Israel

Ex-Armeechef Eisenkot könnte Netanjahu ablösen

Vorsitzender der neuen Partei »Jaschar«: Gadi Eisenkot Foto: Flash 90

Mehrere Monate vor der Parlamentswahl in Israel zeichnet sich der Ex-Militärchef Gadi Eisenkot als Hauptrivale des amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ab. Eisenkots neue Partei Jaschar (hebräisch für »geradeaus«), die in der politischen Mitte angesiedelt ist, gewinnt in Meinungsumfragen rasant an Popularität und steht demnach an zweiter Stelle nach Netanjahus rechtskonservativer Likud-Partei. 

Spätestens am 27. Oktober muss ein neues Parlament gewählt werden, als wahrscheinlichster Wahltermin gilt aber inzwischen der 20. Oktober. Laut Umfragen könnte es sowohl für Netanjahus Lager als auch die Opposition schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern. 

Eisenkot positioniert sich als Alternative zu Netanjahu

Der 66-jährige Oppositionspolitiker war von 2015 bis 2019 Israels Militärchef, danach ging er in die Politik. Eisenkot, der in Haifa Politikwissenschaften studiert hat, gilt als Kenner der libanesischen Hisbollah-Miliz. 

Der Vater von fünf Kindern wurde in Tiberias im Norden Israels geboren und wuchs in der Küstenstadt Eilat am Roten Meer auf. Seine Eltern stammen aus Marokko. Er gilt als eher bodenständig. Unterstützer Netanjahus machten sich zuletzt über seine angeblich mangelhaften Englischkenntnisse lustig. 

Private Tragödien wecken Sympathie

Im Gaza-Krieg wurden Eisenkots Sohn und zwei seiner Neffen getötet. Diese familiären Tragödien sind in den Augen vieler Israelis auch politisch relevant: Sie stehen im Kontrast zu der Kritik an Netanjahu, dessen Sohn Jair seit Beginn des Krieges im Oktober 2023 im Ausland lebte und nicht in einer Kampfeinheit diente. Eisenkot hat sich auch sehr kritisch über die Bestrebungen zur Befreiung ultraorthodoxer Männer von der allgemeinen Wehrpflicht vonseiten der rechts-religiösen Regierung Netanjahus geäußert. 

Lesen Sie auch

Eisenkot gilt politisch als eher gemäßigt und persönlich als integer. Er hat sich gegen eine israelische Wiederbesiedlung des Gazastreifens ausgesprochen, die Idee einer Zweistaatenlösung aber nach dem 7. Oktober als »irrelevant« bezeichnet. 

Eisenkot hatte sich nach Medienberichten in der Vergangenheit auch gegen einen israelischen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen ausgesprochen. Ein solches Vorgehen sei nur dann denkbar, wenn Israel von Teheran unmittelbar existenziell bedroht werde, sagte er demnach.

22. Makkabiade

Zusammenstehen - mehr denn je

Tausende Athletinnen und Athleten aus aller Welt feiern bei der Eröffnung in Jerusalem jüdische Identität, Sport und Solidarität – gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

»Hab viel Spaß in der Hölle, du Hurensohn!«

Die ehemalige deutsch-israelische Geisel Rom Braslavski reagiert auf die Tötung ihres Peinigers. Ein Moment, der für ihn mehr als Rache ist

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nahost

Hat ein Tadschike für den Iran Ziele in Israel ausgespäht?

Über ein Jobangebot kam ein Tadschike laut Israels Geheimdienst mit einem iranischen Agenten in Kontakt. Er soll für Teheran Orte in Israel ausspioniert und weitere Spione angeworben haben

 02.07.2026

Interview

»Klimaanlagen sind Pflicht«

Keren Agay-Shay erklärt, warum extrem heiße Sommer mehr sind als ein Wetterphänomen – und welche Maßnahmen Leben retten können

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nachrichten

Umwelt, Anerkennung, Bücher

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  02.07.2026

1000 Tage

Tausende Stimmen gegen das Vergessen

Die Hebräische Universität und Edut 710 schaffen ein KI-gestütztes Archiv, das die Zeugnisse des 7. Oktober bewahrt

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

5800 Juden wollen in diesem Sommer Alija machen

Das Interesse, nach Israel überzusiedeln, ist ungebrochen groß: Im Juli und August werden zahlreiche Neubürger erwartet, vor allem aus Frankreich und den USA

 02.07.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Sensationsfund in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  02.07.2026

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  02.07.2026