Jerusalem

»New York Times« wegen Gastbeitrag massiv in der Kritik

Foto: picture alliance / Sipa USA

Das israelische Außenministerium hat einen Meinungsbeitrag in der »New York Times« über angebliche sexuelle Übergriffe auf Palästinenser durch israelische Sicherheitskräfte massiv kritisiert. In mehreren Stellungnahmen auf X warf das Ministerium der Zeitung vor, Israel gezielt zu diffamieren und gleichzeitig Erkenntnisse zu sexualisierter Gewalt der Hamas vom 7. Oktober zu ignorieren. »The Jerusalem Post« und andere israelische Medien berichteten.

Nach Angaben des Ministeriums hat eine israelische Untersuchungskommission der Zeitung bereits vor Monaten Material zu systematischen sexuellen Verbrechen der Hamas angeboten. Die »New York Times« habe jedoch erklärt, daran kein Interesse zu haben. Besonders empört zeigte sich Jerusalem darüber, dass der Gastbeitrag einen Tag vor der Veröffentlichung des Kommissionsberichts erschien und zudem prominent auf der Startseite der Zeitung platziert worden sei.

Das Außenministerium sprach von einer »beschämenden Attacke auf Israel« und erklärte: »Das sagt alles über die Agenda der NYT.« In einem weiteren Beitrag bezeichnete das Ministerium den Artikel sogar als »eine der schlimmsten Blutverleumdungen, die jemals in der modernen Presse erschienen sind«.

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Als Täter dargestellt

Weiter hieß es: »In einer unbegreiflichen Verdrehung der Realität und durch eine endlose Reihe haltloser Lügen macht Propagandist Nicholas Kristof aus dem Opfer den Angeklagten.« Israelische Bürger seien am 7. Oktober Opfer schwerster sexueller Gewalt durch die Hamas geworden, zudem seien Geiseln später weiter missbraucht worden. Dennoch werde nun Israel als Täter dargestellt.

Der israelische Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, schloss sich der Kritik an und warnte davor, den »Blutverleumdungen« Glauben zu schenken.

Der umstrittene Gastbeitrag des US-Journalisten Nicholas Kristof basiert nach dessen Angaben auf Gesprächen mit 14 Palästinensern aus dem Westjordanland und Gaza. Sie hätten von sexuellen Übergriffen durch Soldaten, Gefängnispersonal, Siedler oder Angehörige des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet berichtet. Kristof schrieb, es gebe zwar »keine Hinweise darauf, dass israelische Führer Vergewaltigungen anordnen«, dennoch habe sich innerhalb des Sicherheitsapparats eine Kultur entwickelt, in der sexuelle Gewalt zu einem »Standardverfahren« geworden sei.

Glaubwürdigkeit infrage gestellt

In sozialen Netzwerken erklärte Kristof nach Veröffentlichung des Artikels, einige der Betroffenen hätten nur unter Angst vor Repressalien ausgesagt. »Die Opfer wurden gewarnt, nicht über das zu sprechen, was sie erlebt haben«, schrieb er. Teilweise habe man ihnen mit Mord oder weiterer Vergewaltigung gedroht, falls sie Interviews gäben.

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Der Autor schilderte unter anderem Aussagen ehemaliger Häftlinge, die von Misshandlungen und sexualisierten Erniedrigungen berichteten. Auch Minderjährige hätten ihm gegenüber angegeben, missbraucht worden zu sein. Kristof betonte: »Sexuelle Übergriffe waren schrecklich, als israelische Frauen am 7. Oktober angegriffen wurden, und sie sind ebenso schrecklich, wenn israelische Behörden sie gegen Palästinenser einsetzen.«

Gleichzeitig wurde die Glaubwürdigkeit einiger Quellen des Beitrags infrage gestellt. Der aus Gaza stammende Anti-Hamas-Aktivist Ahmed Fouad Alkhatib erklärte zwar, er halte Misshandlungen in israelischen Gefängnissen für möglich, warnte jedoch vor zweifelhaften Quellen und Organisationen. Einige der genannten Gruppen hätten »bedenkliche Bilanzen hinsichtlich Genauigkeit, Verhalten und Verbindungen«.

Auch die Jerusalemer Organisation NGO Monitor attackierte mehrere der im Artikel erwähnten Institutionen. Besonders scharf fiel die Kritik an Euro-Med Human Rights Monitor aus. NGO Monitor verwies auf frühere Kontakte führender Vertreter der Organisation zu Hamas-Funktionären.

Jüdische Organisationen kündigten für Donnerstag eine Demonstration gegen antiisraelische Tendenzen bei der »New York Times« an. im

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