Ein nächtlicher Polizeieinsatz in einer Höhle am Osthang des Scopusberges hat nicht nur Kriminelle, sondern auch ein Stück 2000 Jahre alte Geschichte zutage gefördert. Die Israelische Altertumsbehörde (IAA) entdeckte bei der Festnahme einer Bande von Altertümerräubern eine komplette Werkstatt für Steinwerkzeuge aus der Zeit des Zweiten Tempels.
Verdächtige Aktivitäten am Ras-Tamim-Altertümergelände hatten bereits seit einigen Tagen die Aufmerksamkeit der Diebstahlpräventionseinheit der IAA geweckt. Also legten sich die Beamten nachts mit versteckten Kameras auf die Lauer und warteten. Es dauerte nicht lange, und sie konnten fünf Männer auf frischer Tat ertappen. Einige der Täter waren direkt in der Höhle tätig, andere standen »Schmiere«.
Ein archäologischer Schatz
Neben einem Generator, Metallsonden und anderen Werkzeugen fanden die Beamten heraus, dass das, was die Bande freilegen wollte, ein archäologischer Schatz war.
Im Untergrund stießen sie auf Hunderte Fragmente steinerner Gefäße, auf Produktionsabfälle und unfertige Stücke. Eitan Klein, stellvertretender Direktor der Diebstahlprävention, erklärte: »Solche Werkstätten sind in den judäischen Hügeln bekannt, aber diese hier vervollständigen endlich ein umfassendes Gesamtbild: Gräber, Wasserbecken, Mikwen, und das alles direkt an der Pilgerstraße nach Jerusalem.«
Offenbar wurden die steinernen Gefäße damals nicht nur von Einheimischen in der Gegend genutzt, sondern begleiteten Pilger aus der Region ans Tote Meer, nach Jericho und Transjordanien.
»Es ist erstaunlich, dass wir nach all den Jahrhunderten noch immer so viel Einblick ins tägliche Leben der Menschen von damals gewinnen können«, so Klein weiter. »Jeder Stein, jedes Gefäß erzählt eine Geschichte – und es ist unsere Aufgabe, diese zu bewahren.«
Die entdeckten Gefäße sind nun Teil der Ausstellung Criminal Past (Kriminelle Vergangenheit) im nationalen Campus für Archäologie in Jerusalem. Dort können Besucher einen Blick hinter die Kulissen der Arbeit der »Altertümerpolizei« werfen.