Jerusalem/Marmaris

Israel will neue Gaza-Flottille abfangen

Am 14. Mai startete die jüngste Gaza-Flottille vom Hafen der türkischen Stadt Marmaris aus. Foto: picture alliance / SIPA

Israel stellt sich auf die Ankunft einer neuen Flottille mit Kurs auf den Gazastreifen ein. Sicherheitskreise gehen davon aus, dass der aus der türkischen Küstenstadt Marmaris gestartete Konvoi innerhalb weniger Tage die Region erreichen könnte. Nach israelischen Angaben beteiligen sich rund 50 Schiffe an der Aktion. Israelische Medien berichteten.

Die Organisatoren werden in Israel mit der türkischen IHH in Verbindung gebracht, jener Organisation, die bereits hinter der »Mavi Marmara«-Flottille im Jahr 2010 gestanden haben soll. Israels Regierung betrachtet die aktuelle Mission als weiteren Versuch, die Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen.

Ein israelischer Vertreter sagte, man rechne diesmal mit stärkerem Widerstand seitens der Aktivisten. »Unsere Einschätzung ist, dass sie dieses Mal gewalttätiger sein werden als gewöhnlich«, erklärte der Beamte. Israelische Einsatzkräfte würden die Schiffe übernehmen und die Insassen zunächst auf eine schwimmende Haftanlage bringen. Zudem werde mit Widerstand gegen Festnahmen gerechnet.

Keshek und Avila

Nach Angaben aus politischen Kreisen führte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bereits erste Beratungen mit Sicherheitsvertretern zur erwarteten Ankunft der Flottille. Demnach soll es kurzfristig weitere operative Besprechungen mit Militär und Sicherheitsbehörden geben.

Israel und die USA hatten dem Bericht zufolge zuvor versucht, die Abfahrt des Konvois auf diplomatischem Weg zu verhindern. Die türkische Seite habe die Ausfahrt jedoch nicht gestoppt. Innerhalb der vergangenen Monate versuchten mehrere Flottillen, Gaza zu erreichen.

Lesen Sie auch

Unter den Teilnehmern der neuen Flottille sollen sich auch zwei Aktivisten befinden, die erst vor kurzem nach einer ähnlichen Aktion festgenommen und später abgeschoben worden waren, nämlich der Palästinenser Saif Abu Keshek, der in Spanien lebt, sowie der Brasilianer Thiago Avila. Beide waren an Bord einer früheren Flottille unterwegs gewesen, die von Spanien aus in Richtung Gaza gestartet war und nahe Kreta von der israelischen Marine gestoppt wurde.

Kontakte zu Terrororganisationen

Nach ihrer Festnahme in Israel hatten Abu Keshek und Avila einen Hungerstreik begonnen. Die Organisation Adalah, die die beiden juristisch vertrat, erklärte damals, sie seien psychisch unter Druck gesetzt und nicht angemessen behandelt worden. Israel wies die Vorwürfe zurück. Den beiden Aktivisten wurden unter anderem Kontakte zu Terrororganisationen sowie Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten vorgeworfen.

Ein israelischer Beamter kündigte laut »Ynet« mit Blick auf die erneute Teilnahme der beiden Aktivisten an: »Dieses Mal werden wir sie nicht so schnell freilassen.«

Nach der Abschiebung der beiden erklärte das israelische Außenministerium: »Nach Abschluss ihrer Vernehmung wurden die beiden professionellen Provokateure der Provokateurs-Flottille heute aus Israel abgeschoben. Israel wird keinerlei Verletzung der rechtmäßigen Seeblockade des Gazastreifens zulassen.«

Auch Ägypten erhält eine Seeblockade Gazas aufrecht. Auch in diesem Fall ist eine Eindämmung des Waffenschmuggels für die palästinensische Terrororganisation Hamas das Ziel. Die Flottillen richten sich jedoch lediglich gegen Israels Seeblockade Gazas. im

22. Makkabiade

Zusammenstehen - mehr denn je

Tausende Athletinnen und Athleten aus aller Welt feiern bei der Eröffnung in Jerusalem jüdische Identität, Sport und Solidarität – gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

»Hab viel Spaß in der Hölle, du Hurensohn!«

Die ehemalige deutsch-israelische Geisel Rom Braslavski reagiert auf die Tötung ihres Peinigers. Ein Moment, der für ihn mehr als Rache ist

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nahost

Hat ein Tadschike für den Iran Ziele in Israel ausgespäht?

Über ein Jobangebot kam ein Tadschike laut Israels Geheimdienst mit einem iranischen Agenten in Kontakt. Er soll für Teheran Orte in Israel ausspioniert und weitere Spione angeworben haben

 02.07.2026

Interview

»Klimaanlagen sind Pflicht«

Keren Agay-Shay erklärt, warum extrem heiße Sommer mehr sind als ein Wetterphänomen – und welche Maßnahmen Leben retten können

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nachrichten

Umwelt, Anerkennung, Bücher

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  02.07.2026

1000 Tage

Tausende Stimmen gegen das Vergessen

Die Hebräische Universität und Edut 710 schaffen ein KI-gestütztes Archiv, das die Zeugnisse des 7. Oktober bewahrt

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

5800 Juden wollen in diesem Sommer Alija machen

Das Interesse, nach Israel überzusiedeln, ist ungebrochen groß: Im Juli und August werden zahlreiche Neubürger erwartet, vor allem aus Frankreich und den USA

 02.07.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Sensationsfund in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  02.07.2026

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  02.07.2026