Tipp

Jabotinsky, wer?

Das Meer rauscht, die Sicht ist vernebelt, es ist kalt und von der Decke tropft Wasser. Wenn jetzt noch der Boden wackeln würde, hätte man das Gefühl, auf einem echten Schiff zu sein. Dabei stehen die großen Gepäckkisten mit Aufklebern von New York und Paris im oberen Stockwerk des Jabotinsky-Hauses in der King George Straße im Herzen von Tel Aviv.

Das Meeresrauschen kommt vom Band, der Nebel ist künstlich, und die Klimanalage auf gefühlte 12 Grad eingestellt. Dieses alle Sinne ansprechende Erlebnis ist ein Film über die sogenannte Alija Bet, die zweite Einwanderung, mit der ab 1934 etwa 30 Schiffe und 20.000 Immigranten nach Israel gebracht wurden. Sie alle folgten der Rettungsaktion »The National Sport« des Schriftstellers und Zionisten Wladimir Ze’ev Jabotinsky.

Werte Seine Vision von einem israelischen Staat hatte der 1880 in Odessa geborene Sohn einer bürgerlichen Familie um die Jahrhundertwende in Italien entwickelt. Er träumte von einem Staat beiderseits des Jordans, mit jüdischen Werten, Gleichheit und Hebräisch als gemeinsame Sprache.

Um diese Vorstellung Jabotinskys zu vermitteln, besuchen regelmäßig Schulklassen die Ausstellung über das Leben des Journalisten und späteren Irgun-Oberkommandeurs. »Die Jugendlichen von heute wissen zwar, wer Justin Bieber ist, aber kennen Jabotinsky nicht«, sagtYossi Ahimeir, Generaldirektor des Jabotinsky Instituts. Um das zu ändern, bemühe sich die Einrichtung, das Programm so attraktiv wie möglich zu gestalten. Auch das Archiv, das überwiegend von Studenten und Wissenschaftlern genutz wird, ist laut Ahimeir gut besucht. Zudem wird alle vier Monate eine Institutszeitung publiziert.

Für die meisten Studenten, die sich durch alte Bücher oder Zeitungen wühlen, liegt der eigentliche Besuch des Jabotinsky-Hauses allerdings schon eine Weile zurück. Nur schemenhaft erinnern sie sich noch an den Schulausflug, bei dem es gleich danach eher ins nahegelegene Dizengoff-Center zum Shoppen ging als in die Bibliothek, um noch mehr über Jabotinsly zu erfahren.

Wer seine Erinnerung ein wenig auffrischen möchte, kann das entwerder bei einem Besuch der Ausstellung oder der Homepage tun:

Jabotinsky-Haus
King George Street 38
Tel: 00972 - 3- 528 73 20
Geöffnet: Sonntag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr

www.jabotinsky.org

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