Nahost

Israel wendet Hisbollah-Playbook im Iran an

Überdimensionale Öltanks bei Teheran gehen am Samstag in Flammen auf. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Israel geht nach Einschätzung der Nahostexpertin Maha Jahja nach einem »Hisbollah-Playbook« im Iran vor. Gemeint ist eine militärische Strategie, bei der zunächst taktische Ziele attackiert werden, gefolgt von Angriffen auf Führungspersonal und breitere Infrastrukturen. Aber der Iran sei nicht die Hisbollah. »Es ist ein Land mit staatlichen Institutionen«, sagte Jahja dem Sender CNN.

Die Expertin von der Denkfabrik Carnegie sagte weiter, im Iran gehe es inzwischen nicht mehr nur um die Schwächung des Atomprogramms, sondern es sei »ernsthaft ein Versuch, weit darüber hinauszugehen«.

Die Hisbollah im Libanon ist eine der wichtigsten nicht-staatlichen Verbündeten des Irans und eine Art verlängerter Arm des Mulla-Regimes an den Grenzen zu Israel. Sie agierte im Libanon lange Zeit als eine Art Staat im Staate. Seit dem Krieg mit Israel im vergangenen Herbst gilt sie als stark geschwächt.

Irans Verbündeter im Libanon stark geschwächt

Nachdem die Hisbollah, die Israel ebenfalls vernichten will, in Solidarität mit der Hamas kurz nach Beginn des Gaza-Kriegs begann, Raketen auf den Norden des Nachbarlandes zu schießen, entwickelte sich zunächst ein niedrigschwelliger Konflikt, der schließlich in einem offenen Krieg eskalierte.

Israel tötete dabei große Teile der Führungsriege, unter anderem auch den langjährigen Generalsekretär Hassan Nasrallah. Die von der Hisbollah kontrollierten Gebiete wurden zum Teil zerstört. Trotz Waffenruhe greift Israel auch weiter im Libanon an, wenn die Hisbollah das geltende Waffenruheabkommen verletzt.

Zur Rolle der Hisbollah im aktuellen Krieg sagte Jahja, die Organisation befinde sich in einer Art existenziellen Krise. Als Widerstandsbewegung gegen Israel gegründet, stehe sie heute unter Druck, ihre Rolle neu zu definieren. Teil der Vereinbarung zur Waffenruhe mit Israel von Ende November war auch die Entwaffnung der Organisation.

Lesen Sie auch

Nach Einschätzungen Jahjas könnten die aktuellen Entwicklungen jedoch dem Hisbollah-Narrativ - die einzig wahre Schutzmacht gegen Erzfeind Israel zu sein - in die Hand spielen. Sie könnte die Lage nutzen, um entweder im Austausch für ihre Waffen noch mehr politische Vorteile zu erzielen oder weiter darauf bestehen, ihre Waffen zu behalten.

Ein baldiger diplomatischer Ausweg aus dem Konflikt zwischen Israel und dem Iran ist nach Einschätzung der Expertin kaum vorstellbar. Die iranische Führung habe durch die israelischen Angriffe erheblich an Ansehen verloren, insbesondere durch die offensichtliche Unterwanderung ihrer Sicherheitsapparate. Ein sofortiger Wiedereinstieg in Verhandlungen sei innenpolitisch kaum durchsetzbar.

Dennoch werde eine diplomatische Lösung langfristig unumgänglich sein. Eine Schlüsselrolle könnten dabei die USA sowie regionale Akteure wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate spielen. dpa

Diplomatie

Somaliland eröffnet Botschaft in Jerusalem

Es handelt sich bereits um die achte diplomatische Vertretung, die in der israelischen Hauptstadt eröffnet wurde

 16.06.2026

Interview

»Mir wurde immer wieder vorgeworfen, ich sei zu proisraelisch«

Der Schweizer Politiker und Ständerat Daniel Jositsch über seinen wahren Austritt aus der SP, postkoloniale Irrwege und den Antisemitismus innerhalb der Linken

von Nicole Dreyfus  16.06.2026

Nahost

Trotz des Iran-Abkommens: Hisbollah greift israelische Soldaten an

Nach Angaben der israelischen Streitkräfte feuerte die von Iran unterstützte Terrororganisation im Laufe des gestrigen Tages mehrere Geschosse auf IDF-Soldaten im Südlibanon

 16.06.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Wir haben den Staat Israel vor der Bedrohung einer atomaren Auslöschung gerettet«

»Wir wissen nicht, was in dem Abkommen steht«, sagt der israelische Ministerpräsident. Entscheidend sei, dass es von einer glaubwürdigen militärischen Drohkulisse begleitet werde

 16.06.2026

Karlsruhe

Bekennervideo aufgetaucht: Hamas plante konkreten Anschlag in Europa

Seit Herbst letzten Jahres hatte die Bundesanwaltschaft insgesamt neun Anhänger der Hamas festnehmen lassen

 16.06.2026

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

 15.06.2026

Nahost

Hisbollah: Waffenruhe gilt auch für Libanon

Die geplante 60-tägige Waffenruhe zwischen den USA und Iran gelte auch für den Libanon, behauptet die Terror-Miliz. Doch eine Bestätigung gibt es dafür nicht

 15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Reisen

2,4 Millionen Israel-Flugtickets könnten storniert werden

Noch immer nehmen US-Maschinen den größten Teil des Ben-Gurion-Flughafens in Beschlag. Verkehrsministerin Regev warnt vor Schäden in Milliardenhöhe

von Sabine Brandes  15.06.2026