Zoo

Eine Elefantin als Ehrenbürgerin

Bahati wurde 1961 geboren. In Bat Yam brachte sie fünf Junge zur Welt. Insgesamt 52 Nachkommen leben in Zoos in ganz Europa. Foto: Safari Park Ramat Gan

Sie wird nicht mehr mit umziehen. Bahati, die 65 Jahre alte Elefantenkuh des berühmten Safariparks von Ramat Gan, ist tot. Über Jahrzehnte war sie nicht nur eine Attraktion für Generationen israelischer Kinder, sondern die Matriarchin einer ganzen Elefantenfamilie – die legendäre Leitkuh des Parks. Mit Bahatis Tod endet eine Ära. Und fast zeitgleich beginnt die nächste: Der Safaripark soll in den Ariel-Sharon-Park umziehen.

Der »Safari Ramat Gan«, offiziell Zoological Center Tel Aviv-Ramat Gan, gilt als die größte Sammlung wild lebender Tiere in menschlicher Obhut im Nahen Osten. Das rund 250 Hektar große Gelände kombiniert einen Safaripark, durch den die Besucherinnen und Besucher mit dem Pkw hindurchfahren können, mit einem modernen Freiluftzoo. Der Tierpark wurde 1974 eröffnet. Für viele Israelis ist er seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Familienkultur, Ort von Kindergeburtstagen, Picknicks und Ferienbesuchen.

Konstante über Jahrzehnte hinweg

Die Nachricht von Bahatis Tod hat in Israel entsprechend viele berührt. Bahati war mehr als nur ein Tier. Sie wurde zur Konstante über Jahrzehnte hinweg: Manche Eltern, die sie mit ihren Kindern im Zoo besuchten, hatten in jüngeren Jahren selbst vor ihrem Gehege gestanden.
Die aus Tansania stammende afrikanische Elefantenkuh galt als eine der ältesten Elefantinnen weltweit. Sie wurde 1961 geboren und verbrachte außergewöhnlich viele Jahre unter menschlicher Obhut.

Im Laufe ihres Lebens brachte Bahati fünf Junge zur Welt. Sie hinterlässt insgesamt 52 Nachkommen.

Nach ihrer Ankunft in Israel übernahm Bahati besonders nach dem Tod der früheren Leitkuh Atari die Führung in jener für Elefanten typischen matriarchalen Struktur, in der die Erfahrungen der ältesten Tiere die Gruppe tragen. Pfleger beschreiben sie als hochintelligent, sensibel und verspielt. Immer wieder sei sie mit einfachen Dingen glücklich gewesen, »besonders mit alten Reifen, die sie als Beschäftigung und Spielzeug nutzte«.

Im Laufe ihres Lebens brachte Bahati fünf Junge zur Welt. Sie hinterlässt insgesamt 52 Nachkommen – eine außergewöhnliche genetische Linie, die weit über Israel hinaus von Bedeutung ist. Ihr Sohn Yossi war der erste in Israel geborene Elefant überhaupt und entwickelte sich später selbst zu einem der größten und bedeutendsten Zuchtbullen in europäischen Zoos. Bahati sei sowohl »lebendes Symbol« des Parks als auch zentrale Figur des Elefantenzuchtprogramms gewesen, sagte die Leitung des Zoos.

Ihre Pflege galt international als vorbildlich

Auch ihre Pflege galt international als vorbildlich. Mit zunehmendem Alter wurden ihre Haltungsbedingungen gezielt angepasst: weicher Untergrund zum Schutz der Gelenke, speziell zerkleinerte Nahrung, die das Fressen erleichterte, sowie tägliche Bewegungsprogramme zur Stabilisierung ihrer Gesundheit. Ihre Bekanntheit reichte weit über den Tierpark hinaus – die Stadt Ramat Gan erklärte sie offiziell zur »Ehrenbürgerin«.

Am Ende aber konnte selbst intensive Pflege ihr Leiden nicht mehr lindern. Aufgrund massiven Knorpelverschleißes fiel ihr das Laufen zunehmend schwer. Nach sorgfältiger Abwägung entschied der Safaripark sich daher, sie einschläfern zu lassen, »um ihre Würde zu bewahren und ihr weiteres Leid zu ersparen«, wie es seitens der Zoo-Leitung hieß. In der tiermedizinischen Klinik bestätigte sich später, dass ihre Gelenke vollständig verschlissen waren – ein Befund, der die Entscheidung im Nachhinein bekräftigte.

Der Park steht zugleich vor einem historischen Umbruch. Anfang Februar wurde beschlossen, dass der gesamte Komplex umziehen soll. Der neue Standort wird im Ariel-Sharon-Park entstehen, auf dem Gelände der früheren Müllhalde Hiriya, einem der größten Renaturierungsprojekte Israels. Der Staat will umgerechnet etwa 145 Millionen Euro für den Umzug bereitstellen. Trotz des Ortswechsels soll der Park weiterhin unter Verwaltung der Stadt Ramat Gan bleiben.

Auf dem frei werdenden Gelände im Zentrum Israels sollen Tausende Wohnungen gebaut werden. Darüber hinaus sind Gewerbe- und Freizeitflächen geplant. Ramat Gans Bürgermeister Carmel Shama-Hacohen kündigte die »erste KI-geplante Nachbarschaft Israels« an, mit bezahlbarem Wohnraum für junge Familien. Geplant sind außerdem neue Grünflächen, eine Erweiterung des Nationalparks und die Pflanzung von Tausenden zusätzlichen Bäumen.

Ramat Gan soll »größer, innovativer, grüner und jünger« werden

Shama-Hacohen bezeichnete die Vereinbarung als »historischen Schritt«. Ramat Gan werde dadurch »größer, innovativer, grüner und jünger«. Der neue Park soll den Tieren zugleich deutlich offenere und modernere Lebensräume bieten. Umweltministerin Idit Silman sprach von einem »Traum, der Realität wird«, und der Umsetzung einer »nationalen Umweltvision«.

Der Direktor des Ariel-Sharon-Parks, Dan Lichtman, erklärte, der Umzug sei »eine bedeutende Entscheidung«, die Naturschutz, Forschung, Bildung und Tourismus verbinden soll. »Dort, wo früher Müll lag, entsteht heute ein Raum für Leben, Bildung und Naturerfahrung.«

Der Safaripark gilt als der größte seiner Art im Nahen Osten.

Der Safaripark selbst argumentiert seit Jahren, er diene nicht nur dem Freizeitvergnügen, sondern sei vielmehr ein wichtiger Bestandteil des internationalen Artenschutzes. Vor allem Elefanten stehen dabei im Fokus: Zwischen 1964 und 2016 sank die Zahl der afrikanischen Savannenelefanten laut wissenschaftlichen Studien um rund 70 Prozent, vor allem durch Wilderei und den Verlust von Lebensräumen.

Noch wird es Jahre dauern, bis der neue Safaripark eröffnen kann. Planung, Bau und vor allem der Umzug der Tiere gelten als komplexes Mammutprojekt. Bahati jedoch wird diese Reise nicht mehr antreten. Die alte Leitkuh, die Generationen von Israelis begleitet und eine außergewöhnliche Elefantenfamilie geprägt hat, bleibt untrennbar mit dem alten Park von Ramat Gan verbunden – einem Ort, der sich selbst bald verabschieden wird.

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