Nahost

Es brodelt zwischen Israel und dem Libanon

Ein beschädigtes Wohngebäude in Beirut nach einem israelischen Luftangriff auf einen Hisbollah-Führer Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Es brodelt im Norden. Nachdem die israelische Armee (IDF) in den vergangenen Tagen mehrere Terrorstellungen im Süden des Libanon und am Sonntag auch in der Hauptstadt Beirut ins Visier genommen hatte, beschuldigt der libanesische Präsident Joseph Aoun Israel der »Aggression«.

Jerusalem hingegen wirft dem Libanon vor, seinen Verpflichtungen aus dem Waffenstillstandsabkommen vom November 2024 nicht nachzukommen und erklärt, bewaffnete Gruppen, neben der Hisbollah, insbesondere auch die Hamas, operierten weiterhin aus zivilen Gebieten heraus.

Die Hamas versucht, ihre Präsenz im Libanon zu verstärken

Aoun erklärte, Israels Angriff auf die Hisbollah im Stadtteil Dahiyeh am Sonntag sei »ein weiterer Beweis dafür, dass Israel wiederholte Aufforderungen zum Stopp seiner Aggression« ignoriere. Die israelische Armee erklärte, »die Aktionen zielten darauf ab, die Hisbollah daran zu hindern, die Waffenruhe zu brechen und ihre militärische Stärke wieder aufzubauen«, und fügte hinzu, dass auch die Terrorgruppe Hamas versuche, ihre Präsenz im Libanon zu verstärken.

Am Freitag hatte die IDF einen Präzisionsschlag in der Region Froun im Südlibanon gemeldet, bei dem ein Hisbollah-Kämpfer getötet wurde, der beschuldigt wurde, während des gesamten Konflikts Angriffe gegen Israel und die IDF angeordnet zu haben. »Die Handlungen des Terroristen verstießen gegen die Sicherheitsvereinbarungen zwischen den beiden Ländern«, erklärte die Armee und fügte hinzu, »wir werden weiterhin gegen jede Bedrohung für Israel vorgehen.«

Kurz darauf gab die IDF bekannt, dass sie mehrere neu identifizierte Raketenwerfer der Hisbollah auf Militärstützpunkten im Süden zerstört habe. Weitere Luftangriffe im Bekaa-Tal trafen zwei weitere Hisbollah-Stellungen, in denen Terroristen aktiv waren, darunter Einrichtungen zur Waffenlagerung, und zwei weitere Hisbollah-Kämpfer in separaten Vorfällen.

IDF: »Die Handlungen des Terroristen verstießen gegen die Sicherheitsvereinbarungen zwischen den beiden Ländern.«

Am Sonntagnachmittag dann erklärte das libanesische Gesundheitsministerium, bei einem israelischen Angriff auf den Beiruter Stadtteil Dahiyeh seien eine Person getötet und 21 weitere verletzt worden. Kurz darauf bestätigte das Büro des israelischen Premierministers, der Angriff galt dem amtierenden Militärkommandeur der Hisbollah, der die militärische Expansion und Wiederbewaffnung der Gruppe leitete.

Das Hisbollah-Mitglied, das auch als »Nummer zwei« der Schiitenmiliz gilt, ist Haytham Abu Ali Tabatabai. 2016 wurde er vom US-Außenministerium als globaler Terrorist eingestuft.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe den Angriff auf Empfehlung des israelischen Generalstabschefs Eyal Zamir und von Verteidigungsminister Israel Katz angeordnet, hieß es aus dem Amt des Premiers weiter.

Am Freitag hatte der Libanon unter erheblichem Druck aus Washington und in Sorge vor einer möglichen Ausweitung der israelischen Offensive seine Bereitschaft erklärt, die militärischen Kapazitäten der Hisbollah einzuschränken. Die vom Iran finanzierte Terrororganisation ist nach den Kämpfen mit Israel stark geschwächt. Im November 2024 wurde zwischen Israel und dem Libanon ein Waffenstillstand mit klaren Richtlinien vereinbart.

Der libanesische Präsident will gegen die Hisbollah vorgehen

An diesem Tag erklärte der libanesische Präsident Aoun bei einem Besuch im Süden des Landes, wo israelische Truppen weiterhin an fünf Punkten stationiert sind, dass Beirut die »alleinige Kontrolle über Waffen im ganzen Land« zurückerlangen müsse. Er forderte den Überwachungsausschuss des Waffenstillstands auf, sicherzustellen, dass im südlichen Teil des Landes ausschließlich die libanesischen Streitkräfte operieren.

Ein von der Regierung in Beirut unterstützter Plan habe die libanesische Armee mit der Demontage aller Militärstützpunkte der Hisbollah südlich des Litani-Flusses beauftragt, etwa 30 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt. Anschließend solle die Entwaffnungskampagne angeblich auf den Rest des Libanons ausgeweitet werden.

Aoun betonte, dass »die Wiederherstellung der staatlichen Kontrolle über Kriegs- und Friedensentscheidungen unerlässlich und unausweichlich« sei. Er fügte hinzu, Beirut sei bereit, unter US-amerikanischer oder internationaler Schirmherrschaft Verhandlungen aufzunehmen, um ein umfassendes Abkommen zu erzielen, das die grenzüberschreitenden Angriffe beendet.

Am frühen Abend meldeten israelische Medien, Geheimdienstangaben zufolge würde die Hisbollah nach dem Angriff in Beirut möglicherweise von außerhalb des Libanon aus reagieren, anstatt Israel direkt anzugreifen. Nach Einschätzung von Beamten könnte die Terrorgruppe versuchen, Vergeltung zu üben, indem sie Angriffe gegen jüdische Ziele oder Ziele, die mit Israel in Verbindung gebracht werden, an verschiedenen Orten der Welt verübt.

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