Tel Aviv

»Die Leute weinten, wir umarmten uns«

Israelische Soldaten bergen die sterblichen Überreste von Ran Gvili, der letzten Geisel. Foto: picture alliance / Anadolu

Die Such- und Rettungseinheit der israelischen Armee ist für eine der wichtigsten Aufgaben im Krieg zuständig: die Bergung der auf dem Schlachtfeld gefallenen Soldaten, um sie in Israel zu beerdigen. Am Montagnachmittag hat diese Einheit nun nach langer Suche die sterblichen Überreste von Ran Gvili, der letzten in Gaza verbliebenen Geisel, geborgen. Am Dienstagmorgen berichtete Oberstleutnant V., Kommandeur der Suchgruppe, im Interview mit dem israelischen Sender »Kan« in bewegenden Worten von dieser Mission.

Er erzählte, dass seine Einheit Tage zuvor zum Einsatzort gekommen sei. »Wir bekamen ein sehr großes Gebiet von Hunderten von Metern, das wir absuchen mussten.« Es habe Stille geherrscht, niemand habe gesprochen, nachts sei es eisig kalt gewesen. Hunderte von Leichen seien aus der Erde geborgen worden. »Die Leute wissen, was zu tun ist«, sagte er.

Mittags habe er plötzlich aus der Kommandozentrale mitbekommen, wie eine Ärztin vom Computer aufstand und wie ein Leichenfund nochmals einer gründlichen Untersuchung unterzogen wurde. Dann sah er, wie plötzlich die Hände der Ärztin am Untersuchungsgerät zu zittern begannen.

»Wir haben Rani gefunden.«

»Und plötzlich rollt ihr eine Träne über die Wange. Ich schaue sie an und sehe ein Lächeln.« So beschreibt Oberstleutnant V. den Moment, an dem klar war, dass es sich um die sterblichen Überreste von Ran Gvili handelte. Danach sei der Kommandant zu ihm gekommen und habe ihm gesagt, dass er jetzt die Familie anrufen würde, um ihnen Bescheid zu geben.

Sofort verbreitete sich die Nachricht vor Ort. Fast 150 Soldaten seien aus allen Ecken des Geländes zusammengekommen. »Dann sagte mein Stellvertreter, der die Operation befehligte, zu ihnen: ›Wir haben Rani gefunden.‹«

Lesen Sie auch

»Die Leute weinten, wir umarmten uns.« Sie hätten das Kaddisch gesprochen und ihn in die israelische Flagge gehüllt, berichtete V. »Wir standen einfach da und bewachten ihn.« Und nach einiger Zeit und einer militärischen Zeremonie sei der Leichnam in einem Sarg überführt worden.

»Heiligkeit der Mission«

»Als wir seinem Vater Itzik den Sarg übergaben, schloss sich für uns ein sehr bedeutender Kreis in diesem Krieg«, so der Offizier im Interview. Er sprach von der »Heiligkeit der Mission« und vom Kreis, der »vom ersten Fall um 18 Uhr am 7. Oktober bis zum letzten Fall in Gaza um 15 Uhr mittags« reiche.

Die Kan-Redakteure Assaf Lieberman und Roy Sharon, die das etwa 20-minütige Interview führten, waren sichtlich von den Worten des Offiziers bewegt. Roy Sharon berichtete bereits am Montagnachmittag live, dass Ran Gvili, die letzte Geisel der Hamas, geborgen wurde. »Ein ganzes Land hat 843 Tage lang auf diesen Moment gewartet.« Auch für ihn als gestandenen Militärkorrespondenten sei das ein bewegender Moment gewesen und ein »Privileg«, dann am Morgen danach den Offizier im Interview zu sprechen, der die Such- und Rettungseinheit befehligt.

Auch er habe nun das Gefühl, dass sich ein Kreis geschlossen habe, so Roy Sharon: »Es ist ein Gefühl des Stolzes, Israeli zu sein. Und es ist ein Gefühl des Stolzes auf ein Erbe, das noch viele Jahre bestehen bleiben wird, nämlich, dass niemand zurückgelassen wird.«

Am Abend äußerte sich Oberstleutnant V. auch gegenüber der Jüdischen Allgemeinen. Für ihn und seine Einheit sei es eine heilige Mission gewesen, die sterblichen Überreste aufzufinden, sagte er unserer Zeitung: »Als Rani Gvili in die Schlacht zog, gab er sein Leben für die Verteidigung des Landes.« Solange sein Körper in Gefangenschaft gewesen sei, sei dies eine tiefe Schande – für ihn und für das Volk Israel gewesen, so der Offizier der Reserve. »Uns wurde die Mission anvertraut, seinen Körper nach Hause zu bringen und sowohl seine persönliche Ehre als auch unsere nationale Ehre wiederherzustellen. Für uns ist dies ein Akt der Heiligkeit.« ddk

Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

2007 zerstörte Israel den Atomreaktor Deir ez-Zor. 19 Jahre später bestätigt Atom-Aufseher Rafael Grossi, dass die Anlage atomwaffenfähiges Material hätte produzieren können

 11.09.2026

Rosch Haschana

Israel wächst – doch immer mehr Menschen verlassen das Land

Zum jüdischen Neujahr veröffentlicht das Statistikamt neue Zahlen. Die Geburtenrate ist mehr als doppelt so hoch wie in der OECD

von Sabine Brandes  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026

Neujahr

Hopfen, Malz und Honig

Zu Rosch Haschana können die Israelis nun auch passendes Bier im Supermarkt kaufen. Stilecht in der blau-weißen Dose

von Sabine Brandes  11.09.2026

Tel Aviv

Magen David Adom leistet im Jahr 5786 fast 1,9 Millionen Einsätze

Besonders stark beansprucht wurde auch die Notrufzentrale 101: Mehr als zwei Millionen Anrufe gingen innerhalb eines Jahres ein

 11.09.2026

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 11.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  11.09.2026

Kommentar

Ja, du bist gemeint!

Im Leben gibt es Menschen, die erkennen, was vor sich geht, und andere, die einfach blind den Trends folgen. Warum ich an der Seite meiner jüdischen Freunde stehe

von Boy George  11.09.2026

Tel Aviv

Nach Unfall für tot erklärt - jetzt Mutter von drei Kindern

Eine Mutter in Israel, einst nach einem schweren Verkehrsunfall schon als verstorben gemeldet, bringt im Krankenhaus ihrer Rettung ihr drittes Kind zur Welt – mit Hilfe der eigenen Schwester

 11.09.2026