WIZO

Zeichen der Stärke

Der warme Schein der Leuchter taucht die breite Treppe des Crowne Plaza Berlin in goldenes Licht. Es ist kurz nach 19 Uhr, als die ersten Gäste in Abendgarderobe die Stufen hinaufsteigen. Oben werden sie mit Champagner und Canapés empfangen, während die Melodika-Showband den musikalischen Rahmen setzt. Doch dieser Dezemberabend ist mehr als nur eine weitere Charity-Gala der Berliner Gesellschaft. Die festlich gekleideten Frauen und Männer, die sich hier versammeln, folgen einem klaren Statement: »We will Dance Again« – das Motto des Abends ist zugleich Trotzreaktion und Hoffnungsbekenntnis.

Als sich die Türen zum Konferenzsaal öffnen, der für diesen Abend in einen eleganten Festsaal verwandelt wurde, offenbart sich eine Szenerie von beeindruckender Wirkung. Kunstvolle Blumenarrangements mit roter Amaryllis setzen dramatische Akzente auf den festlich gedeckten Tischen. Unter gläsernen Hauben schimmern filigrane Zweige im Kerzenlicht. Vor der Bühne wurde eine Tanzfläche eingerichtet, die im Laufe des Abends zum Sinnbild der Lebensfreude werden wird.

Susan Sideropoulos führte durch den Abend.

Moderatorin Susan Sideropoulos wird durch einen Abend führen, der politische Botschaften mit konkreter Hilfe für soziale Projekte in Israel vereinen will. Die WIZO-Gala 2024 steht unter der Schirmherrschaft des israelischen Botschafters Ron Prosor. Der findet in seiner Rede klare Worte: »Die, die dieses Massaker nicht deutlich verurteilen, sind keine Ansprechpartner. Mit denen werden wir nie etwas neu aufbauen.« Prosor betont: »Es ist wichtig, dass wir jetzt zusammenstehen. Dass wir stark sind. Damals gab es keinen Unterschied zwischen links oder rechts, orthodox oder säkular.«

WIZO-Deutschland-Präsidentin Nicole Faktor beschreibt die aktuelle Situation: »Seit mehr als einem Jahr haben wir Angst, Unsicherheit, Trauer, Wut und Ohnmacht. Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die nicht einknicken.« Die Organisation betreibt rund 800 soziale Einrichtungen in Israel, darunter Kindergärten, Frauenhäuser und Seniorenzentren.

»Von dem Campus im Zentrum Israels bis hin zu den Einrichtungen im Süden des Landes ist die WIZO ein Teil des Projekts für das Leben der Menschen«, berichtet Anat Vidor, die Präsidentin der Welt-WIZO. Elf WIZO-Kindergärten gehörten zu den wenigen Einrichtungen, die auch in den ersten Tagen nach dem 7. Oktober geöffnet blieben.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem neu errichteten Professor-Heuss-Therapiezentrum. »In Kürze werden wir 50 Mädchen in einem neuen, schönen Zuhause empfangen können«, berichtet Nicole Faktor. »Das Zentrum vermittelt Fürsorge, Liebe und Hoffnung.« Die praktische Hilfe der WIZO zeigt sich besonders in solchen konkreten Projekten.
Die musikalische Gestaltung durch die Melodika-Showband trägt wesentlich zur Atmosphäre bei.

Ihre Interpretationen traditioneller israelischer Lieder verschmelzen mit modernen Klängen zu einer eigenständigen Stimme der Hoffnung. DJ Levinsky ergänzt das Programm später mit einem Mix, der die Gäste immer wieder zum Tanzen animiert.

»Die Hora ist unser Rezept, unser Überlebensmechanismus.«

Zwischen den Reden entwickelt sich eine lebendige Dynamik im Saal. Während David Mildner mit seiner Close-up-Magie für staunende Gesichter an den Tischen sorgt, nutzen viele Gäste die Gelegenheit zum Netzwerken. Die Gespräche drehen sich um aktuelle Projekte, aber auch um persönliche Geschichten und Zukunftspläne. »Die Hora ist unser Rezept, unser Überlebensmechanismus, der uns durch die letzten Jahrhunderte gebracht hat«, erklärt Yehuda Teichtal, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin, den traditionellen Kreistanz. »Nur gemeinsam sind wir stark. Gemeinsam müssen wir in die gleiche Richtung schauen.«

