.

Am Sonntagmorgen entspannte sich die Lage in Israel allmählich, als sich die Windrichtung änderte und ein Teil des Staubs nach Osten abzog. Messwerte gingen zurück, und der meteorologische Dienst kündigte eine weitere Verbesserung der Luftqualität an.

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