Schule

»Bereicherung für München«

Treiben das Projekt »Jüdisches Gymnasium München« voran: die Elternbeiräte Guy Fränkel, Eugen Alter, Elinor Shmueloff und Miriam Geldmacher (v.l.) Foto: Marina Maisel

Erst war es nur eine Vision, dann zeichneten sich sanfte Konturen ab, doch jetzt hat die heiße Planungsphase begonnen. Sobald wie möglich, vielleicht schon im kommenden Jahr, soll in München ein jüdisches Gymnasium unter der Regie der Israelitischen Kultusgemeinde seinen Unterrichtsbetrieb aufnehmen.

Wie weit die Planungen fortgeschritten sind, wie das Bildungskonzept aussieht und welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, erfuhren interessierte Eltern unlängst bei einem Informationsabend im Gemeindezentrum am Jakobsplatz, der auf reges Interesse stieß.

Zustimmung IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, schon seit Langem eine Befürworterin der Erweiterung des IKG-Bildungsangebots, gab bei der Veranstaltung ihre Eindrücke von den Gesprächen im Kultusministerium wieder. »Die enorme Zustimmung, ein jüdisches Gymnasium in München zu etablieren, hat uns großen Ansporn verliehen«, berichtete sie den Eltern.

Ein Grund für die optimistische Einstellung Charlotte Knoblochs dürfte auch in der Person des bayerischen Kultusministers Ludwig Spaenle zu suchen sein, der die Realisierung des Projekts von Herzen ausdrücklich begrüßt. »Ein jüdisches Gymnasium«, betonte der Politiker, »wäre eine große Bereicherung für das schulische und städtische Leben in München – und auch ein Zeichen für die Vitalität des Judentums in der Stadt.«

In diesem Zusammenhang sprach Charlotte Knobloch dem Elternbeirat der Sinai-Schule ein ganz besonders großes Kompliment aus. Der Beirat hatte ein Konzept für das Gymnasium entworfen und die Planungen und Vorbereitungen zielstrebig vorangetrieben. »Ohne den Elternbeirat«, sagte sie, »würden wir heute nicht hier sitzen.«

Hebräisch Das pädagogische Konzept des Gymnasiums erläuterte Miriam Geldmacher. Ihren Worten zufolge wird es ein achtjähriges Gymnasium (G8) mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Ausrichtung und mit einem erkennbaren jüdischen Profil. Die Sprachenfolge Englisch und Französisch sei ministeriell vorgeschrieben, aber ab der fünften Jahrgangsstufe werde auch noch Hebräisch als dritte Fremdsprache angeboten. Dies sei zwar ein Pflichtfach, erklärte Miriam Geldmacher, aber kein Vorrückfach.

Entschieden habe man sich auch für eine gebundene Ganztagsschule. »Wir halten dieses Konzept für sinnvoll, weil wir hier rhythmisieren können, weil wir Phasen des Lernens mit Phasen des Übens, des Vertiefens, des Spielens und auch der Freizeit abwechseln können«, brachte Miriam Geldmacher den Eltern die Details näher. Schulbetrieb sei von acht bis 16 Uhr.

Das Unterrichtskonzept setzt laut Miriam Geldmacher auf Doppelstunden und ein »Team-Teaching-Konzept«: Fach- und Differenzierungslehrer unterrichten gemeinsam. Das würde eine bessere individuelle Förderung ermöglichen, sowohl für leistungsschwächere als auch für besonders starke Schüler. Analog zur Sinai-Schule soll das jüdische Profil des Gymnasiums mit dem Fach Jüdische Literatur und Geschichte geschärft werden und engen Kontakt zu den Lehrstühlen Jüdische Geschichte und Kultur sowie dem Fach Israelstudien der Ludwig-Maximilians-Universität München halten. Zudem wird auch eine enge Kooperation mit der Technischen Universität in pädagogischen Bereichen angestrebt.

Niveau Bis zur staatlichen Anerkennung des Gymnasiums werden aber noch etliche Jahre ins Land gehen. Erst wenn zwei Abiturjahrgänge die bis dahin externen Prüfungen zu jeweils zwei Dritteln der Schüler erfolgreich bestehen konnten, ist die staatliche Anerkennung möglich. Nicht nur Charlotte Knobloch ist davon überzeugt, dass dies ein durchaus erreichbares Ziel ist. »Die Sinai-Schule erreicht bereits ein sehr hohes Niveau. Das wollen wir auch im Gymnasium fortsetzen.«

Den jüdischen Charakter des geplanten Gymnasiums beschrieb bei der Elternversammlung Elinor Shmueloff. Als Konfessionsschule orientiere man sich an den Werten des jüdischen Glaubens, Lebens und der Kultur. Dementsprechend gebe es ausschließlich jüdische Religionslehrer, das Fach Ethik ist wie an anderen staatlich anerkannten Privatgymnasien nicht vorgesehen. Wie in der Sinai-Schule könnten auch nichtjüdische Schüler das Gymnasium besuchen. »Das Gymnasium versteht sich als Mittler zwischen den Religionen und Kulturen«, sagte Shmueloff.

Eugen Alter freute sich aus einem ganz besonderen Grund darüber, dass das Gymnasium in das Gemeindehaus in der Reichenbachstraße einziehen wird. »Es dürfte nicht so viele Schulen geben, bei denen die Synagoge im Hof steht.« Ansonsten sei das Haus mit seinen mehr als 1200 Quadratmetern groß genug, um das Gymnasium zu beherbergen. Ein kleines, aber verschmerzbares Manko sei der Umstand, dass dort keine Sporthalle untergebracht werden könne. Zum Glück, erklärte Alter, sei die Sporthalle im Gemeindezentrum am Jakobsplatz nur wenige Gehminuten entfernt und könnte mitbenutzt werden.

Hürde Neben der Sicherheit, die durch das IKG-Security-Team gewährleistet werde, sei auch das koschere Essen leicht organisierbar, erklärte Elternbeirat Alter. Zu Beginn sollen die koscheren Gerichte vom Restaurant Einstein geliefert werden, später sei an eine eigene Küche gedacht.

Zunächst aber müsse noch eine andere Hürde überwunden werden, betonte Elinor Shmueloff. »Das notwendige Genehmigungsverfahren, um die Schule zu gründen, muss bald starten, noch in diesem Jahr. Dann müssen die Mietverträge unterschrieben werden, danach ist der Umbau fällig, um die Räumlichkeiten schulfähig zu machen.«

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