Düsseldorf

Zwei Familien, eine Freundschaft

Ruthi und Herbert Rubinstein Foto: Stephan Pramme

Düsseldorf

Zwei Familien, eine Freundschaft

Die Rubinsteins und die Spiegels erlebten wichtige Momente gemeinsam. Erinnerungen an einen Freund

von Herbert Rubinstein  29.04.2026 12:34 Uhr

Nach dem jüdischen Kalender starb Paul am 2. Ijar 5766, in diesem Jahr der 19. April, ein Sonntag.

Josef Schuster würdigte Paul als einen seiner Vorgänger als Präsident des Zentralrats mit sehr persönlichen Worten, und der Besuch des Direktoriums und Präsidiums des Zentralrats an diesem 19. April in Düsseldorf an seinem Grab bewies die langjährige Verbundenheit vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit diesem ganz besonderen Menschen. Auch zahlreiche Wegbegleiter aus der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf nahmen am Gedenken teil.

Am Nachmittag hatte die Mahn- und Gedenkstätte unter Leitung von Bastian Fleermann und in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde und dem Landesverband Nordrhein im Beatrice-Strauss-Zentrum am Marktplatz gegenüber dem Düsseldorfer Rathaus eine »Zeitreise Gedenkveranstaltung« ausgerichtet, an der mehr als 100 Freunde, Bekannte und Vertreter der Stadt, der Religionen und Institute sowie Gisèle Spiegel, die beiden Töchter Dina und Leonie, meine Ehefrau Ruthi und ich teilnahmen. Sehr bewegende Worte sprachen Oded Horowitz, der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Oberbürgermeister Stephan Keller, Josef Schuster, Bastian Fleermann und Gisèle Spiegel.

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Vor meinem geistigen Auge lief ein Film ab. 20 Jahre ohne Paul, ohne diesen langjährigen Freund. Seit 1958, als wir uns kennenlernten, bis zu seinem Tod waren wir fast täglich zusammen, sowohl privat mit den Familien als auch in der sehr vielseitigen Arbeit in Sachen »Judentum«. Was wäre anders abgelaufen, wäre Paul trotz seiner schweren Erkrankung noch einige Jahre an unserer Seite geblieben? Wie hätte er sich gegen die aktuelle gewaltige Judenfeindschaft gewehrt, was hätte er uns geraten?

Die letzten Monate vor seinem Tod, sie waren wie Wechselbäder und sind mir in guter, leider auch schmerzhafter Erinnerung geblieben. Den Freund so leiden zu sehen, das tat sehr weh, zumal tröstende Worte die Realität nicht ändern konnten. So plötzlich sollte eine Freundschaft abrupt enden, unwiderruflich? Unsere gemeinsame Jugend, das heißt Ruthi, Gisèle, Paul und ich, die Gründung unserer beiden Familien, das tägliche Miteinander, entweder persönlich oder telefonisch, durch die schreckliche Krankheit in den letzten Monaten verändert, in denen ich mich kaum traute, die Frage zu stellen: »Wie geht es dir heute?« Und dann zu wissen, dass die Antwort nicht der Wahrheit entsprach.

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Mich hatte er in die jüdische Gemeindearbeit hineingezogen. Paul, zunächst als Volontär bei der »Allgemeinen« unter Karl Marx sel. A. und Hermann Levy sel. A., später Redakteur, Journalist, Büroleiter des Sitzes des Zentralrats von Generalsekretär Hendrik van Dam in Düsseldorf, dann selbstständiger Geschäftsmann und in mehreren beruflichen Positionen während seines Lebens, war an erster Stelle mit ganzem Herzen ein jüdischer Mensch. Engagiert für die Jugend, mit der Vision eines »normalen« Neu-Judentums in Deutschland nach 1945. Damit hatte er mich an seiner Seite.

Seine Stärke: Er war authentisch. Er ging auf Menschen zu. Er sprach Klartext, setzte Akzente. Über die Grenzen von Deutschland hinaus. Und er liebte Israel. Als höchster jüdischer Politiker, sowohl als Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein wie als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, gelang es ihm, den Zustrom jüdischer Menschen aus der GUS nach Deutschland so zu lenken, dass neue jüdische Gemeinden entstanden und seine Vision tagtäglich zu sehen und zu fühlen ist.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Ru­thi und ich, aber auch unsere schon längst erwachsenen Kinder nicht über »Onkel Paul« sprechen, einen seiner vielen Witze wiederholen und darüber mit einem kleinen Kloß im Hals lachen. Oder sagen: »Was hätte Paul dazu gesagt?«
Sein Foto und Bilder unserer beiden Familien stehen deutlich sichtbar sowohl im Wohnzimmer von Gisèle als auch bei uns. Paul ist nur »zeitlich verhindert«.

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