Krieg

IDF-Reservist entgeht nur knapp Verhaftung in Brasilien

Israelische Soldaten in der Nähe von Rafah im November. Foto: picture alliance / Xinhua News Agency

Ein israelischer IDF-Reservist ist nur knapp einer Verhaftung in Brasilien entgangen. Nach Berichten des öffentlich-rechtlichen Senders Kan und israelischen Zeitungen habe ein Bundesgericht in dem südamerikanischen Land eine Untersuchung gegen einen Touristen angeordnet, der in der israelischen Armee gedient hat – und zwar wegen angeblicher Kriegsverbrechen in Gaza.

Die Hind-Rajab-Stiftung habe dem Gericht Unterlagen über die mutmaßlichen Aktivitäten des Soldaten im Gaza-Krieg vorgelegt, heißt es in der Berichterstattung. Der Reservist hatte zuvor das Massaker der Hamas auf dem Nova-Musikfestival am 7. Oktober überlebt.

Angehörige von ihm sagten im Gespräch mit Kan, dass er Brasilien verlassen hat, bevor rechtliche Schritte gegen ihn eingeleitet wurden. Dabei habe er Hilfe »von relevanten Akteuren erhalten«. Er sei eine Woche zuvor in Brasilien eingetroffen.

Brasilien hat das Römische Statut unterzeichnet

Die Stiftung erklärte, die Handlungen des Reservisten seien Teil einer umfassenderen Aktion gewesen, »die nach internationalem Recht Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit« umfasste. Die Stiftung stellte Materialien zur Verfügung, die angeblich zeigen, wie der Reservist Sprengstoff platzierte und »an der Zerstörung ganzer Viertel in Gaza teilnahm«, in denen vertriebene Zivilisten aus Gaza untergebracht worden sein sollen. »Diese Materialien beweisen zweifelsfrei die direkte Beteiligung des Verdächtigen an diesen verabscheuungswürdigen Taten«, behauptete die Stiftung.

Lesen Sie auch

Die brasilianische Regierung habe anschließend beschlossen, Maßnahmen zu ergreifen. Laut einem Bericht in der brasilianischen Zeitung »Metropoles« erklärte eine Anwältin, dass die Ermittlungen eingeleitet wurden, weil das Land Unterzeichner des Römischen Statuts ist. »Jedes Land, das das Statut unterzeichnet hat, ist verpflichtet, sicherzustellen, dass Verbrechen wie Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord untersucht und ihre Täter vor Gericht gestellt werden«, führte sie aus.

»Die Tatsache, dass ein israelischer Reservist gezwungen ist, mitten in der Nacht aus Brasilien zu fliehen, ist ein riesiges politisches Versagen.«

Oppositionsführer Yair Lapid übte anschließend scharfe Kritik an der Regierung in Jerusalem: »Die Tatsache, dass ein israelischer Reservist gezwungen ist, mitten in der Nacht aus Brasilien zu fliehen, um einer Verhaftung wegen Kämpfen in Gaza zu entgehen, ist ein riesiges politisches Versagen einer verantwortungslosen Regierung, die einfach nicht weiß, wie man arbeitet.«

»Es kann nicht sein, dass israelische Soldaten – sowohl reguläre Soldaten als auch Reservisten – Angst haben, ins Ausland zu reisen, weil sie befürchten, verhaftet zu werden«, fügte Lapid hinzu.

Eine staatliche Untersuchungskommission würde Israelis Rechtsschutz gewähren, machte er klar. Doch die Regierungskoalition verweigert eine Untersuchung in die Versäumnisse vor dem 7. Oktober.

79 Prozent der Israelis wollen Untersuchungskommission

Einer Umfrage von Channel 12 zufolge unterstützen 79 Prozent der Israelis eine staatliche Untersuchungskommission. Lediglich acht Prozent sprechen sich dagegen aus. 13 Prozent der Befragten gaben an, sie seien sich nicht sicher. Sogar unter den Wählern der Parteien der aktuellen Koalition sind 65 Prozent dafür.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu jedoch hat sich wiederholt gegen die Einsetzung einer derartigen Kommission ausgesprochen und argumentiert, dass solche Untersuchungen erst nach dem Ende des Krieges eingeleitet werden sollten. Kritiker des Ministerpräsidenten indes sind überzeugt, er versuche, die Verantwortung für die Geschehnisse von sich zu weisen.

Gegen Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Joav Gallant wurden jüngst vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag Haftbefehle erlassen.

Interview

»Diese Geschosse sind grausam«

Nahostexperte Eyal Zisser über Irans Einsatz von Streubomben gegen Zivilisten und deren internationale Ächtung

von Sabine Brandes  17.03.2026

Meinung

Linke: Rotes Fähnchen im antizionistischen Wind

Linken-Parteichef Jan van Aken bagatellisiert den Beschluss seiner Genossen in Niedersachsen zu Israel. Damit dürfte er nicht durchkommen

von Michael Thaidigsmann  16.03.2026

Rüstung

Ein Iron Dome »Made in Germany«?

Israel hat Deutschland Unterstützung beim Ausbau seiner Luftabwehr angeboten. Man könne sich vorstellen, den Iron Dome nicht nur zu liefern, sondern auch vor Ort zu produzieren, sagt der Chef des Rüstungskonzerns Rafael

von Ralf Balke  16.03.2026

Hisbollah

Irans stärkster Proxy wankt

Geschwächt und unter Druck im eigenen Land versucht die schiitische Terrormiliz im Libanon, sich von Teheran zu distanzieren

von Sabine Brandes  16.03.2026

Ausnahmesituation

Club Med kostenlos für gestrandete Israelis

Der französische Tourismuskonzern zeigt sich großzügig in Kriegszeiten

von Sabine Brandes  16.03.2026

Krieg

Mullah-Regime soll Angriffe im Weltraum trainiert haben

Israel wirft dem Iran vor, »Fähigkeiten zur Kriegsführung im Weltraum« zu entwickeln. Die israelische Armee begründet damit einen neuen Angriff auf ein Ziel in Irans Hauptstadt Teheran

 16.03.2026

Krieg

Israel startet »großangelegte Angriffswelle« auf Iran

Israels Militär bombardiert eigenen Angaben zufolge erneut Ziele unter anderem in der iranischen Hauptstadt Teheran. Nachrichten von dort dringen nur noch langsam nach außen

 16.03.2026

Iran-Krieg

Israelische Armee beginnt Bodenoffensive im Libanon

Das israelische Militär geht eigenen Angaben auch am Boden gegen die Hisbollah vor. Einem Bericht zufolge wurden zuletzt auch Dutzende Mitglieder der Terror-Miliz bei Kämpfen am Boden getötet

 16.03.2026

Iran-Krieg

Chameneis Regierungsflieger in Teheran zerstört

Der Flughafen Mehrabad in Teheran war in den vergangenen Tagen mehrfach Ziel israelischer Bombardierungen. Nun melden Israels Streitkräfte die Zerstörung eines Regierungsfliegers

 16.03.2026