Raumfahrt

Erste private Mission zur ISS

Mitglieder der Crew: Larry Connor, Marc Pathy, Michael López-Alegría, Eytan Stibbe (v.l.) Foto: Chris Gunn for Axiom Space

Raumfahrt

Erste private Mission zur ISS

Einzelne Gäste gab es auf der Raumstation häufiger, jetzt kommt eine ganze Crew – unter ihnen Israels Astronaut Eytan Stibbe

von Christina Horsten  07.04.2022 12:50 Uhr

Viermal war der spanisch-amerikanische Astronaut Michael López-Alegría schon im Weltraum. Der bevorstehende fünfte All-Ausflug hat für den früheren Nasa-Astronauten aber eine ganz besondere Bedeutung. »Es fühlt sich an, als wären wir Fahnenträger«, sagte López-Alegría kürzlich bei einer Pressekonferenz.

Am Freitag soll der 63-Jährige als Kommandant die erste rein private Crew zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen, nachdem der Start zuvor bereits mehrfach verschoben worden war. »Ich dachte, dass Nasa-Training würde für mich sicher Routine werden, aber so viel auf der ISS hat sich verändert und den Rest hatte ich vergessen, also musste ich quasi wieder ganz von vorne anfangen.«

cape canaveral Einzelne Weltraum-Touristen hat es auf der ISS schon mehrfach gegeben, bei der sogenannten »Ax-1«-Mission handelt es sich aber um die erste komplett private Crew. Organisiert wird das Ganze vom privaten Raumfahrtunternehmen Axiom in Zusammenarbeit mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa, geflogen wird in einem »Crew Dragon« von Elon Musks Firma SpaceX vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida aus.

Rund eine Woche sollen die vier Axiom-Flieger auf der ISS bleiben. Dort werden sie unter anderem auch auf den deutschen Astronauten Matthias Maurer treffen, der seit November auf der ISS ist und noch bis Ende April bleiben soll.

Für den Flug sollen die Crew-Mitglieder – der US-Unternehmer Larry Connor, der israelische Unternehmer und Pilot Eytan Stibbe und der kanadische Investor Mark Pathy – Medienberichten zufolge jeweils rund 55 Millionen Dollar (etwa 50 Millionen Euro) bezahlt haben. Sie seien »bereit zu fliegen« und fühlten sich alle »wie Kinder im Süßwarenladen«, sagt López-Alegría – betont aber gleichzeitig auch: »Wir sind keine Weltraum-Touristen. Ich denke, der Weltraum-Tourismus hat eine wichtige Rolle, aber darum geht es hier nicht. Das ist definitiv kein Urlaub für meine Crew-Mitglieder.«

experimente Das unterstreicht auch Axiom-Chef Michael Suffredini. »Sie fliegen da nicht hoch, um mit ihren Nasen am Fenster zu kleben. Sie fliegen da hoch, um bedeutende wissenschaftliche Arbeit zu leisten.« 26 Experimente seien geplant, sagt Kathy Lueders, Chefin des bemannten Raumfahrtprogramms der Nasa. »Unsere Crew-Mitglieder sind schon sehr aufgeregt, dass dieses private Astronauten-Team hochkommt.«

Mit privaten Astronauten auf der ISS zusammenzuarbeiten sei eine große Bereicherung, sagt auch der gerade von der Raumstation zurückgekehrte Nasa-Astronaut Mark Vande Hei, der während seiner 355 Tage dort ebenfalls mehrere private Besucher willkommen hieß.

»Wir dachten, es würde eine Herausforderung werden, aber wir waren immer positiv überrascht, und es war eine Freude, diese Menschen an Bord kommen zu sehen, voller Freude bei uns sein zu können. Es war ehrlich gesagt belebend und nicht herausfordernd.« Deswegen denke er auch, dass die Axiom-Mission »glatt laufen« werde, sagte Vande Hei weiter.

zusammenarbeit Die Zusammenarbeit mit Axiom ist wichtig für alle Beteiligten. Das 2016 im texanischen Houston vom früheren Nasa-Manager Suffredini und dem iranisch-amerikanischen Unternehmer Kam Ghaffarian gegründete Unternehmen sieht sich als künftiger bedeutender Mitspieler im Raumfahrtmarkt, plant eine eigene kommerzielle Raumstation und wurde von der Nasa bereits mit dem Bau eines kommerziellen ISS-Moduls beauftragt. »Das ist jetzt die allererste von wahrscheinlich Hunderten Missionen innerhalb des nächsten Jahrzehnts«, tönte Suffredini.

»Es fühlt sich nicht sehr unterschiedlich an, für eine Firma zu fliegen oder für ein Land«, sagt Kommandant López-Alegría. »Unser Fokus ist immer Sicherheit und Erfolg der Mission.« Die »Ax-1«-Mission fällt nun allerdings in eine Zeit extremer Spannungen zwischen Russland und dem Westen angesichts des Ukraine-Kriegs. Die Crew habe nicht in Russland und nicht in Hinblick auf das russische Segment der Raumstation trainiert, sagt López-Alegría – und gibt sich diplomatisch. Man wolle den Betrieb auf der Raumstation auf keinen Fall stören. »Es ist uns sehr bewusst, dass wir Gäste auf der ISS sind.«

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