»Sumud-Flottille«

Israel schiebt 137 Aktivisten von Thunbergs Gaza-Flotte in die Türkei ab

Greta Thunberg neben einem israelischen Soldaten auf dem geenterten Schiff Foto: Screenshot Video IDF

Viele weitere Aktivisten einer von Israel abgefangenen Gaza-Flotte privater Segel- und Motorboote haben israelischen Angaben zufolge das Land verlassen. »137 weitere Provokateure der Hamas-Sumud-Flottille wurden heute in die Türkei abgeschoben«, teilte Israels Außenministerium am Samstag mit. Darunter seien unter anderem Staatsbürger aus den USA, Italien, Großbritannien, mehrerer arabischer Länder und der Türkei. Laut dem türkischen Außenminister ist der Flieger bereits in Istanbul gelandet.

Israels Außenministerium sagte weiter, einige Aktivisten, die noch in Gewahrsam seien, behinderten den Prozess ihrer Rückführung. Das türkische Außenministerium hatte zuvor mitgeteilt, dass 36 türkische Staatsbürger, die an Bord der Boote gewesen seien, per Charterflug ins Land zurückkehren würden. Zudem seien Ausländer in dem Flieger.

Die israelische Marine hatte am Freitag das letzte der insgesamt 42 Boote der »Global Sumud Flotilla« abgefangen. Mehr als 400 Besatzungsmitglieder aus Dutzenden Ländern wurden in Gewahrsam genommen. In der Nacht zum Donnerstag hatte die israelische Marine 41 Schiffe abgefangen, als diese versucht hatten, die Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Zuvor hatte das Militär eine letzte Warnung zur Kursänderung ausgesprochen.

Nachdem die Schiffe geentert wurden, tweetete das israelische Außenministerium: »Greta und ihre Freunde sind wohlauf«. Ein letztes Schiff wurde laut israelischen Medienberichten von Freitag inzwischen ebenfalls abgefangen. Derweil ist bekannt geworden, dass eine weitere Flottille den Gazastreifen ansteuert, um die israelische Seeblockade des Gebiets zu durchbrechen.

Die »Freedom Flotilla Coalition« erklärte, das Boot mit Namen »Conscience« habe am Mittwoch mit rund 100 Aktivisten an Bord Italien verlassen. Die Gruppe behauptet, viele von ihnen seien Mitarbeiter des Gesundheitswesens und Journalisten. Die »Conscience« habe sich acht weiteren Booten angeschlossen, die vor knapp einer Woche ebenfalls von Italien losgefahren sind.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auf einem der ersten Boote, auf das die israelischen Soldaten gingen, befand sich auch die Aktivistin Greta Thunberg. Das Ministerium veröffentlichte anschließend ein Video, in dem ein israelischer Soldat ihre Unterlagen prüft und ihr Wasser sowie ihre Habseligkeiten zurückgibt.

»Mehrere Schiffe der Hamas-Sumud-Flottille wurden bereits sicher gestoppt. Alle Passagiere sind in Sicherheit und bei guter Gesundheit«, hieß es weiter in dem Post auf X. Sie würden sich auf dem Weg nach Israel befinden, von wo aus sie nach Europa abgeschoben würden. Ein Logistikboot der israelischen Marine wurde mit einigen der festgenommenen Aktivisten im Hafen von Aschdod gesichtet. Alle 41 Schiffe wurden ebenfalls dorthin geschleppt.

Lesen Sie auch

Die Operation der israelischen Marine, die während des Jom Kippur-Feiertages stattfand, begann am Mittwochabend und dauerte die ganze Nacht bis zum Donnerstag. Zwölf Stunden lang hätten Mitglieder eines Marinekommandos 41 Schiffe der Flottille geentert und rund 400 Aktivisten an Bord festgenommen. Zuvor hatten sie deren Signale gestört und Wasserwerfer auf sie gerichtet.

Kurz vor 14 Uhr hatte das Außenministerium in Jerusalem erklärt, die »Provokation« durch die Globale Sumud-Flottille sei »vorbei«, ohne dass größere Zwischenfälle gemeldet worden seien. »Keiner der Hamas-Sumud-Provokationsyachten ist es gelungen, in ein aktives Kampfgebiet einzudringen oder die rechtmäßige Seeblockade zu durchbrechen.«

Mehr als 600 Polizisten sowie Gefängnisbeamte und Vertreter der Einwanderungsbehörde wurden im Hafen von Aschdod eingesetzt, um die festgenommenen Aktivisten in Empfang zu nehmen, teilte die Polizei mit. Anschließend seien sie einer Inspektion unterzogen und der Bevölkerungs- und Einwanderungsbehörde sowie dem israelischen Gefängnisdienst übergeben, hieß es weiter.

