Berlin

»Ich bin für dich, Ron!«

Botschafter Ron Prosor Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Sehr geehrter Herr Botschafter, lieber Ron Prosor, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der kurdischen Gemeinde,

heute ist ein besonderer Abend. Wir verleihen einen Ehrenpreis – doch in Wahrheit ehren wir heute nicht nur einen Diplomaten, sondern einen Menschen, der Haltung zeigt, wenn es darauf ankommt. Einen Menschen, der Verantwortung nicht nur als Amt versteht, sondern als moralische Verpflichtung.

Der Ehrenpreis der Kurdischen Gemeinde Deutschland geht heute an den Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Ron Prosor.

Ron Prosor ist seit dem 22. August 2022 Botschafter Israels in Deutschland. Seine diplomatische Karriere umfasst mehr als drei Jahrzehnte im Dienst seines Landes – als Ständiger Vertreter Israels bei den Vereinten Nationen, als Botschafter im Vereinigten Königreich, als Director General des israelischen Außenministeriums und in vielen weiteren Schlüsselpositionen der internationalen Diplomatie.
Doch die Geschichte von Ron Prosor beginnt in Deutschland nicht erst heute.

Seine diplomatische Laufbahn begann hier – als junger Diplomat, als »2. Sekretär, 3. Klasse« und Kultur- und Presseattaché in der israelischen Botschaft in Bonn. Dort erlebte er historische Momente: den Fall der Mauer und die deutsche Wiedervereinigung. Ereignisse, die nicht nur Deutschland verändert haben, sondern auch Menschen geprägt haben, die sie miterlebt haben.

Für Ron Prosor ist Deutschland jedoch nicht nur ein diplomatischer Posten. Es ist auch Teil seiner Familiengeschichte. Seine Familie musste 1938 aus Berlin vor der nationalsozialistischen Verfolgung fliehen. Heute erinnern in der Eisenzahnstraße in Berlin Stolpersteine an seine Familie – an seine Großeltern, seinen Vater und seine Tante, die den Namen Proskauer trugen.

Dass Ron Prosor heute als Botschafter Israels nach Deutschland zurückgekehrt ist, schließt deshalb nicht nur einen beruflichen Kreis – sondern auch einen persönlichen und historischen.

Doch der Grund, warum wir heute hier sind, liegt noch in etwas anderem.
Wir ehren Ron Prosor für seine Solidarität mit dem kurdischen Volk – für seine Stimme, für seinen Mut und für sein Handeln.

Besonders in einer dramatischen Situation am 19. Januar, als uns ein verzweifelter Hilferuf aus Rojava erreichte. Zehntausende bewaffnete islamistische Kämpfer standen bereit, die Region zu überrennen. Die Gefahr eines Massakers an der kurdischen Bevölkerung war real.
In dieser Situation wandte sich die Kurdische Gemeinde Deutschland an Ron Prosor. Und was tat er? Er reagierte sofort.

Noch am selben Abend kontaktierte er seinen Außenminister. Dieser wiederum nahm umgehend Kontakt mit seinem amerikanischen Amtskollegen auf. Kurz darauf griff auch die höchste politische Ebene ein. Innerhalb kürzester Zeit wurde Druck aufgebaut, um die Angriffe zu stoppen.

Manchmal entscheidet Diplomatie nicht in Monaten oder Wochen – sondern in Stunden. Und manchmal rettet genau dieses schnelle Handeln Menschenleben.

Für dieses Engagement, für diese Solidarität und für dieses Verantwortungsgefühl sind wir dir heute zutiefst dankbar, lieber Ron.
Erlauben Sie mir auch eine persönliche Erinnerung.

Als ich zum ersten Mal einen Termin in der israelischen Botschaft bekam, war ich natürlich ein wenig nervös. Ich wartete im Saal der Botschaft, als Ron Prosor die Treppe herunterkam – mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht. Ich stand auf und begrüßte ihn sehr respektvoll: »Eure Exzellenz, es ist mir eine große Freude…« Doch er unterbrach mich sofort – ebenfalls mit einem Lächeln – und sagte: »Ich bin für dich Ron.«

In diesem Moment war klar: Hier steht kein distanzierter Diplomat vor mir, sondern ein Mensch mit offenem Herzen. Man könnte fast sagen: Es war eine Freundschaft auf den ersten Blick. Ron nahm mich mit in sein Büro und sagte gleich zu Beginn etwas, das ich nie vergessen werde:
Sein Herz schlage für die Kurden – und während seiner Amtszeit wolle er auch der Botschafter der Kurden sein.

Viele Menschen sagen solche Dinge. Ron Prosor hat sie wahr gemacht. Er hat Türen geöffnet, Gespräche ermöglicht und Brücken gebaut. Und im vergangenen Jahr durften wir sogar unseren kurdischen Neujahrsempfang – Newroz – in seiner Residenz feiern. Ein starkes Zeichen der Freundschaft und des Respekts.

Ron Prosor ist ein Diplomat von Weltrang. Seine Stimme wurde in den wichtigsten internationalen Medien gehört – von der »New York Times« bis zur »Zeit«. In den Vereinten Nationen hat er sein Land mit Klarheit und Mut vertreten.

Doch für uns ist er heute vor allem eines: ein Freund. Ein Freund der Kurden. Ein Freund der Freiheit. Ein Freund der Menschlichkeit.

Lieber Ron, Diplomatie bedeutet oft, zwischen Interessen zu vermitteln. Doch manchmal geht es um etwas Grundsätzlicheres: um Werte. Du hast gezeigt, dass Diplomatie auch Mut bedeuten kann. Mut, die richtigen Worte zu finden. Mut, im entscheidenden Moment zu handeln. Im Namen der Kurdischen Gemeinde Deutschland danken wir dir von Herzen.

Es ist uns eine große Ehre, dir heute unseren Ehrenpreis zu überreichen. Danke für deine Freundschaft. Danke für deine Solidarität. Und danke dafür, dass dein Herz auch für die Kurden schlägt.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Ron Prosor!

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