München

Maccabi im Herzen

Meter und Sekunden, Punkte, Tore und Platzierungen spielten beim TSV Maccabi einen Tag lang keine Rolle. Ganz im Mittelpunkt stand Michael Bardos, ehemaliger Präsident des Vereins und letztes lebendes Gründungsmitglied. Er wurde am 3. April 90 Jahre alt – und seine vielen Freunde und Weggefährten beim TSV Maccabi feierten ihn, ließen ihn hochleben und wünschten ihm noch lange Gesundheit und Wohlbefinden. »Es war ein wunderschöner Tag«, sagte er hinterher.

Zu den vielen Aufmerksamkeiten, die Michael Bardos an seinem Ehrentag zuteil wurden, gehörte auch ein Trikot des TSV Maccabi mit der Nummer 90. Robby Rajber, der amtierende Präsident des jüdischen Sportvereins, überreichte es und übermittelte damit die Botschaft, dass sein Vorgänger nach wie vor ein Teil des TSV Maccabi ist. Umgekehrt trifft das in gleicher Weise zu. »Maccabi«, erzählt das Geburtstagskind, »bedeutet mir sehr viel. Der Verein hat mein Leben mitgeprägt.«

erfolg Als Michael Bardos Ende der 50er-Jahre in München landete, hatte er seine Heimat Ungarn gerade ein zweites Mal verlassen müssen. So wie er mussten ab 1956 Zehntausende Menschen nach der Niederschlagung des Volksaufstandes und dem Einmarsch der Sowjetarmee aus Ungarn flüchten, um ihr Leben zu retten. Das hatten Michael Bardos und seine Familie gut zehn Jahre vorher, 1944, schon einmal in ähnlicher Weise erlebt. »Von einem Tag auf den anderen, ohne irgendeine Vorankündigung, wurden wir deportiert«, blickt er in jene Zeit zurück, als die Nazis die »Endlösung« im Fall der ungarischen Juden besonders schnell und effizient organisierten.

Nach dem Volksaufstand, nach seiner Flucht und einer Zwischenstation in Wien wurde München seine neue Heimat. »Es ging alles viel einfacher als gedacht. Ich war gelernter Elektriker und fand auch sofort eine gute Beschäftigung«, blickt Michael Bardos auf die vielen Jahre zurück. Der berufliche Erfolg ergänzte auch sein privates Glück: Seine Frau, die er bereits in Ungarn heiratete und die mit ihm nach Deutschland kam, steht bis heute felsenfest an seiner Seite. »Bald werden es 70 Jahre, dass wir verheiratet sind«, rechnet das Geburtstagskind vor.

IKG-Vizepräsident Yehoshua Chmiel, der bei der Feier die Glückwünsche der Gemeinde überbrachte, aber auch selbst sportlich (Basketball) mit Maccabi verbunden ist, sprach noch eine andere Eigenschaft von Michael Bardos’ Ehefrau an. »Ohne ihr großes Verständnis für die vielen geopferten Abende und Wochenenden«, so Chmiel, »hätte ihr Mann für Maccabi nicht in diesem Umfang zur Verfügung stehen können.«

Wünsche Rechtsanwalt Peter Guttmann, seit den 80er-Jahren in vielfältigen Funktionen mit Maccabi verbunden, unter anderem als Präsident in München, aber auch schon als Maccabi-Chef Deutschland, übermittelte seine Geburtstagswünsche denn auch gleich in mehreren Funktionen. »Ich vertrete als Vorstandsmitglied die IKG, gratuliere im Namen von Maccabi und vor allem als Freund«, analysierte er lachend seinen »Party«-Besuch.

Zuvor hatte Peter Guttmann das Geburtstagskind und dessen Familie auch schon zum Schmunzeln gebracht. »Er hat uns zu sich zum Essen eingeladen und uns gesagt, dass wir uns bei Maccabi treffen sollten, weil der Weg zu ihm so schwierig zu finden sei. Er holte uns dann dort ab. Stattdessen standen wir dann plötzlich mitten in einer Geburtstagsgesellschaft«, erzählte der Jubilar von der wohlgemeinten »Trickserei« seines Freundes. Für seine Vorgehensweise hatte Peter Guttmann allerdings auch eine einleuchtende Erklärung bereit. »Anders wäre es nicht gegangen. Er steht nicht so gern im Mittelpunkt«, beschrieb Guttmann seine »Notlage«.

Die Eigenschaft, sich persönlich zurückzunehmen, bescheiden aufzutreten und auch bei notwendigen harten Entscheidungen »a Mentsch« zu bleiben, wie es Guttmann und Chmiel übereinstimmend beschrieben, nennen auch alle anderen Menschen aus dem Umfeld von Michael Bardos als dessen herausstechendes Merkmal. »Er ist ein bescheidener, angenehmer Mensch und hat sich nie in den Vordergrund gedrängt«, sagte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch. Diese Erfahrung teilt sie mit dem langjährigen Geschäftsführer der Gemeinde, Chil Rackowski, der Michael Bardos als Revisor und Mitglied des Ehrengerichts der Gemeinde schätzen gelernt hat.

Weichen Auf dem Vereinsgelände an der Riemer Straße hat sich der TSV Maccabi zu einem pulsierenden Verein mit einem breiten Angebot entwickelt, nicht nur für jüdische Sportler. Doch Michael Bardos spricht nicht gerne über sich und das, was er für Maccabi geleistet hat. Ex-Präsident Guttmann klärte deshalb umso lieber auf: »Er hat in den 80er-Jahren die Weichen für das Vereinsgelände gestellt und ist als Präsident zurückgetreten, um das Projekt auch Wirklichkeit werden zu lassen. Er hat seine persönlichen Interessen hinter die des Vereins gestellt. Das ist ehrenvoll.«

Darüber hinaus bewies Maccabi-Ex- und -Ehrenpräsident Michael Bardos bei der Geburtstagsfeier in eindrucksvoller Weise: Auch mit 90 Jahren kann man noch extrem fit sein!

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