Köln

Oberbürgermeisterin lädt Rabbiner ins Rathaus ein

Rabbiner Yechiel Brukner Foto: Constantin Graf Hoensbroech

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat die antisemitischen Anfeindungen gegen den Kölner Rabbiner Yechiel Brukner aufs Schärfste verurteilt. »Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus haben in unserer Stadt keinen Platz«, sagte Reker. Den Rabbiner hat sie nach eigenen Worten zu einem Gedankenaustausch ins Rathaus eingeladen, um gemeinsam zu erörtern, auf welche Weise Köln ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen kann.

Die Geschehnisse – die Jüdische Gemeinde hatte von öffentlichen Anfeindungen in Bus und Bahn gegen Brukner berichtet – wie auch ähnliche Erfahrungen anderer Juden zeigten, dass es auch in Köln massive antisemitische Strömungen gebe, denen gemeinsam entgegengetreten werden müsse, erklärte die Oberbürgermeisterin. Sie wolle allen Einwohnern Kölns sowie Zugewanderten deutlich machen, dass Respekt vor Andersgläubigen und Toleranz gegenüber Andersdenkenden die einzigen Wege eines friedlichen Miteinanders seien.

SOLIDARITÄT Der Kölner Gemeinderabbiner Yechiel Brukner bedankte sich für die Unterstützung der Oberbürgermeisterin und die Solidarität aus allen Teilen der Gesellschaft. »Es bewegt mich sehr, dass ich so viele positive Reaktionen und Zuspruch erhalte – aus Köln und auch weit über die Stadtgrenzen hinaus. Dafür bin ich sehr dankbar«, sagte Brukner im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen.

Die Unterstützung zeige ihm, dass offensichtlich viele Menschen bereit seien, sich offen gegen Antisemitismus zu stellen, so Brukner weiter. »In Köln fühle ich mich sehr wohl. Neben den zu beklagenden Erscheinungen, die beachtet und behandelt werden müssen, gibt es viel Positives.« Als Beispiel nannte er die Stolpersteinverlegungen vor den Haupteingängen zweier Kölner Gymnasien und das »unglaubliche Engagement der Schüler zum Thema Erinnerung und Aufarbeitung. Das berührt mich sehr«.

Brukner, der mit seiner Kippa viel in Bahnen und Bussen unterwegs gewesen war, nutzt wegen der Anfeindungen künftig einen Dienstwagen.

ANFEINDUNGEN Die Kölner Synagogen-Gemeinde hatte Anfang der Woche massive verbale Angriffe auf ihren Rabbiner in der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Yechiel Brukner sei in Bussen und Bahnen in Köln antisemitisch beschimpft worden, sagte der Geschäftsführer der Synagogen-Gemeinde, David Klapheck, am Dienstag im Gespräch mit der »Kölnischen Rundschau«.

Zu körperlichen Angriffen sei es bislang nicht gekommen, betonte Klapheck. »Es ging aber so weit, dass ihm vorgehalten wurde, die Juden seien doch selbst schuld an dem Leid, dass sie erfahren haben.«

Die verbalen Angriffe seien aus allen Teilen der Gesellschaft gekommen. Der Rabbiner, der mit seiner Kippa viel in Bahnen und Bussen unterwegs gewesen sei, nutze deshalb künftig einen Dienstwagen.

»Ich bin entsetzt und wütend«, sagt der Vorsitzende der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

REAKTION »Ich bin entsetzt und wütend«, hatte Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, daraufhin in einer ersten Reaktion auf die Angriffe gesagt. »Das ist eine Entwicklung, die ich mir vor zehn Jahren noch nicht hätte vorstellen können.«

Yechiel Brukner ist seit Ende 2018 Gemeinderabbiner in Köln. Zuvor war der studierte Pädagoge, der aus der Schweiz stammt, unter anderem in München tätig.

Die Jüdische Gemeinde Kölns gilt als die älteste nördlich der Alpen. Heute ist sie nach einer langen und wechselvollen Geschichte mit rund 5000 Mitgliedern eine der größten jüdischen Gemeinden Deutschlands.  dpa/ja/uvh

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