Küche

Jerusalem für Genießer

Die drei Herren vom Grill: Chefköche erklären den Besuchern ihre Geheimnisse. Foto: Yahav Yaakov

Normalerweise spricht man von Tel Aviv als der Gourmetmetropole in Israel. Doch auch Jerusalem hat sich längst einen Namen als kulinarischer Geheimtipp gemacht. Allen voran locken die verwinkelten Gassen des Marktes Mahane Yehuda mit Köstlichkeiten für nahezu jeden Geschmack. In den kommenden Tagen ist die Kochkunst der Jerusalemer beim ersten Festival der »Open Restaurants« in aller Munde.

Wer sagt, dass man mit Essen nicht spielen darf? Hilit Shefer tut genau das. In ihren Workshops für Kinder und Erwachse in der First Station kreiert die Illustratorin Gurken-Cowboys mit Bergen aus Pumpernickel, Neptun in einem Meer aus Avocado oder einen Schneemann aus geriebenem Käse. Den teilnehmenden Kindern vermittelt sie auf diese Weise per Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn, »dass auch Lebensmittel, die vielleicht auf Anhieb nicht so verführerisch aussehen, jede Menge Spaß machen und unheimlich lecker sein können«.

Wer es elegant mag, sollte bei der Cocktailparty in der Straßenbahn zusteigen und das Sektglas klingen lassen, während er durch die nächtliche Stadt chauffiert wird. Um dabei die Naschereien von Chef Elran Buzaglo probieren zu dürfen, muss man sich allerdings seinen Partyzwirn überwerfen. So steht es zumindest im Veranstaltungskalender. Zum anschließenden Weitertrinken laden die Herzl-Bierbrauerei und Beer Bazaar ein.

Gourmet Mehr als 60 Veranstaltungen finden noch bis zum 26. November in allen Teilen der Stadt statt, ein großer Teil wird auf Hebräisch und Englisch angeboten. Es gibt kulinarische Spaziergänge, Koch- und Backunterricht, Tipps für die Herstellung von Süßigkeiten, Dinnerpartys, Geschmacksproben, Vorträge rund um Ernährung und Innovation beim Essen, Diskussionsrunden und natürlich die offenen Restaurants, in denen man an diesen Tagen den Chefkochs über die Schulter in die Kochtöpfe schauen darf.

»Hinter den dicken Mauern der Altstadt liegt ein verborgener Reichtum an Gourmetkultur«, versprechen die Veranstalter des Stadtrundgangs, auf dem Legenden zum Besten gegeben werden, die sich um Speis und Trank drehen. Dabei werden versteckte Hummusbuden und Stände mit den seltensten Gewürzen ebenso angesteuert wie die süßen arabischen Maklouba-Stuben, die seit Generationen nach geheimen Rezepten backen. Hier, in ihrer »Dwini Pita Bar«, will Chefköchin Dini Kasorela »ganz Jerusalem in eine Pitatasche packen«.

Auch wissenschaftlich soll bewiesen werden, dass es in Jerusalem schmeckt. Kinder sind eingeladen, im Bloomfield Science Museum die Zusammenhänge zwischen Wissenschaft und Schokolade zu verstehen. Star-Mixologe Doron Yakobovich zeigt in Workshops, wie man Cocktails und verschiedene Lebensmittel richtig zusammenstellt. Ein 23-stündiger »Hackaton« soll so viele Apps zu den Themen Gastfreundschaft und Gourmet auf den Weg bringen wie nur möglich. Dafür treffen sich bei der »MassChallenge« neben dem Mahane-Yehuda-Markt die besten Hacker des Landes.

mülltonnen Efrat Elimelech von der Abteilung Umweltmanagement an der Universität Haifa nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch unsere Mülltonnen. Ihre Veranstaltung trägt den Titel »Die beschämenden Massen an Müll, die israelische Haushalte produzieren«. Elimelech erläutert: »Wir versuchen zu verstehen, wie viel Abfall wir in unseren Haushalten wirklich produzieren, woraus er besteht, welche Gewohnheiten den meisten Müll produzieren, was das Ablaufdatum wirklich bedeutet und wie wir diese Mengen von Abfall verringern können.«

Hinter dem Projekt der offenen Restaurants stecken die Unternehmerinnen Merav Oren und Aviva Levinson. 2014 begannen sie damit in Tel Aviv, wo es bis heute drei Veranstaltungen gab. Sie freuen sich, dass sie nun auch Jerusalem dafür gewinnen konnten. »›Open Restaurants‹ ist eine kulinarische Feier von Dutzenden Lokalen in der Stadt«, so Oren. »Sie gibt den Besuchern die außergewöhnliche Möglichkeit, das zu sehen, zu riechen und zu schmecken, was für sie gewöhnlich hinter Mauern oder Türen versteckt bleibt.«

spitzenköche Oren und Levinson konnten einige der Spitzenköche des Landes überzeugen, ihr Wissen mit den Besuchern zu teilen: Liras Sadeh von der Brasserie in Ein Kerem ist dabei, Mosche und Roni Basson vom Restaurant »Eucalyptus«, Avi Levy vom »Hamotzi« und Assaf Granit vom »Machneyuda« sind nur einige der bekannten Namen.

Außerdem werden Granit und seine Kollegen Nir Zook, Yahaloma Levi und Nana Schreier Interessierte mit auf eine Tour durch das Israel-Museum nehmen. Dort erklären sie, welche Kunstwerke ihre Küche besonders inspiriert haben und wie sie diese Eindrücke auf ihre Speisen wirken lassen. Koch Ido Garini klärt in einem Vortrag über die jüngsten kulinarischen Innovationen auf und lädt dann zu einer experimentellen Ausstellung von Gerichten ins Tower of David Museum ein.

»Es gibt Dutzende von erstklassigen Lokalen, Bars und Cafés, die überall in den Gassen und Straßen unserer Stadt liegen und nur darauf warten, entdeckt zu werden«, sagt Noam Ritzi von der Jerusalemer Restaurantvereinigung. »Daher heißen wir die Entscheidung, die Open Restaurants hier zu veranstalten, natürlich sehr willkommen und laden alle ein, unsere wundervolle und besondere Stadt zu besuchen.«

open-restaurants.co.il

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