Rückkehr

Eine Geisel in kritischem Zustand

Ein Militärhubschrauber bringt befreite Geiseln ins Krankenhaus. Foto: Flash90

Nicht alle befreiten Geiseln sind wohlauf. Die 84-jährige Elma Avraham, die am Sonntagabend in kritischem Gesundheitszustand aus der Gefangenschaft in Gaza entlassen wurde, ringt um ihr Leben. Avraham war Teil der dritten Gruppe, die während der anhaltenden Feuerpause in die Freiheit entlassen wurde.

Die behandelnden Ärzte im Soroka-Krankenhaus in Beer Sheva gaben an, dass die Frau derzeit das Bewusstsein verloren habe und beatmet werde. Sie nehmen an, dass ihr fragiler gesundheitlicher Zustand aufgrund fehlender Medikamente für chronische Krankheiten zustande gekommen sei, könnten dies jedoch noch nicht abschließend bestätigen.  

Beim Wiedersehen der Angehörigen mit Maya Regev im selben Krankenhaus hörte man nur Schluchzen. In einem Video, das die Familie veröffentlichte, sah man die 21-Jährige, wie sie völlig von ihren Gefühlen überwältigt wird, auf einem Untersuchungsbett sitzen, als ihre Familie den Raum betritt.

Maya wurde ins Bein geschossen und dann gekidnappt

Schwer vorzustellen, was die junge Frau durchgemacht haben muss. Sie war auf der Nova-Party in der Wüste, als die Mörder kamen und mehr als 350 Menschen auf brutalste Weise ermordeten. Maya wurde ins Bein geschossen und dann gekidnappt. Der Direktor des Soroka-Krankenhauses, Schlomi Kodesh, erklärte, er gehe davon aus, dass die junge Frau vollständig genesen werde.

Nach 51 Tagen wurde sie aus der Gefangenschaft entlassen. Ihr 18-jähriger Bruder und der Freund der beiden, Omer Shem Tov (21), sind noch immer Geiseln der Hamas. Ihre Mutter, Mirit Regev, gab Auskunft über die Gefühlslage der Familie: »Wir sind alle so aufgeregt, dass Maya mit den anderen befreiten Geiseln zu uns zurückgekommen ist. Dies ist eine schwierige Zeit, und wir unternehmen alle nötigen Schritte in verschiedenen Bereichen, um Mayas optimale Anpassungen und ihre medizinische Behandlung zu ermöglichen.«

»Unsere Herzen sind zerrissen. Itay ist noch immer Geisel, und wir kämpfen, damit er und alle anderen nach Hause zurückkehren.«

mirit regev

Nur Stunden nach der Befreiung ihrer Tochter ließ sie wissen, dass man neben der großen Freude gleichzeitig tiefen Schmerz empfinde. »Unsere Herzen sind zerrissen. Itay ist noch immer Geisel, und wir befinden uns an einer Front, um diesen Kampf als Familie zu kämpfen, damit er und alle anderen zu uns nach Hause zurückkehren.«

Währenddessen äußerte sich der katarische Premierminister Scheich Mohammed Bin Abdulrahman Al Thani in der »Financial Times« zu weiteren Freilassungen. Angeblich müsse die Hamas Dutzende von Geiseln, darunter Frauen und Kinder, erst ausfindig machen, weil sie von Zivilisten und Fraktionen im Gazastreifen festgehalten werden. Die Hamas wolle die vorübergehende Waffenpause verlängern, hieß es zudem. Israel hatte zuvor signalisiert, dass man dazu bereit wäre, um weitere Geiseln nach Hause zurückzuholen.

Der Premierminister gab an, dass mehr als 40 Frauen und Kinder festgehalten werden, die nicht in den Händen der Hamas sind. »Wenn sie [die Hamas] zusätzliche Frauen und Kinder bekommen, wird es eine Verlängerung geben.« Er fügte jedoch hinzu, es sei unklar, wie viele Geiseln die Hamas ausfindig machen könne. »Eines der Ziele des Waffenstillstands besteht darin, dass sie Zeit haben, nach den restlichen Vermissten zu suchen«, fügte Al Thani hinzu.

Angaben der Hamas müssen angezweifelt werden

Der Premierminister aus dem Golfstaat betonte zudem, dass das erklärte Vorhaben Israels, die Hamas im Gazastreifen völlig zu zerstören, nicht realistisch sei. Letztendlich werde es nie zu einer endgültigen Zerstörung der Hamas durch die Fortsetzung des Krieges kommen. Dieser werde nur das Narrativ von Extremismus und Radikalisierung befeuern, sagte Al Thani. »Wir brauchen eine politische Lösung, die die Sicherheit des palästinensischen und des israelischen Volkes gewährleistet.«

Die Angaben der Hamas, dass sie nicht wisse, wo die Geiseln sind, müssen stark angezweifelt werden. Denn dasselbe Argument hatte die Terrororganisation bei der Befreiung am Samstag vorgebracht. Unter fadenscheinigen Begründungen wurde – im Widerspruch zur Vereinbarung, dass Kinder und Mütter nicht voneinander getrennt werden dürfen – die 13-jährige Hila Rotem-Shoshani allein nach Israel geschickt. Ihre Mutter Raya blieb in Gaza.  

Die Hamas gab an, sie habe sie nicht ausfindig machen und sich deshalb nicht an den Deal halten können. Doch das Mädchen sagte nach ihrer Freilassung, dass sie noch zwei Tage zuvor mit ihrer Mutter gemeinsam in Geiselhaft war. In einer Aussage von Hila in israelischen Medien heißt es: »Ima war die ganze Zeit in der Gefangenschaft bei mir. Die Hamas trennte uns zwei Tage vor der Freilassung. Ima war in guter Verfassung, wir waren mit Emily [Hand] zusammen. Die Hamas teilte uns mit, dass es einen Waffenstillstand gebe und sie uns gehen ließen.« Doch Hila musste ohne ihre Mutter in die Freiheit gehen.

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