Krakau

»Das sind alles Linke«: Rabbiner soll Opfer des 7. Oktober »hassen«

Rabbiner-Treffen in Berlin 2016 (Archivfoto) Foto: IMAGO/Berlinfoto

Empörung über einen Rabbiner: Yirmiya Menachem Cohen, Vorstandsmitglied des Europäischen Rabbinischen Zentrums (RCE) und Vorsitzender des Pariser Beit Din, soll sich abfällig über die Geiseln in Gaza und die Opfer des Terrorangriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023 geäußert und sich geweigert haben, Gebete für sie zu sprechen.

Als Grund nannte Cohen laut einem aufgezeichneten Gespräch am Rande einer RCE-Tagung in Krakau die politische Ausrichtung der Opfer. »Wenn sie zu Meretz gehören, werde ich nicht für sie beten«, sagte er. »Sie haben beim Nova-Festival getanzt? Dann haben sie bekommen, was sie verdienen. Es gibt einen Richter und es gibt ein Urteil.« Meretz ist eine linksgerichtete Partei in Israel. Cohen weiter: »Schauen Sie sich die Bilder aus Lod und vom Flughafen Ben-Gurion an – das sind alles Linke. Die haben das Land zerstört. Ich hasse sie.«

Weiter sagte er Berichten zufolge, dass die auf der Rabbinertagung rezitierten Gebete gälten »nur den Soldaten, nicht den Geiseln«. Auf die Aufforderung, seine Äußerungen zurückzunehmen oder zu relativieren, habe der Rabbiner geantwortet: »Ich werde meine Meinung nicht ändern. Diese Meretz-Anhänger haben unser Land zerstört.«

Ein Sprecher des RCE sagte der »Jerusalem Post«: »Letzte Woche haben wir eine Delegation mit Hunderten von europäischen Rabbinern in Polen angeführt und ein emotionales Gebet für die Freilassung der Geiseln abgehalten. Rabbi Cohen nahm ebenfalls teil und betonte die Bedeutung dieser Gebete. Diese Aufzeichnung gibt nicht die Ansichten der RCE wieder. Da sie in einem privaten Gespräch entstanden ist, behalten wir uns das Recht vor, darauf zu reagieren. Wir mischen uns nicht in private Meinungen oder Diskussionen hinter verschlossenen Türen ein. Als Organisation halten wir stolz an dem Gebet für die Rückkehr aller Geiseln fest und werden dies auch weiterhin tun.«

Das RCE wird von Rabbiner Menachem Margolin geleitet. Eigenen Angaben zufolge unterstützt der Verband die Arbeit von mehr als 1000 Rabbinern. Er steht der Chabad-Lubawitsch-Bewegung nahe.

Goldschmidt: Aussagen sind »zutiefst beunruhigend«

Rabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der in München ansässigen Europäischen Rabbinerkonferenz (CER), die ebenfalls orthodoxe Rabbiner in ganz Europa als Mitglieder vereint, verurteilte Cohens Äußerungen scharf. Seine Weigerung, für die Geiseln zu beten, nur weil sie einer bestimmten politischen Gruppierung angehörten und sich an diesem schrecklichen Tag an einem bestimmten Ort befunden hätten, nannte er »zutiefst beunruhigend«. Das entspreche nicht den Werten des Judentums.

»Unser Glaube verlangt Mitgefühl, Solidarität und gegenseitige Verantwortung. Gebete für Kranke und Gefangene müssen ohne Diskriminierung gesprochen werden. Solche unüberlegten Äußerungen könnten antijüdische Ressentiments sowohl innerhalb als auch außerhalb unserer Gemeinschaften schüren. Ich fordere Rabbi Cohen auf, seine Äußerungen unverzüglich zurückzunehmen, und erwarte von der RCE, dass sie diese Position unmissverständlich zurückweist«, so der CER-Präsident in einer Erklärung. mth

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