Tel Aviv

Fast zwei Millionen Israelis leben unter der Armutsgrenze

Freiwillige Helfer verteilen in Tel Aviv Essenspakete an ältere Mitbürger. Foto: Copyright (c) Flash 90 2024

Rund zwei Millionen Menschen in Israel, darunter 880.000 Kinder und 150.000 ältere Bürger, lebten 2024 unter der Armutsgrenze. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Nationalen Versicherung (NII) hervor. Israelische Zeitungen wie die »Times of Israel« berichteten.

Damit liegt die Armutsquote bei 21 Prozent der Bevölkerung und ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Besonders besorgniserregend: Fast jedes vierte Kind in Israel wächst in Armut auf, womit das Land nach Costa Rica die zweithöchste Kinderarmutsrate unter den OECD-Staaten aufweist.

Der Bericht zeigt, dass selbst Haushalte mit mindestens einem erwerbstätigen Erwachsenen oft nicht aus der Armut herauskommen. Rund 28 Prozent der Bevölkerung leiden unter Ernährungsunsicherheit, knapp 10 Prozent sogar in schwerem Ausmaß. Fast fünf Prozent der Israelis verzichten mindestens jeden zweiten Tag auf eine warme Mahlzeit, neun Prozent müssen aus finanziellen Gründen auf medizinische Behandlungen verzichten.

Charedim und Araber

Am stärksten betroffen sind die ultraorthodoxen und arabischen Gemeinden. Dort leben 32,8 Prozent beziehungsweise 37,6 Prozent der Haushalte unterhalb der Mindestgrenze. Besonders dramatisch ist die Lage in der ultraorthodoxen Siedlung Modi’in Illit im Westjordanland: 48,2 Prozent der Bewohner gelten als arm.

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Auch Jerusalem, Beit Shemesh, Bnei Brak, Lod und Netanya verzeichnen hohe Armutsquoten. Viele junge Männer in ultraorthodoxen Gemeinden besuchen statt einer Berufsausbildung religiöse Schulen, die zentrale Fächer wie Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften nicht unterrichten – ein Faktor, der den Zugang zu gut bezahlten Jobs erschwert.

Die NII weist zudem auf wachsende Ungleichheit hin: Israel rutschte im Gini-Index der OECD, der Einkommensunterschiede misst, um drei Plätze auf Rang sieben von unten ab. Krisen wie der Krieg in Gaza seit Oktober 2023 und die steigenden Lebenshaltungskosten haben die Armut zusätzlich verschärft, so NII-Generaldirektor Zvika Cohen. Er betont: »Ohne gezielte Investitionen in Kinder, junge Familien und soziale Dienste wird Armut in Israel weiterhin von Generation zu Generation weitergegeben.«

Die stellvertretende NII-Direktorin Nitsa Kisar ergänzte laut »Times of Israel«, dass eine funktionierende soziale Absicherung, bessere Bildung, ausreichende Löhne und Investitionen in Beschäftigung entscheidend seien, um die sozialen Unterschiede zu verringern und die Gesellschaft zu reformieren. im

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