Israel

Eingeschränkte Einsatzfähigkeit: Armee braucht dringend Geld

Die IDF brauchen unter anderem moderne Panzer. Foto: copyright (c) Flash90 2024

Mehr als zwei Jahre nach Beginn des Krieges in Israel und Gaza schlägt Israels Verteidigungsestablishment Alarm: Ohne eine deutliche Aufstockung des Verteidigungsetats bliebt die Armee (IDF) auf einen möglichen Mehrfrontenkrieg unzureichend vorbereitet.

Nach Informationen von »ynet« warnt die Armeeführung in einem internen Schreiben an das Finanzministerium, dass die aktuellen Bestände, Produktionskapazitäten und logistischen Reserven »nicht ausreichen, um eine längere militärische Konfrontation zu tragen«.

Die Kritik richtet sich insbesondere an die jahrelange Kürzung des Verteidigungshaushalts im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 habe sich die Lage dramatisch verschärft, da sich der Konflikt weit über die ursprünglichen Einsatzszenarien hinaus ausgedehnt habe.

Langfristige Aufbauphase

Statt der geplanten zwei Fronten – Gaza und Libanon – habe sich die Armee inzwischen auf acht Einsatzräume einstellen müssen. Allein zur Nachversorgung seien über 900 fremde Frachtflugzeuge und 150 Transportschiffe eingesetzt worden, überwiegend aus den USA.

Führende Offiziere erklärten laut »ynet«, die IDF müssten dringend vom reinen Wiederauffüllen der Bestände zu einer langfristigen Aufbauphase übergehen. Dazu gehöre die Anschaffung moderner Panzer, Kampfhubschrauber, Präzisionsmunition, Abfangsysteme und weiterer gepanzerter Fahrzeuge.

Lesen Sie auch

»Wir müssen in die nächste Entwicklungsstufe übergehen – in Systeme, die auch künftige Bedrohungen abwehren können. Ein einziger Arrow-3-Abfangkörper kostet rund 2,8 Millionen Euro und braucht Monate bis zur Auslieferung«, sagte ein ranghoher Militär.

Etat überlastet

Doch im Finanzministerium, unter der Leitung von Bezalel Smotrich, stößt dieser Kurs auf Widerstand. Die Beamten argumentieren, der Verteidigungsetat sei bereits durch bestehende Verträge überlastet. Allein für 2026 seien Ausgaben von rund 100 Milliarden Schekel (etwa 28 Milliarden Euro) fest eingeplant – ohne die laufenden Kosten für Gaza-Einsätze und Grenzsicherung. Allein die Aufrechterhaltung der Reservekräfte verschlinge Schätzungen zufolge 20 Milliarden Schekel, also etwa 5,6 Milliarden Euro pro Jahr.

Zudem beobachten israelische Sicherheitsgremien mit Sorge neue Entwicklungen in der Region. Neben der weiterhin angespannten Lage im Libanon und im Gazastreifen bereitet ihnen vor allem die wachsende türkische Präsenz in Syrien Sorgen. Eine sicherheitspolitische Kommission unter Leitung von Prof. Yaakov Nagel warnte, dass Ankara verstärkt auf islamistische Milizen setze, die sich in Grenznähe zu Israel festsetzen könnten.

Die Experten empfahlen außerdem den Bau einer zusätzlichen Grenzbarriere zu Jordanien, um mögliche Instabilität im Nachbarstaat einzudämmen – ein Projekt, das rund fünf Milliarden Schekel, also etwa 1,4 Milliarden Euro kosten könnte.

»Gaza ist brüchig«

Ein hochrangiger Sicherheitsvertreter fasste die Lage so zusammen: »Frieden ist nicht ausgebrochen. Der Iran erholt sich von seinen Verlusten, der Waffenstillstand in Gaza ist brüchig, im Libanon gibt es tägliche Angriffe, die Türkei schaut nach Syrien, die Ostgrenze ist durchlässig und das Westjordanland brodelt.«

Innerhalb des Generalstabs heißt es, die derzeitigen Zusatzmittel reichten bei weitem nicht aus, um die strukturellen Versäumnisse der vergangenen Jahre auszugleichen. »Die Lehren aus dem 7. Oktober betreffen nicht nur diese Nacht. Sie sind das Ergebnis jahrelanger strategischer Fehleinschätzungen. In diese Denkweise dürfen wir nie zurückfallen«, betonte ein General gegenüber »ynet«. im

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Tel Aviv

Deutschlands neuer Botschafter in Israel stellt sich auf Instagram vor

Alexander Graf Lambsdorff übernimmt die deutsche Vertretung in Israel. In einer Videobotschaft betont der frühere Moskau-Botschafter die enge Zusammenarbeit beider Nationen

 24.07.2026

Wissenschaft

Israelische Forscher entdecken einzigartiges Immunsystem bei Seeanemonen

Die beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse langfristig zum Schutz von Korallenriffen beitragen könnten

 24.07.2026

Jerusalem

Likud-Abgeordneter verärgert Netanjahu mit behauptetem Angriff auf Iran

Das Likud-Mitglied Moshe Saada sagte in einem Interview: »Jeder weiß, dass wir kurz vor einem Angriff auf den Iran stehen – vielleicht sogar schon an diesem Wochenende.«

 24.07.2026

Westjordanland

Drei Terrorangriffe binnen 24 Stunden: Ein Israeli getötet, mehrere verletzt

Bei einer Attacke nahe der Gilad Farm wird ein Israeli erschossen. Eines der Opfer eines anderen Terrorangriffs wird schwer verletzt und per Hubscgrauber in ein Krankenhaus gebracht

 24.07.2026

Meinung

Wenn der »Spiegel« mit der Hamas kuschelt

Die Hamas verkündet, einen Nachfolger für Yahya Sinwar gefunden zu haben. Für das große deutsche Nachrichtenmagazin Grund, eine Runde Sympathie und Mitgefühl zu spendieren

von Sophie Albers Ben Chamo  23.07.2026

Nachruf

»Haim Yavin. Hier enden unsere Sendungen«

Der israelische Protestkünstler Shoshke Engelmayer verabschiedet sich von einer TV-Legende seines Landes

 23.07.2026

Naher Osten

Trump: Atom-Deal nur bei saudischer Anerkennung Israels

Washington und Riad stehen kurz vor einem Atomabkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Doch jetzt hat Donald Trump eine neue Bedingung gestellt

 23.07.2026