Stuttgart

Gedenkstätte als Filmkulisse

Diskussionsrunde mit Vorstandsmitglied Susanne Jakubowski (3.v.l.) im Kino Cinema Foto: dav

Ist Europa noch zu retten? Oder reißt die dünne Decke der Zivilisation mehr und mehr? Wiederholt sich, was zumindest für viele Menschen in Deutschland »aufgearbeitet« schien?

Um dies zu diskutieren, hatten anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus am 21. März das Haus der Geschichte Baden-Württemberg, »Die Anstifter – Interculturelle Initiativen«, der Stadtjugendring Stuttgart und weitere Kooperationspartner zur Filmpremiere Hotel Auschwitz ins Stuttgarter Kino Cinema eingeladen.

Debüt Hotel Auschwitz, ein Regiedebüt von Cornelius Schwalm, präsentiert Vergangenheitsbewältigung als schwarze Komödie. Der Spielfilm zeigt, wie eine Theatergruppe das Stück Die Ermittlung aufführen will, in dem der Autor Peter Weiss anhand der Aussagen von Angeklagten, Zeugen, Richtern und Verteidigern die Gründe auslotet, die zu Auschwitz führten.

Sie reist in die südpolnische Stadt Oswiecim, um sich im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau dem Sujet von Peter Weiss mental nähern zu können. Der Aufenthalt aber wird für die Theatergruppe zum menschlichen Desaster. Ohne jegliche Läuterung vertritt jeder seine persönlichen Karriereabsichten.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Diskussionsrunde im Anschluss an die Stuttgarter Preview zeigte: Der im dokumentarischen Stil gedrehte Spielfilm verstört das Publikum und spaltet es. Seine beiden Ebenen werden nicht problemfrei wahrgenommen. »Der Titel ist ziemlich gewagt, und ich fühle mich insgesamt überfordert«, sagte Muhterem Aras, Landtagspräsidentin von Baden-Württemberg. Gleichzeitig aber fand Aras »es irre gut gezeigt, zu welchen Kompromissen Menschen fähig wären, um ihr Vorwärtskommen zu beschleunigen«.

Der Spielfilm
verstört das Publikum
und spaltet es.

Susanne Jakubowski, Vorstandsmitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, nahm »widersprüchliche Bilder« wahr. Die Protagonisten, die durch die Reste von Baracken des Lagers Auschwitz laufen, klagen währenddessen über mangelnden Luxus im polnischen Hotel. »Also finde ich den Titel des Filmes passend«, sagte Jakubowski. Widersprüchlich sei jedoch eine Sexszene im Wald gewesen, sagt sie. »Ausgerechnet auf einem Friedhof, denn das war ja der Wald«, so Jakubowski weiter. Ihr Vater habe immer gesagt: »Ganz Europa ist ein Friedhof.«

haus der Geschichte Friedemann Rincke vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg sieht in Hotel Auschwitz einen »unglaublich dichten Streifen«, der logischerweise in eine Diskussion über die politische Gegenwart führe. »Die Stadt Stuttgart hat sich Jahrzehnte gegen ihre eigene Erinnerung gewehrt«, betonte Rincke. Beispielsweise sei das »Hotel Silber«, in der Nazizeit Zentrale der Gestapo, erst kürzlich als Gedenkort eröffnet worden. Rincke zeigte sich »nicht so pessimistisch«, was die politische Situation in Europa betrifft.

Peter Grohmann sprach hingegen von »ratlosen Zeiten«. Grohmann, Mahner, Aufrüttler seit Jahrzehnten, politischer Akteur und Initiator von »Die Anstifter – Interculturelle Initiativen«, sieht »zu viele Mitglieder der Zivilgesellschaft im Tiefschlaf«.

»Wir dürfen nicht schweigen,
wenn Menschen
gedemütigt werden.«Peter Grohmann

Missbrauch Eine Zuschauerin wandte gegen den Film ein, dass Auschwitz als Ort der Handlung missbraucht würde. »Um menschliches Versagen zu zeigen, brauche ich nicht Auschwitz«, betonte sie. Dass Filme wie Hotel Auschwitz aber gerade geeignet seien, Menschen aus dem Tiefschlaf zu holen, davon war ein anderer Zuschauer überzeugt. »Es muss ein Ort wie Auschwitz sein, an dem die vorgeführten Protagonisten scheitern, trotzdem ist es kein gescheiterter Film«, sagte er.

»Die Dimension des Grauens ist weder in der Kunst noch in der intellektuellen Auseinandersetzung zu fassen, wir können uns dem nur nähern«, sagte Katharina Bellena, Schauspielerin und Produzentin. Jeder sei täglich gefordert, faschistoide Züge in der heutigen Gesellschaft wahrzunehmen.

Die Zuschauer und Diskutanten schienen hingegen mit Peter Grohmanns Fazit übereinzustimmen: »Wir dürfen nicht schweigen, wenn Menschen gedemütigt werden.«

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026