Krieg

Das sagt der Iran zum Trump-Ultimatum

Der Persische Golf, die Straße von Hormus und der Golf von Oman in einer Satellitenaufnahme Foto: picture alliance / dpa

Mit einem Ultimatum von US-Präsident Donald Trump an den Iran droht eine weitere Ausweitung des Krieges am Persischen Golf. Sofern der Iran nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig öffne, würden die USA Irans Kraftwerke angreifen und zerstören, »beginnend mit dem größten!«, kündigte Trump in der Nacht zum Sonntag mitteleuropäischer Zeit an.

Der Iran konterte: Sollte die Kraftstoff- und Energieinfrastruktur des Irans angegriffen werden, werde das iranische Militär alle Energieinfrastrukturen und Entsalzungsanlagen mit Verbindungen zu den USA in der gesamten Golfregion ins Visier nehmen, zitierte die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars einen Sprecher.

Konflikt um Hormus bedroht Weltwirtschaft

Damit droht der vor drei Wochen von den USA und Israel begonnene Krieg zu eskalieren - mit unabsehbaren Folgen für die Region und die Weltwirtschaft. Schon jetzt hat der Konflikt um die Straße von Hormus enorme Auswirkungen auf die globalen Märkte.

Die Straße von Hormus ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren und gilt als eine der wichtigsten Routen der Seefahrt weltweit. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wird durch die Passage transportiert. Der größte Teil davon geht in Richtung China, Indien und in andere asiatische Länder. Auch etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels läuft durch die Meerenge.

Teheran hat infolge der amerikanisch-israelischen Angriffe im Iran mehrfach gedroht, dort Schiffe anzugreifen. Der Schiffsverkehr ist praktisch zum Erliegen gekommen. Die Menschen in Deutschland spüren die Auswirkungen unter anderem beim Tanken, weil die Preise für Benzin und Diesel stark gestiegen sind. Experten vermuten, dass auch Lebensmittel teurer werden könnten.

Bedrohung für Europa durch iranische Raketen?

Nach dem iranischen Raketenangriff auf den US-britischen Stützpunkt Diego Garcia drängte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu weitere Länder dazu, sich dem Kampf gegen den Iran anzuschließen. »Welchen weiteren Beweis brauchen Sie noch, dass dieses Regime, das die ganze Welt bedroht, gestoppt werden muss?«, fragte er bei einem Besuch in der israelischen Wüstenstadt Arad. Es sei an der Zeit, »dass die Staats- und Regierungschefs der übrigen Länder sich anschließen«, sagte Netanjahu, ohne dabei konkrete Staaten zu nennen.

Der Stützpunkt Diego Garcia liegt rund 4.000 Kilometer südöstlich der iranischen Küste – und damit etwa doppelt so weit entfernt, wie die bislang offiziell bestätigte Reichweite des iranischen Raketenarsenals. Die beiden Raketen trafen laut US-Medien die Basis nicht. Demnach versagte eine während des Fluges und eine wurde abgefangen. 

Iranische Mittelstreckenraketen könnten mit so einer Reichweite theoretisch auch Städte in Deutschland und anderen europäischen Ländern erreichen.

Der Sicherheitsexperte Carlo Masala verwies bei »Bild« darauf, dass Deutschland als Konsequenz aus dem Ukraine-Krieg das Raketenabwehrsystem Arrow 3 von Israel gekauft hat. Dieses sei genau dafür da, solche Raketen zu bekämpfen. Die Bundeswehr hatte im Dezember den ersten von drei geplanten Standorten in Betrieb genommen.

Angriffe auf Israel mit Streumunition - mehr als 100 Verletzte

In Israel kam es derweil zu neuen Raketenangriffen. Bei einem iranischen Angriff auf die Küstenmetropole Tel Aviv wurden nach Angaben von Sanitätern 15 Menschen verletzt. Ein Armeesprecher teilte mit, der Iran habe erneut Streumunition eingesetzt. Eine Rakete mit Streumunition zerbricht häufig über dem Ziel in der Luft und verteilt dann Submunitionen, auch Bomblets genannt, über einem großen Gebiet.

Am Wochenende wurden außerdem mehr als 100 Menschen bei iranischen Raketenangriffen auf die beiden südlichen israelischen Wüstenstädte Dimona und Arad verletzt, Dutzende davon schwer. Auch die iranischen Angriffe auf Golfstaaten gingen weiter. 

Im Iran gab es wie üblich nur wenige Informationen über konkrete amerikanisch-israelische Angriffe gegen das Land. Nach offiziellen Angaben sind seit Kriegsbeginn Ende Februar mehr als 1.500 Menschen getötet worden. 21.000 weitere Menschen seien verletzt, meldete der Staatssender Irib unter Berufung auf das Gesundheitsministerium.

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Trump: Haben Iran »von der Landkarte gefegt«

Trump verteidigte seine bisherige Kriegsbilanz. In Reaktion auf eine Analyse des »New York Times«-Autors David Sanger, wonach der US-Präsident viele seiner eigenen Kriegsziele bislang nicht erreicht habe, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social trotzig zurück: »Doch, das habe ich, und Wochen früher als geplant!« Die USA hätten den Iran »von der Landkarte gefegt.« Das Land habe keine Führung mehr, die Marine und Luftwaffe seien vernichtet.

Der Iran wolle einen Deal abschließen, bekräftigte Trump. »Ich will das nicht! Wir sind Wochen vor dem Zeitplan«, schrieb der US-Präsident weiter. Er hatte zuvor mitgeteilt, er erwäge, die Angriffe im Iran zurückzufahren. Zugleich schicken die USA aber Medienberichten zufolge Tausende weitere Soldaten in die Region.

Der Iran zeigt sich weiter kämpferisch. Nach Angaben der staatlichen Rundfunkagentur Iribnews erklärte der Geheimdienst der Revolutionsgarden, man habe die »verwundbaren Punkte des Feindes« analysiert und bereite eine neue Angriffswelle »mit neuen Strategien und moderneren Systemen« vor. dpa

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