Außenministerium: »Israel, Italien, Griechenland und das Lateinische Patriarchat von Jerusalem haben der Flottille angeboten, jegliche ihrer Hilfsgüter friedlich nach Gaza zu bringen.«

Eines der Flottillenboote, das aufgrund mechanischer Probleme, die nichts mit der Militäraktion zu tun hatte, sei in einiger Entfernung von Gaza auf See geblieben. »Sollte es sich nähern, wird auch sein Versuch, in ein aktives Kampfgebiet einzudringen und die Blockade zu durchbrechen, verhindert«, machte die israelische Armee (IDF) klar.

Entgegen den Behauptungen einiger Aktivisten, die auf falschen Tracking-Daten beruhten, sei es keinem der Flottillenboote gelungen, die von Israel kontrollierten Gewässer vor der Küste Gazas zu erreichen, fügte sie hinzu.

Die französische Politikerin Marie Mesmeur und die französisch-palästinensische Europaabgeordnete Rima Hassan berichteten, dass auch ihre Boote abgefangen worden seien. Livestream-Aufnahmen zeigten, wie Aktivisten ihre Handys ins Meer warfen, nachdem Soldaten ein Schiff geentert hatten.

Flotille war vor einem Monat aufgebrochen

Die Flottille, die vor einem Monat von Spanien aus aufgebrochen war, transportierte nach Angaben der Organisatoren eine symbolische Menge an humanitärer Hilfe für Gaza. Einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden von Israel beschuldigt, Verbindungen zur Hamas zu haben.

Wie ein veröffentlichtes Video zeigt, hatte eine Marineleutnantin die Schiffe am späten Mittwochnachmittag über Funk gewarnt, dass sie sich einer Sperrzone nähern. »Wenn Sie Hilfsgüter nach Gaza liefern möchten, können Sie dies über die üblichen Kanäle tun. Bitte ändern Sie Ihren Kurs in Richtung Hafen von Ashdod, wo die Hilfsgüter einer Sicherheitskontrolle unterzogen und anschließend in den Gazastreifen gebracht werden«, sagt sie darin.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

»Der einzige Zweck der Hamas Sumud Flottille ist die Provokation. Israel, Italien, Griechenland und das Lateinische Patriarchat von Jerusalem haben der Flottille angeboten und bieten dies weiterhin an, jegliche ihrer Hilfsgüter friedlich nach Gaza zu bringen«, so das Außenministerium in Jerusalem in einem späteren Post auf X. »Die Flottille lehnte ab, weil ihr nicht an Hilfe, sondern an Provokation gelegen ist.«

Derweil ist bekannt geworden, dass eine weitere Flottille den Gazastreifen ansteuert, um die israelische Seeblockade des Gebiets zu durchbrechen. Die »Freedom Flotilla Coalition« erklärte, das Boot mit Namen »Conscience« habe am Mittwoch mit rund 100 Aktivisten an Bord Italien verlassen. Die Gruppe behauptet, viele von ihnen seien Mitarbeiter des Gesundheitswesens und Journalisten. Die »Conscience« habe sich acht weiteren Booten angeschlossen, die vor knapp einer Woche ebenfalls von Italien losgefahren sind. (mit dpa)

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Verteidigung

Israelisches Startup will »Iron Dome gegen Drohnenschwärme« bauen

Israel hat einen hochmodernen Schutz gegen Raketen, doch Drohnen haben die Kriegsführung grundlegend verändert.

 10.07.2026

Maccabia

Zwischen Medaillen und Menschlichkeit

Für die Schweizer Delegation ist klar, das Spiel ist wichtig, aber neue Freundschaften sind wichtiger

von Nicole Dreyfus  10.07.2026

Opfer der Hamas

Yarden Bibas pflanzt mit Mike Huckabee Baum für seine Familie

Die Ex-Geisel und der US-Botschafter wollen damit die Erinnerung an Kfir, Ariel und Shiri wachhalten, die von Terroristen ermordet wurden

 10.07.2026

Negev

Netanjahu und Armeechef: Israel ist jederzeit zu neuem Militäreinsatz gegen Iran bereit

»Der Krieg ist nicht vorbei«, sagt der israelische Ministerpräsident. »Neben alten Herausforderungen entstehen ständig neue«

 10.07.2026

Humanitäre Hilfe

Israel weist Berichte über Versorgungsengpässe in Gaza zurück

Einem neuen Bericht zufolge sind seit der Waffenstillstandsvereinbarung vom Oktober 2025 1800 Millionen Tonnen an Lebensmitteln nach Gaza gelangt. Israel sagt, das sei mehr als vor dem Krieg

 09.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  09.07.2026

Dublin

Irland beschließt Einfuhrstopp für Waren aus israelischen Siedlungen

Nach acht Jahren Debatte hat das irische Unterhaus ein Importverbot für Produkte aus israelischen Siedlungen im Westjordanland gebilligt

 09.07.2026