Gedenken

Die letzte Kerze für die letzte Geisel

Angehörige und Freunde von Ran Gvili entzündeten am Sonntag zusammen die letzte Chanukka-Kerze im Gedenken an die letzte Geisel in der Gewalt der Hamas. Foto: copyright (c) Flash90 2025

In der letzten Chanukka-Nacht, als jüdische Haushalte in ganz Israel und der Diaspora die achte Kerze entzündeten, dachte man auch an die letzte Geisel in Gaza: Ran Gvili, der bei Kämpfen gegen Hamas-Terroristen am 7. Oktober starb. Auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv versammelten sich Hunderte Menschen mit neunarmigen Leuchtern und entzündeten darauf die Kerzen in Erinnerung an den jungen Mann. »Bringt Rani nach Hause«, riefen sie immer wieder.

Chanukka ist ein Fest des Sieges des Lichts über die Dunkelheit, der Beharrlichkeit, des Glaubens und des Wunders. Die Zeremonie am achten Abend war in diesem Jahr voller Symbolik. Vor den Leuchtern standen Familienangehörige anderer Geiseln – inzwischen heimgekehrt – und Fremde, die gekommen waren, um ihre Solidarität zu bekunden. Einige trugen israelische Flaggen, andere hielten Fotos mit Gvilis Porträt.

Familie will nicht aufgeben

Die Menge sprach Gebete, sang Lieder und skandierte den Satz, der seit dem 7. Oktober zur Kernforderung der Demonstranten gehört: »Bis zur letzten Geisel«. Ran Gvilis Mutter Talik erklärte, die Hamas täusche Israel und die USA über den Verbleib der sterblichen Überreste ihres Sohnes. Sie werde nicht aufgeben, bis er in Israel beerdigt wird. »Wir können nicht einfach weitermachen«, sagte sie voller Entschlossenheit. »Wir können nicht zulassen, dass das Leben einfach so weitergeht, solange er nicht zu Hause ist.«

Die Familie Gvili fordert von der Regierung in Jerusalem, den Übergang zum nächsten Schritt im Gaza-Waffenstillstandsplan zu verschieben, bis Ran überführt ist. Israel beharrt darauf, dass die Hamas wisse, wo sich die Leiche in Gaza befindet, und dass die Rückführung der sterblichen Überreste für die vollständige Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens von entscheidender Bedeutung sei. Israelische Beamte haben über diplomatische Kanäle deutlich gemacht, dass ohne die Rückkehr Gvilis die zweite Phase des von den USA vermittelten Waffenstillstands- und Geiselbefreiungsabkommens nicht möglich sein werde.

Gvili ist die letzte Geisel in der Gewalt der Hamas im Gazastreifen. Der 24-Jährige stammte aus der kleinen Stadt Meitar in Südisrael. Obwohl er sich zum Zeitpunkt des Überraschungsangriffs der Hamas von einem Schulterbruch erholte, zog Gvili seine Uniform an und eilte in die Gefahr. Terroristen überfielen am 7. Oktober 2023 südliche Gemeinden in Israel, ermordeten mehr als 1200 Menschen und nahmen 251 Geiseln.

Talik Gvili: »Das Leben kann nicht einfach so weitergehen.«

Während der schweren Kämpfe nahe des Kibbuz Alumim habe Gvili mit Mut gegen Terroristen aus Gaza gekämpft, berichteten Augenzeugen später. Bewohner, die den Angriff überlebten, schreiben ihm, zusammen mit anderen, zu, dass er an diesem Tag Dutzende Leben rettete. Schließlich sei er im Kampf gefallen, seine sterblichen Überreste wurden nach Gaza verschleppt.

Seine Eltern, Talik und Itzik Gvili, schweben seit diesem Tag ständig zwischen Hoffnung und Angst. »Wir sind auf der Zielgeraden und müssen stark sein«, betont seine Mutter. »Für Rani, für uns und für Israel. Denn ohne Rani kann unser Land nicht heilen.«

Gvilis fragen sich, ob die Zeit die Spuren von ihm verwischt hat

Plakate mit dem Foto des freundlich lächelnden Gesicht des Israelis säumen die Straßen von Meitar. Sie erinnern daran, dass das Leid nicht für alle Angehörigen der Geiseln beendet ist. »Liegt er irgendwo in Gaza begraben? Hat die Zeit alle Spuren von ihm verwischt?«, fragen sich die Gvilis ständig.

Seine Schwester, Shira Gvili, ist zur prominentesten Stimme für die Rückführung geworden. Sie reist um die Welt, um Rans Schicksal im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten. »Wir sind die letzte Familie, die in diesem Kampf übrig geblieben ist«, sagt Shira Gvili mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Verzweiflung in der Stimme. »Jeder Tag, der vergeht, ohne dass Rani zurückkehrt, lässt uns tiefer in Panik rutschen. Wenn er immer noch nicht zurück ist, wo ist er dann? Wer weiß, was mit ihm geschieht?«

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026

Tel Aviv

Trump-Satz zu Ran Gvili sorgt für Hoffnung und Empörung

Ran Gvilis Mutter Talik sagt, es müsse endlich gehandelt werden. »Lasst uns das beenden und ihn nach Hause bringen«, fordert sie

 21.01.2026

Jerusalem

Zwei tote Babys und ein Riss in der israelischen Gesellschaft

Der Oberste Gerichtshof stoppt die Obduktionen der ultraorthodoxen Säuglinge nach gewalttätigen Protesten

von Sabine Brandes  21.01.2026

Entscheidung

Noam Bettan startet beim ESC für Israel

Mehrere Länder boykottieren wegen Israels Teilnahme den Eurovision Song Contest 2026. Jetzt wurde entschieden, wer für das Land in diesem Jahr bei dem Musikwettbewerb an den Start geht

von Cindy Riechau  21.01.2026

Meinung

Friedensrat für Gaza oder Kriegsrat gegen Israel?

In Zukunft sollen ausgerechnet die Hamas-Unterstützerstaaten Katar und die Türkei im Friedensrat über den Gazastreifen mitbestimmen dürfen. Für Israel sollte das eine Warnung sein, sich unabhängiger von den USA zu machen

von Daniel Neumann  21.01.2026

Jerusalem

Opposition könnte gemeinsam gegen Netanjahu antreten

Der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot bringt eine gemeinsame Liste mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Naftali Bennett und Oppositionsführer Yair Lapid ins Spiel

 21.01.2026

Jerusalem

Netanjahu nimmt Trumps Einladung zum »Friedensrat« an

Israels Premier hatte sich über die personelle Besetzung eines Aufsichtsgremiums für den Gazastreifen durch das Weiße Haus geärgert. Doch die Einladung zum »Friedensrat« schlägt er nicht ab

 21.01.2026

Knesset

Netanjahu schließt türkische und katarische Truppen in Gaza aus

Der Ministerpräsident räumt ein, es habe mit Washington »eine gewisse Auseinandersetzung« über Gaza gegeben. Die Opposition wirft ihm Versagen vor

 20.01.2026

Jerusalem

Zwei Säuglinge sterben in illegaler ultraorthodoxer Krippe

Erschütternde Zustände in der überfüllten Einrichtung in dem ultraorthodoxen Stadtteil Romema kommen ans Licht

von Sabine Brandes  20.01.2026