Demonstrationen

Hunderttausende fordern Abkommen zur Freilassung der Geiseln

Familienmitglieder von Geiseln und ihre Unterstützer demonstrieren in Tel Aviv für eine Freilassung der Verschleppten. Foto: Copyright (c) Flash90 2025

In Tel Aviv und anderen Städten Israels haben am Dienstag Hunderttausende Menschen für ein Abkommen zur Freilassung der von der Hamas und weiteren Terrorgruppen in Gaza festgehaltenen Geiseln demonstriert. Nach Angaben der Organisatoren versammelten sich allein auf dem »Hostages Square« im Zentrum Tel Avivs rund 350.000 Menschen.

Schon am Vormittag hatten Demonstranten zentrale Verkehrsadern blockiert. Vor dem Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu in Jerusalem marschierten Hunderte Menschen, während dieser eine Sitzung des Sicherheitskabinetts leitete.

Auf der Kundgebung kamen zahlreiche Angehörige der Geiseln zu Wort. Ofir Braslavski, Vater des von der Hamas verschleppten Rom Braslavski, sagte: »Ich will meinen Jungen nicht in einem Sack zurückbekommen.« Sein Sohn sei seit fast zwei Jahren in Gefangenschaft und auf jüngsten Aufnahmen stark abgemagert zu sehen. »Ich vertraue dem Premierminister nicht mehr, ich vertraue nur noch dem Generalstabschef«, erklärte er.

Keine Normalität

Generalstabschef Ejal Zamir hatte sich lokalen Zeitungsberichten zufolge bisher zweimal für eine Annahme des diskutierten Abkommens ausgesprochen. Dennoch hatte er die Anweisung der Regierung, einen Plan zur vollständigen Einnahme von Gaza-Stadt auszuarbeiten, ausgeführt und mit der Vorbereitung der Operation begonnen.

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Der Schauspieler Lior Ashkenazi eröffnete die Kundgebung, indem er die Regierung kritisierte. »Eine ganze Woche ist vergangen, seit die Hamas ihre Zustimmung erklärt hat – und nichts passiert«, rief er unter großem Applaus. »Es wird keine Normalität mehr geben, solange unsere Leute dort sind.«

Erhöhter Druck

Die Proteste knüpfen an eine lange Reihe öffentlicher Kundgebungen an, die seit dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 regelmäßig stattfinden. Schon in den ersten Wochen nach dem Massaker hatte das »Hostages and Missing Families Forum« damit begonnen, Mahnwachen, Demonstrationen und Solidaritätsaktionen zu organisieren, die inzwischen zu einem festen Bestandteil des politischen Alltags geworden sind. Immer wieder appellieren Angehörige, Künstler und prominente Unterstützer an die Regierung, endlich ein Abkommen zu schließen.

Die Hamas hält nach israelischen Angaben noch 50 Geiseln fest – darunter 20, die nach derzeitiger Einschätzung noch am Leben sind. Seit Beginn des Krieges am 7. Oktober 2023 wurden mehrfach Geiseln freigelassen oder ihre Leichname übergeben – im Austausch für weitaus mehr palästinensische Häftlinge. Andere kamen bei israelischen Militäroperationen frei. Insgesamt kehrten bislang mehr als 100 Menschen lebend zurück. Dutzende weitere starben in Gefangenschaft oder konnten nur tot zurückgebracht werden.

Das »Hostages and Missing Families Forum« kündigte an, den Druck weiter zu erhöhen. Es gibt jedoch auch Hinterbliebene der Hamas-Geiseln, die den Kurs der Regierung unterstützen. Sie gehen davon aus, dass eine Erhöhung des militärischen Drucks die beste Chance dafür bietet, alle noch lebenden Geiseln zu retten, scheinen jedoch eine Minderheit darzustellen. im

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