Gesundheit

»100 Milliliter reichen schon«

Rachel Amir Foto: privat

Frau Amir, der Granatapfel hat für Rosch Haschana eine wichtige Bedeutung. Was macht ihn als Frucht so besonders?
Ein Winzer der Rimon-Kellerei, die Wein aus Granatäpfeln herstellt, sagte einmal: »Gott hat uns gezeigt, dass der Granatapfel der König der Früchte ist, und hat ihm eine Krone aufgesetzt.« Und es stimmt tatsächlich: Der Granatapfel, hebräisch Rimon, hat eine umfassende vorbeugende und gesundheitsfördernde Wirkung bei fast jeder Erkrankung, die es in der Fachliteratur gibt, von chronischen Entzündungen über Arteriosklerose und Bluthochdruck bis zu verschiedenen Arten von Krebs. Und hierbei geht es um wissenschaftliche Forschung, keine Quacksalberei.

Gibt es Belege für die Wirksamkeit?
Es gibt sehr viele Studien. Eine Untersuchung mit Hunderten von Teilnehmern mit Arteriosklerose zum Beispiel zeigte, dass ein Glas Granatapfelsaft am Tag nicht nur verhindert, dass die Krankheit weiter fortschreitet. Bei mehr als 70 Prozent der Fälle verschwanden die Ablagerungen aus den Arterien sogar.

Wie viel Granatapfelsaft muss man dafür trinken?
Etwa 100 Milliliter am Tag reichen schon aus. Wichtig ist aber, dass man den Saft zum Essen zu sich nimmt.

Welcher Bestandteil des Granatapfels ist besonders wirksam?
Rimonim sind voller Vitamine, Mineralien und sekundärer Pflanzenstoffe wie Polyphenole und Flavonoide, die Herzgefäße vor dem schädlichen LDL-Cholesterin schützen. Die Früchte sind zudem außergewöhnlich reich an bioaktiven Verbindungen, die stark antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen, vor allem durch das Punicalagin, das sich in der Schale befindet.

Aber die Schale ist nicht essbar. Oder doch?
Sie ist tatsächlich ungenießbar. Damit man an das Punicalagin herankommt, schneidet man den Granatapfel in zwei Hälften und presst ihn so aus, dass die Schale bricht. Auf diese Weise werden die guten Wirkstoffe freigesetzt und fließen in den Saft, der aus den Kernen kommt. Wenn man das Glas einige Minuten stehen lässt und sich unten eine gelbliche Substanz absetzt, hat man alles richtig gemacht, denn das ist das begehrte Punicalagin.

Aber was tun, wenn man den Granatapfel nicht immer frisch kaufen kann?
Ich habe mehr als ein Dutzend Säfte aus verschiedenen Ländern untersucht. Leider war in keinem Punicalagin enthalten. Wenn also Granatapfel-Saison ist, sollte man sich einen Vorrat von ungefiltertem Saft anlegen. Der lässt sich wunderbar einfrieren und hält sich mehr als ein Jahr lang. Es lohnt sich auf jeden Fall für die Gesundheit. Vielleicht braucht man dann allerdings einen größeren Gefrierschrank.

Mit der Botanikerin und Expertin für Granatäpfel am Tel-Hai-College im Norden Israels sprach Sabine Brandes.

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