Der Berliner Senator für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt, Joe Chialo (CDU), kündigt in seiner Rede konkrete Maßnahmen an: »Anfang 2025 werden wir eine Fachstelle einrichten, in der wir mit innovativen Projekten Strategien gegen Antisemitismus in Kunst und Kultur entwickeln werden.« Rebecca Schönenbach, die Vorsitzende des Vereins »Frauen für Freiheit«, richtet den Blick auf die globale Dimension: »Wer uns einen Vergewaltiger als Freiheitskämpfer präsentieren möchte, hat sich für jedes weitere Gespräch disqualifiziert.« Sie zieht historische Parallelen: »Schon in den frühen zionistischen Bewegungen waren Frauen zentrale Figuren in der Entwicklung des Staates Israel. Sie haben uns allen gezeigt, dass sie bereit sind, für den Staat Israel und die demokratischen Werte einzustehen.«

»Die Hora ist unser Mechanismus zum Überleben«, sagt der Rabbiner.
Rabbiner Yehuda Teichtal betont in seinem Gebet die Bedeutung der Gemeinschaft: »Gemeinsam werden wir beten. Das besagt fast schon, dass wir genau wie die anderen sehr bedacht sind.«

WIZO Deutschland berichtet von neuen Initiativen: ein Pilotprojekt zur Traumatherapie für Menschen aus den Gebieten nahe Gaza, elf neue Schutzräume in Kindergärten und Unterstützung für evakuierte Familien. »Wir arbeiten hauptsächlich in der Natur«, erläutert eine Projektleiterin das Therapiekonzept, »damit Menschen wieder zu sich finden können.«

»Ohne ihre Hilfe wären diese Abende buchstäblich undenkbar«, betont Nicole Faktor.

Die Spendenbereitschaft der Gäste zeigt sich nicht nur bei den klassischen Patenschaften. »An diesem Abend haben wir mehr als 90 Lose im Umlauf«, erklärt Susan Sideropoulos den Gästen. »Unsere Glücksboten werden den ganzen Abend unterwegs sein.« Unterstützt werde die Gala von vielen Sponsoren. »Ohne ihre Hilfe wären diese Abende buchstäblich undenkbar«, betont Nicole Faktor. Die gesammelten Spenden fließen direkt in die Projekte der WIZO, von der Traumatherapie bis zur Ausstattung der Schutzräume in den Kindergärten.

Die Gala möchte zeigen, dass sich soziales Engagement und politische Botschaft nicht ausschließen. Während auf der Tanzfläche die Gäste tanzen, werden an den Tischen Patenschaften für soziale Projekte unterzeichnet.

Berlin

Lesen, Lernen, Spaß

Der Saftblatt-Baum stand im Mittelpunkt der Erzählstunde des Projekts PJ Library

von Naomi Gronenberg  08.02.2026

Wettbewerb

»Kein Reichtum ist größer«

Aus 13 Ländern kamen Jugendliche zum europäischen Finale des Bibelquiz Chidon Hatanach in München

von Esther Martel  08.02.2026

Porträt der Woche

Der Geheimnisträger

Leonid Komissarenko war Rüstungstechniker – und emigrierte, um seine Frau zu retten

von Anja Bochtler  08.02.2026

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  05.02.2026

Gesellschaft

Einfach machen!

Seit dem Jahr 2000 zeichnet die amerikanische Obermayer Foundation ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. So wie am vergangenen Sonntag im Jüdischen Museum in Berlin

von Katrin Richter  05.02.2026

Hilfe

Wärme schenken

Die Mitzwe Makers unterstützen mit der »Warmnachten«-Aktion obdachlose Menschen in der kalten Jahreszeit mit Sachspenden

von Esther Martel  04.02.2026

Podcast

Von Adelheid bis Henriette

Journalisten und Historiker gehen dem Leben jüdischer Frauen im 19. und 20. Jahrhundert nach

von Katrin Richter  04.02.2026

Umwidmung

Kein Zeitplan für Yad-Vashem-Straße in Berlin

Nach der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem soll ein Straßenabschnitt im Herzen von Berlin benannt werden. Bislang ist unklar, wann dies erfolgt

 03.02.2026

Tu Bischwat

Erste Blätter

Wie stellen sich jüdische Kinder das Neujahrsfest der Bäume vor? Wir haben einige Mädchen und Jungen gebeten, für uns zu malen

 02.02.2026