Tel Aviv

Israel führt drastische Warnhinweise auf Tabakprodukten ein

Foto: copyright (c) Flash90 2024

In Israel gelten ab sofort deutlich verschärfte Vorschriften für die Kennzeichnung von Tabak- und Nikotinprodukten. Künftig müssen sämtliche Verpackungen mit großflächigen Schockbildern versehen sein, die die gesundheitlichen Folgen des Rauchens zeigen. Das neue System betrifft laut einem Bericht der »Jerusalem Post« neben Zigaretten auch E-Zigaretten, Wasserpfeifentabak, Drehtabak sowie Nikotinbeutel. Mit der Maßnahme schließt sich Israel rund 140 Staaten weltweit an.

Nach den neuen Regeln müssen Warnhinweise künftig 75 Prozent der Verpackungsfläche einnehmen. Neben den Bildern enthalten sie medizinische Informationen über die Risiken des Rauchens sowie Hinweise auf die nationale Raucherentwöhnungs-Hotline und die Angebote der israelischen Krankenkassen. Die verbleibende Fläche der Verpackung muss in einem einheitlichen Braun-Oliv-Ton (Pantone 448C) gestaltet sein, der bereits seit 2020 vorgeschrieben ist. Markenlogos, auffällige Farben oder andere Designelemente sind nicht mehr zulässig.

Die neuen Vorschriften gehen auf das Rahmenübereinkommen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Eindämmung des Tabakkonsums zurück. Israel hatte das Abkommen bereits 2003 unterzeichnet und 2005 ratifiziert. Bis zur vollständigen Umsetzung der Verpackungsregeln vergingen jedoch mehr als zwei Jahrzehnte.

Authentische Vermittlung

Moshe Bar Haim, Geschäftsführer der Israel Cancer Association, bezeichnete das Inkrafttreten der Regelung laut »The Jerusalem Post« als »einen sehr bedeutenden Meilenstein im Kampf gegen das Rauchen«. Jeden Monat würden in Israel mehr als 1000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben. »Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und von heute an könnte es auch Leben retten, die verheerenden Folgen des Tabakkonsums authentisch vermitteln und selbst Menschen abschrecken, die bislang nicht rauchen«, sagte er.

Lesen Sie auch

Gleichzeitig warnte Bar Haim vor einer zunehmenden Verbreitung neuer Nikotinprodukte unter Jugendlichen. Besonders der Konsum von E-Zigaretten und Nikotinbeuteln bereite Sorgen, da viele junge Menschen die gesundheitlichen Risiken unterschätzten. Er sprach sich dafür aus, aromatisierte Produkte zu verbieten, die mit süßen Geschmacksrichtungen gezielt Jugendliche anlocken sollen. »Wir müssen die jüngere Generation vor den räuberischen Klauen der Tabakindustrie schützen. Alle Rauchprodukte in Israel, einschließlich Wasserpfeifen, E-Zigaretten und Nikotinbeuteln, sollten ausschließlich mit dem ursprünglichen Tabakgeschmack verkauft werden.«

Nach Angaben der Israel Cancer Association unterstützen 84 Prozent der Bevölkerung die Einführung der Bildwarnungen. Auch unter jungen Erwachsenen stößt die Maßnahme auf Zustimmung: In einer Umfrage aus dem Jahr 2026 erklärten 57 Prozent der Befragten, die Warnbilder seien wichtig, weil sie die Gefahren des Rauchens verdeutlichten.

Wasserpfeifen und Zigarren

Die Organisation verweist zugleich auf eine hohe Raucherquote. Demnach rauchten 2026 rund 24 Prozent der Israelis Zigaretten, bei Männern lag der Anteil sogar bei 34 Prozent. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung nutzen E-Zigaretten, unter den 16- bis 24-Jährigen sind es 24 Prozent. Auch der Konsum von Wasserpfeifen und Zigarren ist zuletzt gestiegen.

Die angespannte Sicherheitslage wirkt sich nach Einschätzung der Krebsgesellschaft ebenfalls auf das Rauchverhalten aus. Rund 40 Prozent der Raucher gaben an, aufgrund von Stress, Angst oder der Sicherheitslage mit dem Rauchen begonnen, nach einer Pause wieder angefangen oder ihren Konsum erhöht zu haben. Drei Viertel der Raucher erklärten zugleich, sie wollten eigentlich aufhören.

Die WHO bezeichnet das Rauchen als weltweit häufigste vermeidbare Ursache für einen vorzeitigen Tod und betont, dass es keine ungefährliche Form des Tabakkonsums gebe. Wer in Israel künftig Tabak- oder Nikotinprodukte ohne die vorgeschriebenen Warnbilder verkauft, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Für Unternehmen können Geldbußen von bis zu 452.000 Schekel (128.500 Euro) fällig werden, für private Gewerbetreibende bis zu 226.000 Schekel (64.000 Euro). im

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Tel Aviv

Nach Geiselhaft: »Das Leben wird nie wieder dasselbe sein«

Am 07. Oktober 2023 überfielen Terroristen aus dem Gazastreifen Grenzorte in Israel. Sie ermordeten und entführten viele Menschen, darunter auch Deutsche. Wie geht es den ehemaligen Geiseln heute?

von Cindy Riechau  02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Tel Aviv

»Es ist viel sicherer, mit einer israelischen Airline zu fliegen«

Der Sicherheitsexperte Eyal Tsir Cohen über den Anschlag auf den »Fly Dubai«-Flug, die aktuelle Terrorbedrohung im Luftverkehr und die Effizienz israelischer Maßnahmen

von Detlef David Kauschke  02.10.2026

Tel Aviv

Co-Pilot aus Oman trotz Einreiseverbot mehrfach nach Israel geflogen

Warum wurden Sicherheitsregeln nicht umgesetzt?

 02.10.2026