Spionage-Verdacht in Israel

Ex-Premier Bennett im Visier des Iran

Der israelische Politiker Naftali Bennett Foto: imago images/UPI Photo

Sicherheitsbehörden in Israel haben einen Mann festgenommen, der der Spionage für den Iran verdächtigt wird. Dem israelischen Staatsbürger wird vorgeworfen, den ehemaligen Premierminister Naftali Bennett im Auftrag des Regimes in Teheran ausspioniert zu haben. Der Fall sei in einer Gemeinschaftsaktion vom Inlandsgeheimdienst Schin Bet und der israelischen Polizei aufgedeckt worden, teilten die Sicherheitsbehördern mit.

Als Bennett sich öffentlich dazu äußerte, fiel seine Botschaft kurz, aber deutlich aus. »Irans Bemühungen, mir zu schaden, werden mich nicht von meiner Lebensmission abhalten«, machte er klar.

Die Enthüllungen erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem Bennett –israelischer Ministerpräsident von Juni 2021 bis Juni 2022 – ein Comeback plant. Im Jahr 2022 hatte er sich aus der Politik und dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Im April 2025 registrierte er eine neue Partei unter dem vorläufigen Namen »Bennett 2026«. Im Oktober 2026 soll in Israel ein neues Parlament gewählt werden.

Staatsanwaltschaft will Verdächtigen wegen Spionage anklagen

Laut Angaben der Ermittler wurde Anfang des Monats ein 40-jähriger Israeli aus der zentralen Stadt Rischon LeZion verhaftet, nachdem er beim Fotografieren von Bennetts Wohnung in Ra’anana beobachtet worden war. Die Staatsanwaltschaft hat vor, den Verdächtigen in den kommenden Tagen vor dem Bezirksgericht Lod wegen Spionage anzuklagen.

Der Mann soll eine in seinem Auto installierte Kamera benutzt haben, um die Gegend um Bennetts Haus genauestens zu dokumentieren, so der Vorwurf. Zwei Monate lang habe er mit einem iranischen Kontaktmann in Verbindung gestanden. In diesem Zeitraum soll er eine ganze Reihe von Aufträgen für den Iran ausgeführt haben – gegen Bezahlung . Es ist ein Muster, das israelischen Spionageabwehrbeamten immer vertrauter wird.

Die Festnahme erfolgte nur wenige Wochen, nachdem Bennett persönlich Ziel eines separaten, iranisch bezogenen Cyberangriffs geworden war. Hacker drangen damals in seinen Telegram-Account ein und erhielten Zugriff auf persönliche Nachrichten und Kontakte. Sicherheitsexperten beschrieben dies damals als Teil einer »umfassenderen Kampagne des Mullah-Regimes zur Einschüchterung und Informationsbeschaffung über hochrangige Politiker in Israel«.

Geheimdienst: »Das ist keine klassische, von Überzeugung getriebene Spionage. Es geht um Geld, Zwang oder Rücksichtslosigkeit.«

In den vergangenen Jahren sind die Behörden zusehends in Alarmbereitschaft, denn die Zahl israelischer »Normalbürger«, die sich bereit erklären, mit feindlichen Regierungen zusammenzuarbeiten und sich schließlich sogar als iranische Spione entpuppen, ist in den vergangenen Jahren rasant angestiegen.

Seit 2022 habe der Schin Bet mehr als ein Dutzend Fälle aufgedeckt, in denen israelische Staatsbürger, oft ohne jegliche vorherige nachrichtendienstliche Erfahrung, von iranischen Agenten online rekrutiert wurden – alle über das Internet.

Viele von ihnen seien über soziale Medien oder Messenger-Apps kontaktiert und zunächst mit scheinbar »unbedeutenden« Aufgaben betraut worden: dem Fotografieren öffentlicher Gebäude, der Dokumentation militärischer Bewegungen oder der Weitergabe persönlicher Daten von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Zahlungen in der Regel über Kryptowährungen

In einigen Fällen eskalierten die Aufträge mit der Zeit, wobei die iranischen Handler immer höhere Summen für immer sensiblere Informationen geboten hätten. Die Zahlungen erfolgten in der Regel über Kryptowährungen oder seltener über Mittelsmänner im Ausland, was die Aufdeckung erschwerte.

Sicherheitsbeamte geben an, dass die Motive bei den Angeworbenen selten ideologischer Natur seien. »Das ist keine klassische, von Überzeugung getriebene Spionage«, erklärte ein hochrangiger Beamter des Inlandsgeheimdienstes im öffentlich-rechtlichen Sender Kan anonym dazu. »Es geht um Geld, Zwang und manchmal schlichtweg um Rücksichtslosigkeit.«

Dass der Iran Bennett ins Visier nimmt, überrascht israelische Geheimdienstmitarbeiter nicht. Als Ministerpräsident verfolgte er eine harte Linie gegenüber Teheran und unterstützte verdeckte Aktionen zur Eindämmung des iranischen Atomprogramms und des Einflusses des Regimes im Nahen Osten. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt blieb Bennett ein prominenter Kritiker des Iran und eine Symbolfigur des israelischen Sicherheitsapparats.

Zivilisten sollen in Israel iranische Spionagenetzwerke aufbauen

Die Ermittler gaben nicht an, ob die Handlungen des Festgenommenen eine unmittelbare physische Bedrohung für Bennett darstellten, betonten aber, dass die Überwachung des Hauses eines ehemaligen Premierministers mit äußerster Strenge geahndet wird.

»Dies ist kein Einzelfall«, heißt es aus dem Geheimdienst, »sondern ist Teil der laufenden iranischen Bemühungen, mithilfe von Zivilisten, die sich in Sicherheit wiegen, Spionagenetzwerke innerhalb Israels aufzubauen«.

Der jüngste Fall verdeutlicht ein umfassenderes Dilemma, vor dem die israelischen Sicherheitsdienste stehen. Anders als bei traditionellen Spionageoperationen, die auf ausgebildeten Agenten beruhten, ist die Rekrutierung heute kostengünstig, schnell und oft anonym. Soziale Medien würden es den ausländischen Geheimdiensten ermöglichen, ein weites Netz auszuwerfen und finanziell gefährdete oder ideologisch empfängliche Personen leicht zu identifizieren.

Offizielle Stellen betonen, die Menschen müssten verstehen, »dass das Fotografieren oder Weitergeben von Informationen, selbst wenn es harmlos erscheint, schnell zu einer schweren Straftat und einer Bedrohung der nationalen Sicherheit werden kann«.

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