Kommentar

Die Proteste im Iran und die blamable Berichterstattung von ARD und ZDF

Anti-Mullah-Proteste am 10. Januar 2026 in Frankfurt Foto: picture alliance / Presse- und Wirtschaftsdienst

Stell Dir vor, in Berlin fällt die Mauer und kaum ein relevantes Medium der Welt berichtet darüber. So in etwa läuft es gerade in Sachen Iran. Seit dem 28. Dezember läuft dort in inzwischen über 100 Städten ein klassischer Volksaufstand. Das Mullah-Regime könnte fallen.

Aber in Deutschland wollen vor allem ARD und ZDF nicht wirklich in die Berichterstattung einsteigen, in Großbritannien ziert sich die BBC. Und nicht weniger verwunderlich: Auch die Bundesregierung kommentiert nur dürr und spitz, was da gerade im Iran passiert. 

Das könnte damit zu tun haben, dass Teilen des Westens – vor allem auf dem linken Spektrum – partout nicht in den Kram passt, dass ein Kronprinz namens Reza Pahlavi die womöglich interessanteste Integrationsfigur für ein Persien nach den Mullahs sein könnte. Ein Adeliger. Einer, der womöglich König eines monarchischen Iran werden könnte. Und vor allem: Der älteste Sohn des Schah von Persien, den die Mullahs 1979 aus dem Land getrieben haben. 

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der Schah war für die deutsche Linke eine regelrechte Hassfigur. Am 2. Juni 1967 besuchte er Berlin. Linke Studentengruppen protestierten dagegen gewalttätig. Die Polizei antwortete ebenfalls mit Gewalt. Der Polizeibeamte Karl-Heinz Kurras – sehr viel später als Stasi-Spitzel enttarnt – erschoss den Studenten Benno Ohnesorg. 

Die Zeiten waren auch sonst unruhig. In der darauf folgenden Woche brach der Sechstagekrieg aus – Ägypten, Jordanien und Syrien überfielen Israel. Alles zusammen, der Studentenprotest, der Hass auf den Schah und der Sechstagekrieg, heizte die Stimmung an. Mit den Tupamaros gründete sich die erste »militante« linke Gruppe, aus der wenig später die Bewegung 2. Juni wurde.

Lesen Sie auch

Die Tupamaros legten eine Bombe am jüdischen Gemeindehaus in Berlin an der Fasanenstraße, die nicht hochging. Auch für den bis heute nicht aufgeklärten Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum an der Reichenbachstraße in München 1970 gelten die Tupamaros als eine der möglichen Tätergruppen. Dabei waren sieben Bewohner des angeschlossenen Altenheims ums Leben gekommen, unter ihnen Holocaust-Überlebende. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen vergangenes Jahr wieder aufgenommen.

Als dann 1979 der Schah gestürzt wurde und die Mullah-Islamisten unter Ayatollah Khomeini übernahmen, da war vor allem der radikale Teil der Linken im Westen und in Deutschland stramm auf Linie. Als gut galt, was als »antikolonialistisch« oder »antiimperialistisch« verbucht werden konnte. Das war für einen Großteil der Linken auch das Mullah-Regime, schon deshalb, weil es sich der Vernichtung Israels verschrieb.

Lesen Sie auch

Bis hinein in die Juso-Hochschulgruppe galt Israel als imperialistische Macht. Etliche ihrer Mitglieder machten später in der Bundesrepublik Karriere – etwa der heutige Bundespräsident und frühere Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD).

Immerhin hat die Linke zur Kenntnis genommen, dass der Protest im Iran ernst zu nehmen ist, und das nicht erst jetzt. Im Jahr 2022 war es schon einmal zu landesweitem Protest gekommen. Die Sittenpolizei hatte die Kurdin Jina Mahsa Amini eingekerkert, weil sie sie gegen das Hidschab-Gesetz verstoßen habe. Sie wurde geschlagen und vermutlich zu Tode geprügelt. Auch da stand Kronprinz Reza Pahlavi schon in den Startlöchern.

Lesen Sie auch

Die drei linken Autoren Dastan Jasim, Pedram Zarai und Ammar Goli versuchten sich daraufhin in einem Text der Rosa-Luxemburg-Stiftung an einer Argumentation, die Schah und Mullahs irgendwie gleichsetzen sollte: »Was Khomeini und Khamenei nämlich 1979 aufbauten, ist in seiner grundsätzlichen institutionellen Form lediglich eine Fortführung eines bestehenden Zentralismus und Autoritarismus in einem islamischen Gewand, das keineswegs in einem diametralen Verhältnis zu einer vermeintlich progressiven monarchistischen Vergangenheit steht.«

Das mochten deutsche Linksintellektuelle vor wenigen Jahren so sehen, aber das iranische Volk sieht es heute offensichtlich anders. Sie rufen »Javid Schah«. Auf den Massenaufmärschen zeigen sie Bilder des Kronprinzen. Seine Stimme, eingespielt übers Internet, ist aus Lautsprechern in iranischen Städten zu hören.

Sie hissen die Flagge mit dem persischen Löwen. Zugleich skandieren sie »Tod dem Diktator« oder »Tod Khamenei«. Das ist mitnichten irgendeine Fortführung von irgendwas, sondern antagonistisch – der maximale Gegensatz. Die Mullahs sollen weg, der Schah soll kommen: Dafür hat die Linke gerade keine Erklärung parat und mit ihr auch nicht die links geprägten Redaktionen. 

Also ziehen sie vor, einstweilen zu schweigen.

Bahnverkehr

Mehr »Regios« für Israel

Auf der gerade eröffneten »Ostroute« sollen bald neue Züge aus Deutschland fahren

von Valentin Suckut  28.07.2026

Jerusalem

Umfrage: Eisenkots Partei bleibt vor Likud

Wie viele Mandate würden »Yashar!« und Likud in der Knesset bekommen?

 28.07.2026

Gazastreifen

Morgens Krankenpfleger, nach Feierabend Terrorist

Sie waren Krankenpfleger, Ärzte und Terroristen: Anhand von Nachrufen des Islamischen Dschihad und der Hamas konnte das Doppelleben von 18 Mitarbeitern des Gesundheitswesens enthüllt werden

 28.07.2026

USA-Besuch

Netanjahu reist zu Gesprächen mit Trump nach Washington

Der israelische Regierungschef soll gegenüber seinen Ministern erklärt haben, die US-Regierung wolle einen Abzug Israels Truppen aus dem Libanon, Syrien und Gaza. »Ich werde Nein sagen«, so der Ministerpräsident

 27.07.2026

Aufruf

Zwei Moscheen im Westjordanland angezündet – Siedler sprühen Parolen auf Moschee

In der Westbank ist es zu einer Serie mutmaßlicher Angriffe radikaler Siedler gekommen. Unterdessen forderten zahlreiche frühere Vertreter von Armee und Geheimdiensten Trump auf, gegenüber Netanjahu das Thema anzusprechen

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Tel Aviv

Deutschlands neuer Botschafter in Israel stellt sich auf Instagram vor

Alexander Graf Lambsdorff übernimmt die deutsche Vertretung in Israel. In einer Videobotschaft betont der frühere Moskau-Botschafter die enge Zusammenarbeit beider Nationen

 24.07.2026