Jerusalem

Ehemalige Geisel warnt: Die Hamas gibt nicht auf

Eitan Abraham Mor bei seiner Freilassung im Oktober 2025 Foto: picture alliance / REUTERS

Der ehemalige Hamas-Gefangene Eitan Mor hat eindringlich vor einer Unterschätzung der Terrororganisation gewarnt. Bei einer Konferenz im israelischen Parlament schilderte Mor, wie systematisch und vorbereitet die Hamas während seiner zweijährigen Geiselhaft agiert habe – und machte deutlich, dass die Gruppe fest entschlossen sei, weitere Angriffe zu verüben. Die »Jerusalem Post« und andere israelische Medien berichteten.

Mor sprach am Montag bei der Knesset-Veranstaltung »Gaza – der Tag danach«, bei der Politiker des rechten Lagers über Israels künftige Strategie im Gazastreifen diskutierten. Die ehemalige Geisel zeigte sich vor allem vom Ausmaß der militärischen Organisation überrascht, die er während seiner Haft aus nächster Nähe erlebt habe.

»Viele unterschätzen, wie strukturiert die Hamas arbeitet«, sagte Mor. Er berichtete von festen Schichtplänen, Wachwechseln und einem weitverzweigten Tunnelsystem mit tausenden Schächten. Selbst unter Belagerung verfüge die Terrororganisation über Lebensmittelvorräte für etwa ein Jahr. »Der einzige wirkliche Engpass ist Wasser«, erklärte Mor.

»Sinn ihres Lebens«

Besonders alarmierend seien für ihn die Aussagen gewesen, die er von Hamas-Mitgliedern selbst gehört habe. »Sie haben mir offen gesagt: Solange der letzte Israeli nicht verschwunden ist, werden wir weiter entführen«, sagte er. Der Dschihad sei für sie das höchste religiöse Gebot. »Sie sind regelrecht besessen von uns – das ist der Sinn ihres Lebens.«

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Mor schilderte zudem die strikte Disziplin innerhalb der Terrororganisation. Beim Verlegen von Geiseln habe es stets Sicherheitsbesprechungen gegeben. Ein inzwischen getöteter Terrorist habe wiederholt gesagt: »Der erste Fehler ist der letzte Fehler.« Die Hamas verfüge über detaillierte Handbücher zur israelischen Armee und deren Ausrüstung – »bis ins kleinste Detail«.

Am 7. Oktober 2023 arbeitete Mor als Sicherheitskraft auf dem Nova-Musikfestival, als Hamas-Terroristen das Gelände überfielen. Er wurde verschleppt und erst im Oktober 2025 im Rahmen eines von den USA vermittelten Waffenruheabkommens freigelassen.

»Ich konnte es nicht ertragen«

»Ich habe die Gräueltaten an diesem Tag gesehen. Mir war klar, dass es schlimm war – aber das ganze Ausmaß habe ich erst später verstanden«, sagte die ehemalige Geisel. Während der Gefangenschaft habe ihm die Hamas ein Radio gegeben und ihn aufgefordert, Nachrichten ins Englische zu übersetzen. Als Namen ermordeter Freunde und Bekannter genannt worden seien, habe er das Radio ausgeschaltet. »Ich wollte es wissen – aber ich konnte es nicht ertragen.«

Während der Haft lernte Mor Arabisch und hörte in den Tunneln immer wieder Kampfhandlungen. Halt gegeben habe ihm vor allem ein einfacher Gedanke: »Ich habe dafür gebetet, dass der Morgen kommt. Ich wollte die Nacht nicht mehr.«

Die Konferenz in der Knesset befasste sich mit politischen Optionen nach mehr als zwei Jahren Krieg. Justizminister Yariv Levin betonte, Israel werde nicht aufgeben, bis auch die sterblichen Überreste des getöteten Soldaten Ran Givili zurückgebracht worden seien. »Der Ansatz, Terrororganisationen die Kontrolle zu überlassen und sich Ruhe zu erkaufen, ist falsch und zerstörerisch«, sagte Levin und sprach sich für eine vollständige israelische Kontrolle des Gazastreifens aus. im

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